Zitate des Tages II

Wenn die meisten deutschen Filme nur durch Förderung entstehen, heißt das ja, daß überhaupt kein Bedarf von Seiten der potentiellen (zahlungsbereiten) Zuschauer nach ihnen bestand. Die Hersteller bekommen also das Geld anderer Leute (der deutsche Steuermichel) von der Politik zugeschanzt damit sie ihren Hobbies (Filme drehen) nachgehen können. Die Politiker können dafür auf den Filmbällen mit der Medienschickeria frei saufen. Wenn diese Filme nun verschwinden, so ist das kein Verlust.

Kommentar von “Kinogänger” zum deutschen Film. (Quelle)

[tags]Blog, Fundsachen, Medienlese, Minimalia, Zitat des Tages, Contentklau[/tags]

27 Gedanken zu „Zitate des Tages II“

  1. Ist doch alles eine Vermarktungssache. Wenn für jeden deutschen Film soviel Geld zur Verfügung stände, wie alleine für die Vermarktung eines Hollywood Filmes, dann würde es auch mit dem deutschen Film klappen. Dann hätten wir auch mehr Bucks und Akins. Was mich am deutschem Kino besonders stört ist, daß bei größeren Produktionen leider immer wieder auf bekannte Fernsehgesichter oder halt alternde Hollywood Schauspieler zurückgegriffen wird. Und warum werden nur Dramen oder Komödien produziert? Es gäbe genug Themen, die das Publikum in den Kinosaal zögen.

  2. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass der seit Jahrzehnten überwaltigende Markterfolg des Hollywood-Kinos – allein oder auch nur zu großen Teilen – auf das bessere Marketing zurückzuführen ist? Ein Produkt verkaufen können ist das eine, das Produkt selbst muss aber auch konkurrenzfähig sein.

    Selbst wenn deutsche Produktionen ähnliche Marketing-Budgets hätten (und manche Filme haben es – allein auf den deutschen Markt bezogen – durchaus), dann läge immer noch der größte Unterschied zwischen einer typischen deutschen und US-amerikanischen Produktion in der mangelnden Qualität der deutschen. Schöner (und viel kürzer als ich) fasste das übrigens kürzlich einer zusammen, der sich beruflich mit dem Thema befasst (Hans-Ulrich Pönack: “Nein, nein, das ist deutsches Kino. Um Gottes Willen!” Fundstelle, via Abspannsitzenbleiber). Nee, im Fußball können wir den Amis was vormachen, beim Kino und im Fernsehen nicht.

  3. Bei verschwenders Kommentar musste ich mir gerade einen deutschen Sci-Fi Film vorstellen :-D
    Ne, Deutschland, so nicht. Schuster, bleib bei Deinen Leisten. Komödien, Dramen und gute Krimis im TV.

  4. Ähh, sorry. Du scheinst mich falsch verstanden zu haben. Natürlich wird das deutsche Kino immer scheitern, wenn es versucht Hollywood zu kopieren. Natürlich haben wir hier nicht so eine traditionelle Spezialeffekt Industrie wie in den Staaten und natürlich fehlt es in Deutschland vor allem an guten Drehbuchschreibern. Das liegt aber vor allem am nicht vorhandenen Geld und den daraus resultierenden Seilschaften, die sich das Geld unter einander aufteilen oder sicher für das Fernsehen produzieren. Wenn deutsche Medienfonds ihr Geld risikofreudiger in deutschen Projekten investieren würden, als in Hollywood unterzubringen, wer weiß. Komischerweise haben deutsche Filme, wenn sie denn mal ordentlich produziert werden auch ordentlichen Erfolg in deutschen Kinosäälen. Oder willst Du mir absprechen, daß Filme wie das Boot, Bang Boom Bang, Der bewegte Mann, Das Parfüm, Goodby Lenin, Der Schuh des Bully Herbig etc. keinen Erfolg gehabt hätten? Mal ganz abgesehen von ihren inhaltlichen Qualitäten? Ich glaube es ist schon ein fetter Markt für deutsches Kino vorhanden, nur traut sich kein Invenstor in Deutschland auch mal 10 oder 20 Millionen in den Sand zu setzen. Wie gesagt da produziert man lieber für das Fernsehen, das sind sichere Einnahmen. Und um noch mal auf die Vermarktung zurückzukommen. Ich kann mich nicht an eine einzige gut gemachte Promotion für einen deutschen Film in den letzten Jahren erinnern. Es reicht nicht beim Raab oder beim Kerner auf der Couch zu sitzen und von seinem neuem Film zu erzählen. Wenn ich alleine an den Hype um Valkyre denke, der jetzt schon 1 Jahr vor Kinostart vor allem Dank der Springerpresse gemacht wurde. Das ist Marketing!

  5. Ich weiß nicht. Du erwähnst die Ausnahmen, ich spreche von der Regel. Und selbst die paar genannten Beispiele sind zumeist nur in Deutschland weltberühmt – und haben im weltweiten Vergleich zu vernachlässigende Einspielergebnisse.

    Wenn deutsche Filme in der Masse die Qualität und den Appeal hätten, sich – so wie die meisten Hollywood-Filme – auch im internationalen Vergleich zu bewähren, dann würden die längst alle Marketing-Kohle dieser Welt ausgeben können (denn dann würden die Investoren ihr Geld doppelt und dreifach zurückbekommen). Die Marktwirtschaft ist eigentlich recht leidenschaftslos, wenn es ums Geldverdienen geht. Und das geht in der Regel eben nur mit einem guten Produkt.

    Ich bin pessimistisch, was den Marktanteil der deutschen Filme angeht, aus einer Nischenrolle kommen wir mit unseren Produktionen nicht mehr raus. Angesichts der derzeitigen Qualität halte ich das knappe Fünftel Marktanteil in Deutschland sogar für einen Erfolg. Man könnte sentimental werden: das letzte Mal, als die deutsche Filmindustrie mit Hollywood konkurrenzfähig war, war ungefähr zur Zeit der Produktion von “Metropolis”. Das gab’s nur einmal, das kommt (so schnell) nicht wieder.

  6. Naja, bis in die Mitte der 60er konnten Deutsche Filme in den Kinos auch noch ganz gut konkurieren. Das europäische Kino hatte bis dahin ja den gleichen Stellenwert. Ich glaube es ist etwas typisch deutsches, das eigene Werk nicht so hoch anzusehen wie das des anderen. Hast Du vielleicht Bucks Knallhart gesehen? Der Film ist nicht zu Unrecht mit Scorseses Gangsterwelten verglichen worden. Aber bevor der Film auch nur eine Chance hatte, wurde er von Seiten der intellektuellen Kritik im eigenen Lande kaputt geschrieben. Dabei hatte er ja gar keinen Anspruch auf Authentizität. Ein Film, der ein Thema behandelt, das auch Menschen in Paris, London, New York oder Rio interessieren könnte. Der Film war so unbequem, da wollte die Friede, Freude, Eierkuchen Boulevard Presse sich gar nicht erst mit abgeben. Und dann kann die Elbertzhagen auch noch wirklich spielen. Ich möchte behaupten a) hätte die Furtwängler anstatt der Elbertzhagen mitgespielt, b) Dieter Wedel anstatt Buck Regie geführt und hätte es c) ein versöhnliches, fernsehkompatibles Ende gegeben, der Film wäre typischer deutscher Schrott, aber er wäre gehyped worden wie kein anderer. Das ist das grundsätzliche Problem in Deutschland. Man traut sich und dem Publikum nichts zu. Könntest Du Dir vorstellen, ein Luc Besson hätte für seine Filme Subway oder Im Rausch der Tiefe auch nur einen Cent in Deutschland auftreiben können? Ich wage es zu bezweifeln.

  7. Mitte der 60er war es für den deutschen Film aber schon mehr eine Frage der Quantität (d.h. der Marktanteile in Deutschland), statt der Qualität. Ein Exportschlager (wie noch in den 1920er Jahren) war der deutsche Film da längst nicht mehr. Da haben die Nazis schon gründlich für gesorgt, dass wir auf der Ebene nix mehr zu melden haben.

    Wie gesagt: ein oder zwei löbliche Ausnahmen unter Dutzenden schlechter Filme sind noch kein Beleg dafür, dass der deutsche Film auch nur ansatzweise künstlerisch auf Augenhöhe mit dem Hollywood-Kino sein kann. In den USA produzieren die Studios eben neben den Blockbustern zuweilen auch noch viele anspruchsvollere Werke, selbst wenn – zugegeben – deren kreativste (und beste) Phase auch längst vorbei ist.

    “Man traut sich und dem Publikum nichts zu”. Na ja, ich bin bei guten deutschen Filmen immer überrascht – und Du vermutlich auch. Und warum sind wir überrascht? Weil Du es eben nicht erwartest, dass auch aus deutschen Landen mal etwas interessantes kommen könnte. Machen wir uns nix vor: die guten Filme sind hier (noch) die Ausnahme (btw: wo bleibt denn in Deinem Jahresrückblick der ach so tolle deutsche Film?). Ich jedenfalls gucke deutsche Kino- und deutsche TV-Produktionen immer mit einer ggf. stark gesenkten Erwartungshaltung an, um sie überhaupt ertragen zu können.

  8. Wir reden ja schon wieder an einander vorbei. Es ging doch um die Frage ob es einen Markt für den deutschen Film gibt. Ich gehe einmal davon aus, daß es dem Publikum egal ist aus welchem Land der Film stammt. Ich schaue mir ja einen Film nicht an weil er aus einem bestimmten Land stammt, sondern weil mich der Regisseur oder die Story interessiert. Oder der Trailer mich neugierig gemacht hat. Wenn ich die Masse an amerikanischen Produktionen sehe und dann schaue, was wirklich gut war, was wirklich künstlerisch war… Wenn Du meinen Rückblick richtig gelesen hättest, wäre Dir aufgefallen, daß es bei den Filmen, die mir gefallen haben zwei britische Filme, einen französichen, einen russischen und lediglich 3 reine amerikanische Vertreter gab. Und die waren eigentlich auch nicht typisches Hollywood Kino. Gemessen an dem Gesamtvolumen, das Hollywood letztes Jahr herausgebracht hat, ein bisserl mager. Das kein deutscher Film in meinem Rückblick vorkommt, liegt vielleicht daran, daß kein Produzent es geschafft hat mich ins Kino zu locken. Aus genau den Gründen, die ich in meinen Kommentaren bisher geschildert habe.

  9. Du hast ein Deja vu? Vielleicht reden wir ja diesmal nicht anneinander vorbei, sondern beackern nur unterschiedliche Felder.

    Mir ging es (und darum habe ich den “Kinogänger” auch zitiert) um eine polemisch zugespitzte These, woran es beim deutschen Film krankt bzw. warum die Förderkultur schlecht für das deutsche Kino ist. Du hast die Ursache für eine mangelnde Konkurrenzfähigkeit deutscher Filmkunstwerke an der Vermarktung und an den falschen Genres festgemacht. Mag ja alles sein.

    Ich frage mich halt nur, warum ich in den Jahrzehnten als Kinogänger und Filmkonsument die Erfahrung gemacht habe, dass mir in der Regel die US-Produktionen besser als die Werke der deutschen Filmschaffenden gefallen. Oder anders gesagt: ich kenne weit mehr gelungene US-Produktionen als deutsche – und das liegt nach meiner Vermutung nicht alleine am puren Produktionsvolumen der Filmindustrie (wenn’s nur nach dem Output ginge, wäre Indien das Land mit den besten Filmen).

    Oder noch anders gesagt: Wenn ich ein Sneak-Geher wäre, hätte ich es im Zweifel lieber, wenn ich mit einer US-amerikanischen Produktion überrascht werde. Da werde ich (überspitzt gesagt) schlimmstenfalls schlecht unterhalten. Bei einer deutschen Produktion muss mich ich über das Dargebotene aber oft ärgern – und das will ich im Kino nun mal gar nicht.

    Ganz anders gesagt: beim nächsten Mal nutzen wir dann halt ggf. die hier auch vorhandene Chat-Funktion und diskutieren das in Echtzeit aus.

    (Und damit völlig abgesehen davon, was alles beim deutschen Fernsehen so schlecht ist – das hat aber andere Ursachen als die Förderkultur und soll jetzt mal außen vor bleiben).

  10. Gegenfrage. Warum gehen europäische Filmemacher in die USA um ihre Projekte zu realisieren? Hat das nicht vielleicht damit zu tun, daß dort die erforderliche Knete für ihre Vorhaben zu holen ist? Selbst der bekloppte Boll kann dort seinen Schrott finanzieren, was ja eigentlich schon einem Wunder gleicht. Hier ist man ja geradezu auf die Filmförderung angewiesen mit deren Hilfe man ja noch nicht einmal vernünftiges Equipment beschaffen kann, geschweige denn ein Set finanzieren, daß mehr als ein Drama oder eine Komödie hergibt;-)

  11. Uwe Boll hat seinen Schrott vor allem durch nützliche deutsche Idioten finanziert, die ihm Geld in seine Medienfonds eingezahlt haben – der Produktionsort ist dabei sekundär. Ist ja auch ok: mir ist es im Zweifel lieber, wenn das Geld für die Produktion eines Produkts, das sich am Markt bewähren muss, eben nicht vom Steuerzahler kommt, sondern von freiwilligen Investoren (die dann auch mal Geld verlieren, aber eben nicht meines).

  12. Das ich hier auch noch was dazu schreiben muss, war ja klar. Wie Euch ja bestimmt schon aufgefallen ist, mag ich nämlich deutsche Filme. Und ich denke, es wäre auf jeden Fall ein Verlust, wenn die Filme verschwinden. Das Filme gefördert werden ist doch überall, außer in den USA, ganz normal. Meines Wissens ist die Gesamtfördersumme in Frankreich am höchsten. Deutscher Film ist ja auch ein Stück deutsche Kultur und somit auch förderungswürdig. Wenn man Kunst und Kultur der freien Marktwirtschaft überlässt, kann ja langfristig nichts dabei rumkommen. Es rennen nämlich hauptsächlich Idioten durch die Welt. Bei den großen Hollywoodproduktionen ist nämlich auch eher weniger dabei, was man als Kunst bezeichnen könnte. Gerade die Hollywood-Komödien sind meistens ziemlich lau (z.B. Trennung mit Hindernissen) und werden nur deshalb ein Erfolg, weil irgendeine blonde Jessica (Alba oder Biel oder wie sie alle heißen) mit Hollywood-Standard-Nase ihre Titten oder ihren Arsch in die Kamera hält oder ein muskelbepackter Schönling oben ohne gezeigt wird. Was jetzt nicht heißen soll, dass alles aus den USA schlecht ist und alles aus Deutschland gut. Aber ich denke der Anteil an schlechten Filmen ist in Deutschland nicht höher als in den USA. Ich glaube viele Leute haben nur keine Lust sich auf deutsche Filme einzulassen. Mir gehen deutsche Filme meistens näher, weil sie echter wirken, als Hollywoodproduktionen. Zum Beispiel diese “American Pie” Filme. Kein Mensch kann mir erzählen, dass es so tatsächlich an amerikanischen Schulen abgeht. Wohingegen ich bei “Schule” ziemlich sicher bin, dass es so an deutschen Schulen zugeht, weil das durchaus meine Schule sein könnte, die da gezeigt wird. Vielleicht will eben die Mehrheit der Kinogänger lieber die Hollywoodplastikwelt sehen, als eine Geschichte, die auch um die Ecke stattfinden könnte.

  13. Das ist die interessante Frage: warum haben denn viele Leute keine Lust, sich auf deutsche Filme einzulassen? Weil das die “Idioten” sind, die hauptsächlich durch die Welt rennen? Liegt es am Publikum, das die Genialität der deutschen Produktionen nicht erfassen kann? Und ist denn der Kunst- und Kulturbetrieb in den USA so viel schlechter, weil weniger gefördert wird?

    Zu Bucks “Knallhart” und der These, die deutsche Kritik hätte den Film kaputtgeschrieben: nach Lektüre dieser Zusammenstellung von Kritiken kann ich das nicht nachvollziehen, die sind überwiegend positiv. Ich glaube, da überschätzt der Verschwender die Macht der Kritik.

    Und spaßeshalber (nur zur Bereicherung, nicht als Totschlag-Argument) noch ein paar Statistiken, um zu schauen, wo die besten Filme herkommen: Top Ten der best bewerteten Filme beim deutschen Angebot Moviepilot.de, OFDB-Liste der besten Produktionsländer (lässt sich leider nicht direkt verlinken, platziert aber die USA deutlich vor Deutschland. Auf den ersten Plätzen sind allerdings Länder wie Schweden (!), Dänemark (!!) und Hongkong – was auch zeigt, wie tendenziös solche Listen sein können, da halt nur die jeweils besten Exportprodukte auch in anderen Ländern gezeigt werden), Top 250 Liste der IMDb (ok, ist nicht fair, da das eine US-Liste ist. Gibt aber immerhin in den Top Ten eine deutsche Co-Produktion sowie eine japanische Produktion, sonst ausschließlich US-Produktionen). Die Bewerter sind alles Idioten, ich weiß…

  14. Also ich kenn einige Leute, die sich einen Film deshalb nicht anschauen, weil’s ein deutscher Film ist.
    Bis auf ein paar Ausnahmen, laufen deutsche Filme auch nicht in den großen Kinos, sondern eher im Programmkino, wo dann schon mal eine breite Masse überhaupt nicht angesprochen wird. Ist halt die Frage: laufen die Filme nicht in den Kinopalästen, weil’s keiner sehen will oder will’s keiner sehen, weil’s nicht im Kinopalast läuft?

    Na, ich hab ja nicht behauptet, dass die besten Filme aller Zeiten aus Deutschland kommen. Ich mein ja nur, dass was in Deutschland gemacht wird, nicht schlechter ist, als das was in Hollywood gemacht wird. Und was es so in den 90ern an deutschen Komödien gab, war wirklich nicht so der Hit. Aber gerade in den letzten paar Jahren gab es wirklich einige gute Sachen.

  15. Und zu den Idioten: ich wollte nur ausdrücken, dass die Masse nicht immer recht hat. Beispiel Fernsehen: was so tagsüber im Fernsehen läuft, kann man ja kaum noch anschauen, aber die Leute wollen’s sehen.

  16. Und trotz unterschiedlicher Meinung zu deutschen Filmen, haben wir trotzdem 90% Übereinstimmung bei moviepilot :-P

  17. Erstmal ein Dankeschön an Karlsruhe. Wenn ich die OFDB und die IMDB als Kriterium für eine Filmbewertung nehmen würde, wäre American Gangster fast ein Meisterwerk und Ilsa – She Wolf of the SS ein annehmbarer Spaß. Das beides wohl eher nicht zutrifft, darüber sollten wir uns einig sein. Zu Deinem Pressespiegel, Tagesspiegel, Junge Welt, Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung und die Welt sind wohl kein adäquater Querschnitt der Massenprintmedien in Deutschland. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie der Film und Buck ins schlechte Licht gerückt wurden. Allen voran der Protest, der Gemeinde Neu-Köln, die wohl ein Imageproblem befürchtete. Ein paar Wochen später dann der Hilferuf der Lehrer der Rütli Schule. Das Bucks Film mit Filmen wie City of God oder Clarks Kids locker mithalten konnte wurde dabei schön unter den Teppich gekehrt.

  18. Noch etwas. Ich glaube auch, daß ein Film im Originalton auf viele Kinobesucher abschreckend wirkt. Man ist ja die Synchronisation gewohnt.

  19. Scary Shit II:

    In der selben Liga wie “City of God” (einem meiner absoluten Favoriten)?? Vielleicht sollte ich mir “Knallhart” doch mal ansehen…

    (*Erwartungshaltung schraubt sich hoch* – was nicht so gut ist)

  20. Süß – ich habe gerade (trotz allem) bei Moviepilot eine “Freundschaftsanfrage” an AnJu verschickt… (mal sehen, was jetzt passiert, bin schon ganz aufgeregt. Moviepilot.de fragt auch extra nach, ob ich ganz sicher bin…)

  21. Das solltest Du auf jeden Fall. Farbfilter, Kleinganoven, überzeichnete Charaktere, geiler Soundtrack, gute Kamera, Humor an den richtigen Stellen, Spannung und vor allem gute Schauspieler. Aber Vorsicht. Keine Copa Cabana. Stattdessen Berlin, wie es selten zu sehen ist.

  22. Sich am Herkunftsland aufzuhängen, um über die Qualität von Filmen zu diskutieren, ist doch irgendwie ziemlich kleingeistig.
    Scheiße und Perlen gibt’s überall. Und ich nehme an, dass das Verhältnis (ungefähr 9:1) auch überall auf der Welt gleich ist.
    Der Unterschied ist allerdings: bei Filmen aus dem Ausland gibt es einen Filter. Wir kriegen (zumindest im Kino) nur das zu sehen, was ein deutscher Verleiher zeigen will. Dadurch kann sich das Scheiße-zu-Perlen-Verhältnis verändern.

    Was den ursprünglichen Kommentar zum Thema Filmförderung angeht (zentrale Aussage: “Die Hersteller bekommen also das Geld anderer Leute (der deutsche Steuermichel) von der Politik zugeschanzt damit sie ihren Hobbies (Filme drehen) nachgehen können.”): Kultursubventionen sind gang und gäbe und aus meiner Sicht auch wichtig. Ich will gar nicht wissen, wie die deutsche Kulturlandschaft aussehen würde, wenn sie 100% privatwirtschaftlich aufgestellt wäre.

    Dass die einzelnen Aspekte der Filmförderung im Detail ziemlich absonderlich und fragwürdig sind, darüber kann man gerne diskutieren, aber die ganze Praxis würde ich nicht in Frage stellen wollen.

  23. Ach ja, ganz vergessen:
    Ich will gar nicht, dass das deutsche Kino international irgendwie “mithalten” kann. Ich will, dass das deutsche Kino die Lücke füllt, die das amerikanische Kino nicht ausfüllt. Das heißt: Dass es mir Geschichten erzählt, die mir die Amis nicht erzählen (wollen oder können). Zum Beispiel über das Leben hier in diesem Land.

  24. Unverschämtheit, Herr Sitzenbleiber, hier einfach den Großgeist raushängen zu lassen und dann als ersten Kommentar noch zwei so schöne und richtige Statements zu formulieren…

    Die zitierte und verlinkte Bestenliste der OFDB (übrigens die einzige, die ich auf die schnelle gefunden habe, die die Filme nach einer Bewertung der Produktionsländern sortiert) kommt bei näherem Hinsehen ja auch zu dem sensationellen Ergebnis, dass auf der Skale von 1 bis 10 zwischen dem Land mit der besten Bewertung (Schweden und Dänemark mit je ø 6,78) und dem schlechtesten (Luxemburg mit ø 5,84) nicht einmal ein voller Punkt dazwischenliegt. Zum Beweis der künstlerischen Überlegenheit irgendeines Produktionslandes* taugt das also nicht – und der Massen-Schwanzvergleich ist auch müßig, zugegeben. Aber die von AnJu zitierte (und von mir nicht geteilte) Einstellung (einen Film allein deshalb nicht anzuschauen, weil’s ein deutscher Film ist) kommt ja irgendwoher und ist – nach meinem subjektiven Eindruck – auch gar nicht so selten anzutreffen. Da interessiert es mich dann schon, woran das liegen könnte.

    Und ich hoffe trotzdem, dass das deutsche Kino im internationalen Vergleich mithalten kann – was immer das heißen mag. Ich freue mich, wenn Filme wie “Lola rennt”, “Good Bye, Lenin” oder “Das Leben der Anderen” nicht nur einen Nerv bei den Deutschen treffen, sondern auch international Erfolg haben, Preise gewinnen und das Ausland neugierig auf andere deutsche Produktionen machen – und nicht zuletzt (ja, es ist ein Business) Gewinn machen. Das ist auch eine der positiven Aspekte eines guten Kinofilms, die Fähigkeit, eine weltweite Fangemeinde zu erreichen und für eine kollektive Begeisterung über nationale Grenzen hinweg zu sorgen. Und dass der Künstler dann von seinen eigenen Werken leben kann, finde ich auch nicht so schlecht.

    *Gerade mal nachgesehen, wieviele deutsche Filme es auf meine Favoritenliste geschafft haben. Von den derzeit 144 Filmen auf meiner persönlichen Liste sind elf aus Deutschland – und 98 aus den USA. Zum Abschluss zitiere ich mich dennoch mal selbst: “Generell mag ich gute Filme, die Schauspieler oder Regisseure [oder Produktionsländer, probek] sind mir eher egal, das kann kein ernsthaftes Kriterium sein. Klar machen z.B. De Niro oder Scorsese in der Regel mehr gute als schlechte Filme, aber ein guter Schauspieler oder Regisseur zu sein, nützt gar nichts, wenn der Stoff nicht stimmt.” Woher der Stoff dann kommt, ist mir egal, solange er nur gut ist.

Kommentare sind geschlossen.