Nieder mit Ebay und Google! [Update 6 – Presseschau ergänzt]

Der stellvertretende Vorsitzende der FC Bayern München AG offenbart auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München e.V. – neben anderen Feindseligkeiten – auch eine gewisse Technikfeindlichkeit und will auf Ebay und Google verzichten.


Video: FC Bayern München Ausraster Hoeneß

Video*: Uli Hoeneß’ souveräne Antwort auf Kritik (bei 1’30” geht’s um Google und Co.)

[6. Nachtrag, 16.11.: Presseschau]
Gerade gefunden: ein bemerkenswerter Kommentar zur Sache in einem Ruhrpott-Portal. Die heute mal lesenswerte aktuelle Presseschau vom Indirekten Freistoss zum Thema.

[5. Nachtrag, 15.11.]
Ein Kommentar von mir. Hoeneß rechtfertigt sich (Münchner Merkur) und geht am Montag ins Fernsehen (BR, 19.11., 21:45 Uhr).

[4. Nachtrag, 14.11., 17:30 Uhr]
Der Vorstand der FC Bayern AG hat inzwischen einen offenen Brief an die Fans und Anhänger des FC Bayern veröffentlicht, in dem versucht wird, den auf der Vereinssitzung offen ausgebrochenen Streit zu schlichten:

Einverstanden: vielleicht ist das eine oder andere Wort, das Anfang dieser Woche gefallen ist, mit etwas zu vielen Emotionen rübergekommen.

Warum? Weil wir in dem Moment enttäuscht waren. Wir haben gerade in den vergangenen Jahren soviel, mehr als überall anders, für unsere Fans und Anhänger getan.
(…)
Wir möchten hiermit ausdrücken, dass der FC Bayern – und dieser Vorstand – mit allen seinen Mitarbeitern zum Wohl unseres Klubs und seiner Anhänger rund um die Uhr arbeitet.

Dass es hin und wieder Kritik gibt und Anregungen, Dinge anders zu machen, ist gut. Das haben wir uns immer angehört und werden dies auch weiterhin mit allem Interesse tun.
(…)
Aber wir sind auch in der Pflicht, auf Dinge, die nicht in Ordnung sind, hinzuweisen. „Wehret den Anfängen“ ist unsere Philosophie. Wenn beim FC Bayern, wie geschehen, Überfälle von „Fans“ auf andere Anhänger vorkommen, bei denen eine Frau ihr Augenlicht verliert, wenn sich solche Personen zusammentun und den FC Bayern als Plattform für ihre Darstellung suchen – dann müssen wir einschreiten. Dann können wir nicht zusehen, wie einzelne diesen großartigen Club in Verruf bringen und uns allen schaden.
(…)
Was wollen wir?
Wir wollen den FC Bayern erfolgreichen Fußball spielen sehen. Wir alle wollen unsere Freude, unseren Spaß haben, wenn unsere Mannschaft auftritt. Wir wollen eine Gemeinschaft, eine Familie, die „Bayern-Familie“, die respektvoll miteinander umgeht. Dazu gehören unsere Anhänger, unsere Fans, unsere Mitglieder, unsere Spieler und alle unsere Mitarbeiter.

Und wenn wir von unseren „Fans“ sprechen, dann sind das die „Kuttenfans“ auf den Stehplätzen genauso wie die Fans in den Businessbereichen und Logen und der Vater mit seinen beiden Kindern auf der Tribüne. Wir sind Bayern.

Alle diese Anhänger sind uns wichtig, für den FC Bayern lebenswichtig. Für Sie machen wir hier unsere Arbeit. Mit Ihnen sind wir immer im Dialog. Und wenn es mal schwierigere Zeiten gibt – dann müssen wir alle noch enger zusammenrücken.

Dies werden wir tun. Wir laden Fanclubs für die kommende Woche zu einem gemeinsamen Gespräch nach München, zum FC Bayern. Wir wollen über diese Dinge, die uns derzeit beschäftigen, miteinander sprechen, offen und ehrlich. Unsere Einladung an die Fans wird in diesen Tagen an Sie rausgehen.

Wir freuen uns auf Sie.

Karl-Heinz Rummenigge
Uli Hoeneß
Karl Hopfner

Der Brief in voller Länge. Und erste Reaktionen darauf in der Presse.

[3. Nachtrag, 14.11.]
Presseschau ergänzt und neue Videos gefunden. Nachdem der Clip auf Youtube verschwunden war, habe ich jetzt einen Mitschnitt von Hoeneß’ Antwort auf die Kritik an der Stimmung im Stadion auch auf Myvideo.de gefunden. Und auf Clipfish.de. Und auf Sevenload (mit Werbung, bäh). Und inzwischen auch wieder auf Youtube (ohne Werbung, aus einer anderen Kamerasicht).

Auf Clipfish hat jemand dazu einen längereren TV-Beitrag zum Thema einfach vom Fernsehschirm abgefilmt. Und das Schweizer Boulevardblättchen “20 Minuten” scheut sich übrigens auch nicht, ein auf Youtube veröffentlichtes Bootleg des Bild online-Berichts in die eigenen Seiten einzubauen, Urheberrechte hin oder her.

[2. Nachtrag, 23:40 Uhr]
Auf Sportschau.de ist ein Beitrag über die Jahreshauptversammlung vom BR-Reporter Thomas Klinger abzurufen, der auch die Hoeneß’sche Tirade wiedergibt. Ohne Werbung (schön), aber leider nicht ganz so ausführlich im Redezitat (bäh) und ohne Google/Ebay-Bashing des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der FC Bayern AG (schade, das ist ja selbst bei Bild online noch dabei).

[Nachtrag, 23 Uhr]
Über Bild online gibt’s den Hoeneß’schen Ausbruch noch zu sehen (ja, ich weiß). In besserer Tonqualität – aber leider ohne die Kommentare aus dem Publikum, ohne den Grund für Hoeneß’ Ausbruch (bäh), mit Werbung vorweg (doppel-bäh) und natürlich ohne Möglichkeit, die Videos hier anständig einzubinden (dreifach-bäh). Wer eine Alternative findet, meldet sich bitte in den Kommentaren oder per Mail, danke.

Damit haben sich innerhalb weniger Tage gleich zwei Vorsitzende von Vereinen, bei denen ich Mitglied bin, als Internet-Skeptiker erwiesen. Aber auch aus diskussionskulturellen Gesichtspunkten war das eine sehr eindrucksvolle Sitzung gestern Abend. Die Hauptversammlung der Bayern war einen Besuch wert, nicht nur wegen der vielen schönen Fotos wie diesem hier:

'Beckenbauer' auf Flickr
Foto: Beckenbauer, auf Flickr gibt’s noch ein paar mehr

und der interessanten Videos:

Video: Rummenigge auf der JHV 2007, auf Youtube* gibt’s noch einige weitere Videos* von der Versammlung, u.a. den Redebeitrag, der Hoeneß zu obiger Reaktion provozierte (die es natürlich auch in besserer Qualität – aber mit Werbung – als Video z.B. auch auf Bild.de gibt).

Letztes Jahr wurde die Internet-Übertragung der Hauptversammlung übrigens just in dem Moment abgebrochen, als die Mitglieder ihre Wortmeldungen vortrugen, man bekam etwaige Kritik von Vereinsmitgliedern am Vorstand also gar nicht mit. Ein weiterer Grund, vor Ort zu sein.

Mehr zur Jahreshauptversammlung:
FCB präsentiert neue Rekordzahlen – die offizielle Meldung des FC Bayern. Auf der FCB-Website gibt es auch ein über 90-minütiges Video von der Versammlung (allerdings ohne die Wortmeldungen der Mitglieder), FCB-Führung demonstriert Einheit (ebenfalls FCB.de). Und nicht ganz zusammenhanglos: anbei Links zu Ulis Gästen und Kalles Kunden (aus deren Kreisen kam die Kritik, die zu Ulis Ausbruch geführt hat). Der wirtschaftliche Hintergrund, der für den erhöhten Blutdruck Hoeneß’ gesorgt haben könnte (FTD).

Die Presseschau
Soweit die offiziellen Meldungen, nun zur Presseschau: Hoeneß streitet mit Fans (Süddeutsche Zeitung), FC Bayern zürnt und lacht (SZ), Warum Bayern München zum größten Erfolgsmodell des deutschen Fußballs geworden ist (SZ), der “Münchner Merkur” findet die Tonlage Hoeneß’ skandalös, “Die Welt” titelt “Uli Hoeneß beschimpft meckernde Bayern-Fans“, FAZ.net findet die zehn schönsten Sprüche der FCB-Vorstände und auch dem Kölner “Express” ist der Wutausbruch eine Meldung wert. Ein Interview mit einem Fanclubmitglied der “Red Sharks” (die übrigens auch ein Lied davon singen können, wie der Verein mit den Fans umgeht, aber das ist eine alte und andere Geschichte) gibt es auf FAZ.net. Selbst Schalke-Fans räsonnieren darüber, ob sich ein Vorstand einen solcher Umgang mit seinen Kunden leisten kann. Und ein Bayern-Fan beschreibt in einem offenen Brief an Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, wie er die derzeitige Stimmung im Stadion findet (11 Freunde).

Was noch fehlt: die Stellungnahme des vom Vorstand auf der Versammlung auch angegriffenen Fanclub-Vereinigung Club Nr. 12 (Rummenigge: “Fakt ist doch, dass sich die Fanklubs untereinander nicht grün sind, und speziell der Club Nr. 12 spielt dabei eine ganz beschissene Rolle”) die zur Besonnenheit rät, auch wenn “die Äußerungen der Vereinsführung auf der gestrigen JHV für uns sehr überraschend und zu großen Teilen nicht nachvollziehbar” sind. Damit reagiert der Club Nr. 12 nicht unbedingt mit “bloßer Unverständnis”, wie Sport 1 meint.

Und zum guten Schluß noch der Kommentar eines Dortmunder Fanzines:

Sich in der Form abkanzeln und erniedrigen zu lassen, passt allerdings genau in das Erscheinungsbild des gemeinen Bayern-Fans: schließlich ist er ein Feigling, ein Zuschauer, der zum FCB geht, weil es schick ist, weil die meistens gewinnen und einen Titel nach dem anderen holen. Man ist dort eben auf der sicheren Seite. So verwundert es auch überhaupt nicht, dass dort weniger Stimmung herrscht, als in so mancher Amateurklasse.

Und im Kleingedruckten eine Ergänzung für Moritz Kielbassa von der SZ, der Uli “trotz detektivischer Recherche im Internet” (naja) nicht genau verstanden hatte: Herr Hoeneß hat über den Turnverein gesagt, Zitat: “Der Verein [gemeint ist 1860 München, Anm. probek] ist mehr oder weniger pleite und wir haben ihn am Leben erhalten” (leider ist Herrn Kielbassas Beitrag über die Reaktionen der Blauen auf die Hoeneß’schen Bemerkungen bisher nur in der gedruckten SZ erschienen).

[*Nachtrag, 22:30 Uhr]
Einige Videos wurde inzwischen von Youtube gelöscht bzw. vom Ersteller auf privat gesetzt, was aufs gleiche rauskommt. Es gibt aber noch andere.

5 Gedanken zu „Nieder mit Ebay und Google! [Update 6 – Presseschau ergänzt]“

  1. Super, als nicht-Bayernfan ist es mir ziemlich egal ob Uli mit Kritik umgehen kann oder nicht. Ich fand das Video sehr amüsant, genauso wie seine Wutrede gegen Klaus Allofs beim Ligapokal. Und als FC Köln Fan ist man sowieso einiges gewohnt.:-)

  2. Und schon ist das Video gelöscht worden… Sind bei der Versammlung Kameras verboten gewesen, oder gab’s sonst irgendeinen legal einklagbaren Grund das Video jetzt rauszuschmeißen?

  3. Nein, Kameras waren nicht verboten. Und so schnell klagen? (In der Regel geht das ja über die Copyright-Schiene, siehe DFL). Das Video ist auch nicht weg, es ist “nur” auf privat gesetzt worden (was für uns natürlich keinen Unterschied macht). Da hat die Schere wohl schon beim Einsteller angesetzt, vielleicht haben ihm, der vermutlich Bayern-Fan ist, ein paar Kommentare (oder Einbindungen in einem nicht so nett gemeintem Umfeld, wie ich es z.B. biete) nicht gefallen, die Kommentare waren beim Youtube-Video nämlich auch erst erlaubt und später dann abgeschaltet.

  4. Wenn man den Ausbruch jetzt nochmal so sieht, dann ist das Beste eigtl Beckenbauers hämisch-tätschelndes “Ja Ja” gegen Ende des ersten Videos. :-)

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