Warum Blogger eine Interessenvertretung brauchen (Update: Netzwerkgründung)

Herr Wieland bekommt ein Schreiben vom Anwalt, doch bitte eine unliebsame Äußerung von seiner Website zu löschen ((und während der Diskussion über seinen Artikel kam mir die Idee zu diesem Aufruf)). Alexander Endl wundert sich, dass A-Blogger nichts von einer Interessenvertretung halten. Julia Seeliger findet es unpolitisch und realitätsfern, sich nicht organisieren zu wollen. Jens Weinreich hat gerade erlebt, wieviel Solidarität es im Netz gibt, musste aber als Einzelkämpfer auftreten, während die Gegenseite einfach ihre Verbandsresourcen nutzen konnte.

Ich finde, es ist Zeit für eine Interessenvertretung für Blogger. Oder auch nur für eine zentrale Anlaufstelle im Web für die gemeinsamen Probleme.

Schriftsteller, Schützen und Fußballfans haben Verbände gegründet … und da soll es so eloquenten Menschen wie Bloggern nicht gelingen, einen Interessenverband aufzuziehen? Kann ich nicht glauben, auch wenn die Gruppe der Blogger heterogen ist. Na und? Muss ja niemand mitmachen.

Aber auch schon deutlich unterhalb der Ebene eines Interessenverbands fände ich eine Anlaufstelle (eine Website mit Forum o.ä.) im Web eine gute Sache, um bei den alltäglichen Problemen, die das bloggen so mit sich bringen kann, Hilfe zu finden oder sich auszutauschen. Oder gibt es sowas schon?

Es gibt sicherlich diverse Websites, die sich mit diesen Problemen schon beschäftigt haben und diverse Betroffene, die ihre Probleme auf ihren Blogs geschildert haben, nur: eine zentrale Anlaufstelle, wo man diese Erkenntnisse bündeln könnte, gibt es nicht. Zumindest nicht meines Wissens.

Derzeit muss jeder bei jedem Problem mit seiner Website quasi von vorn anfangen und erst mal mühsam zusammensuchen, wie andere mit Abmahnungen, Zensurversuchen oder ähnlichem umgegangen sind. Schade und unnötig, sich immer wieder neu schlau machen zu müssen. Da könnte eine Website, die sich diesen Problemen widmet, schon helfen.

Sollte die Masse derer, die sich bei einer solchen Website anmelden oder mitmachen, eine gewisse Größe erreichen, kann man dann meiner bescheidenen Meinung nach schon mit einigem Recht darüber nachdenken, ob man nicht als Sprachrohr oder Interessenvertreter für Blogs auftreten könnte. Die Bündelung des Wissens ist also die eine Sache. Genauso gut kann man eine Stimme für die Vertretung gemeinsamer Interessen gebrauchen.

In einer Gewerkschaft aufgehen (oder mit ihr zusammenarbeiten oder gar selbst eine gründen) könnte man dann immer noch. Aber mal eine zentrale (Online-)Anlaufstelle für die Problemfelder zu haben, denen man sich als Online-Schreiber so aussetzt (Abmahnungen, Urheberrechte, Finanzierung, Professionalisierung uswusf.) wäre schon schön. Warum?

weil wir in Deutschland sind

weil es Abmahnungen gibt

weil es Rechtsanwälte gibt

weil es, obwohl die Blogger ein sehr heterogenes Völkchen sind, Probleme gibt, die gemeinsam besser zu lösen sind

weil man Solidarität organisieren soll und kann

weil man gegenüber den Gruppen, die die Arbeit als Blogger beeinflussen oder beeinflussen wollen (Politik, Wirtschaft, PR-Agenturen) vereint besser auftreten kann

weil man ernst genommen werden möchte

weil man dann Ansprechpartner für seine Probleme hat

weil die Außenwelt dann Ansprechpartner für Probleme mit Bloggern hat

weil schon ein gemeinsames Forum, in dem man das vorhandene Know-how zu den Problemen der Blogger (z.B. den Umgang mit Abmahnungen) bündelt, hilfreich sein kann

weil es eine Anlaufstelle für Probleme mit Urheberrechtsverletzungen geben sollte

weil es trotzdem jedem frei steht, sich vertreten zu lassen

Soweit meine Thesen. Was haltet ihr davon? Wer würde mitmachen? Wo gibt es schon Anlaufstellen?



Update 1, 6. April 2009: Linktipps/Rechtsschutz
Wie vermutet, bin ich nun wirklich nicht der erste, der sich solche Gedanken gemacht hat. Anbei ein paar Lektüretipps:

Diskussion zur Gründung eines Bundesverbandes deutschsprachiger Blogger

Blogger-Gewerkschaft, Blogger-Fonds oder IG Blog und IG Blog, Blog eV oder doch BVDB.org?

Gründung eines Bundesverbandes deutschsprachiger Blogger

Die Projektseite zum BVDB ist hiermit eröffnet …

Bundesverband deutschsprachiger Blogger

Blogger-Interessensvertretung oder EFF-Ansatz?

Gewerkschaft, IG, Verein: Was bringt ein Blogger-Verband?

Meinungen zum Thema “Bloggerverband”

Bloggerverband: Ein Haufen voller Egomanen?

Warum ein Bloggerverband keinen Sinn macht

Sehr lesenswert ist auch die Meinung des Blogboten zum Thema:

Wenn es aber darum geht, die bürgerlichen, rechtsstaatlichen Wege und Mittel einzusetzen, dann ist das immer gleich piefig, spießig und so deutsch. Vereins- bzw. Verbandsgründungen sind nun mal die sinnvollen und üblichen Wege um eine Lobby für eine Gruppierung oder ein Thema aufzubauen. Diese Art der Interessensvertretung ist eine dringende Grundlage einer bürgerlichen Gesellschaft. In einer Demokratie wie dieser muss sich die Bürgerschaft selbst um ihre Belange kümmern. Und um einen möglichst großen Effekt dabei zu erzielen, werden Lobby-Organisationen gebraucht. Ich verstehe deshalb nicht, wie man das Gründen eines Verbandes für so falsch halten kann.
Quelle

Eine Umfrage zum Thema gibt es auch schon.

Zum Rechtsschutz: Es gibt derzeit noch keine Rechtsschutzversicherung gegen Abmahnungen oder ähnlich gelagerte Fälle, da Blogger eben keine Journalisten sind, zumindest nach Auffassung der Rechtsschutzversicherer.

Update 2, 30. Juni 2009: Netzwerkgründung
Ein (Online-)Netzwerk der Sportblogger ist übrigens (trotz aller Bedenken aus den Kommentaren, von denen ich manche ja durchaus teile) gegründet worden. Das Netzwerk auf Mixxt dient derzeit einzig und allein dazu, Diskussionen der (Sport-)Bloggerszene intern führen zu können. Oder sich z.B. absprechen zu können, falls man sich abseits der Tastatur mal treffen möchte.

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34 Reaktionen zu “Warum Blogger eine Interessenvertretung brauchen (Update: Netzwerkgründung)”

  1. Totontli

    Ich bin da gespalten. Einerseits lebt die Bloggerszene von ihrer losen Struktur, Offenheit und Flickenteppichhaftigkeit(!). Irgendwie passt da für mich ein “Verband” nicht. Klingt so nach Industrie- und Handelstag oder Bäckerinnung. Andererseits wäre man als Blogger sicher froh, wenn man auf organisierten Rückhalt zählen kann, falls es mal ungemütlich wird (Anwaltsschreiben etc.).

  2. Dülp

    Seh ich genauso wie du, probek. Mein Blog macht zwar derzeit Pause, aber ich wäre immer bereit, einen vernünftigen Betrag an so eine Interessenvereinigung zu überweisen.

    Die Idee stößt sicher bei vielen auf wenig Gegenliebe. Das hat verschiedene Gründe: Wie bei Totontli herauszuhören ist: Es fühlt sich nicht funky an und nimmt der Sache die anarchische Attitüde. Und man fühlt sich als Blogger so lange auf der sicheren Seite, bis die erste Abmahnung kommt.

    Das Problem ist aber: Die Leute, denen Blogs nicht schmecken, sind sehr gut organisiert und wir haben dem wenig entgegenzustellen. Solange es viel gelesene Autoren wie Weinreich oder Fritsch sind, funktioniert die spontane Selbstorganisation noch und es kommt bei ihnen durch Spendenaufrufe einiges zusammen. Aber kleine Blogger bleiben auf den Kosten sitzen.

    Abgesehen von der finanziellen Absicherung, stiege mit so einer Vereinigung ja auch schon von vorneherein Wahrscheinlichkeit, dass es sich der Gegenüber zweimal überlegt, eine Abmahnung zu schicken: Mit einem auffälligen Banner auf dem Blog könnten Mitglieder kommunizieren, dass sie sich gegen rechtliche Schritte wehren können und werden.

    Aber alle Diskussion können nur ein Stimmungsbild liefern. Im Endeffekt muss einfach mal jemand einen Startschuss geben und dann wird sich erweisen, ob es genug Leute gibt, die mitmachen.

  3. Trainer Baade

    Klares Pro.

    Die seltsamerweise von irgendwelchen Bedenkenträgern aufgeworfene Frage, was denn die definierenden Kriterien für eine Teilnahme seien, ist ohnehin überflüssig, weil man nicht den Anspruch hat, ein einziger Verbund für _alle_ Blogger, die jemals je ein Blog aufgemacht haben, zu sein.

    Wer Interesse hat, sich zu schützen, macht mit, wer nicht, der nicht, fertig, aus.

    Es gibt doch genug Leute, die langfristig schon dabei sind, und auch wenn ein Blog ruht oder man gar nur regelmäßiger Kommentierer ist, kann man doch im Verbund sein.

    Und neben den Aspekten, die Dülp genannt hat, dass a) die Gegenseite wissen sollte, dass man mehr als nur ein Einzelner ist und b) dass man finanziell mehr Sicherheit hat, füge ich noch hinzu: Es ist für jeden besser, organisiert zu sein, _bevor_ etwas passiert.

  4. jens [catenaccio] 

    Finde diese Idee auch nicht abwegig und kann mich nur meinen Vorrednern anschließen.

  5. dogfood

    Vorweg: Ich bin ein Gegner einer “IG Blog”.

    Das was hier angedacht ist – Rechtsschutz oder Anlaufstelle bei rechtlichen Problemen – war vor 1-2 Jahren schon mal grob aus der Ecke Spreeblick/Adnation angedacht worden. Keine Ahnung wieweit dort die Überlegungen weiter gereift sind.

    Wer rechtliche Probleme hat, wird mehr oder weniger schnell via andere Blogger auf den gleichen Haufen an Rechtsanwälte kommen, die Know-How in Sachen Blogs haben. Bezüglich Abmahnungen gibt es in Deutschland einige Websites, denen man entnehmen kann, wie man sich kurzfristig zu verhalten hat. Mehr kann eine “IG Blog” auch nicht machen.

    Die Heterogenität der Blogosphäre steht einer IG im Weg (vermutlich werden auch zuwenig Leute Bock haben, den für eine IG nötigen Wasserkopf aufzubauen), was man im übrigen auch an der Konstellation Weinreich & Hartlatzhelden beobachten kann. Gibt es bei Weinreich noch einigermaßen Konsens in der Blogszene, ist es im Falle der Hartplatzhelden schnell zu Ende, was teilweise auch damit zusammenhängt, dass nicht jeder alles veröffentlichen kann, was im Hintergrund passiert.

    Wo wäre im Falle der Existenz einer “IG Blog” in Sachen Weinreich oder Hartplatzhelden etwas besser gelaufen? Wo im Falle des Königsblog? Wo im Falle meiner Geschichte mit den PREMIERE-Call-Centern?

    Wie würde eine “IG Blog” solche Prozeße wie bei Weinreich und Hartplatzhelden handhaben? Mit zwei solchen Prozeßen an der Backe, die dann konsequent durch die Instanzen getrieben worden wären, wären einige Jahresbudgets der “IG Blog” locker verpulvert.

    Was soll eine “IG Blogs” in Fällen wie “Marionn Kochbuch” machen, wo die Rechtslage eindeutig ist? Nach 12-18 Monaten hat sich dann deren Masche auch totgeritten – ohne “IG Blog”.

    Ich habe teilweise das Gefühl, dass einige Blogger sich eine “IG Blog” wünschen, weil sie ganz genau wissen, dass sie Material verwenden, dass urheberrechtlich nicht koscher ist und sie bei der Gestaltung ihres Blogs mit dem Feuer spielen. Das hat dann aber m.E. mehr mit “Ablaßhandel” als Interessensvertretung zu tun. Wer Bilder aus fremder Quelle verwendet, sollte ebenso wissen was er tut, wie ein Führerscheinbesitzer wenn er in ein Auto einsteigt. Ein “IG Blog” kann keinen Blogger von der Verpflichtung entbinden, sich vorher zu informieren, was er da macht. Und häufig reicht da schon der gesunde Menschenverstand aus, damit man immerhin soweit gewarnt ist, um sich mal näher über Probleme zu informieren.

    Man mag eine Blog-Lobby zum Erreichen einiger politischer Ziele bzgl. der Gesetzgebung vermissen, aber das ist kein blogspezifisches Problem, sondern ein Problem dass sich quer durch alle Rechtssprechung in Sachen Internet durchzieht, Stichwort Forenhaftung, Haftung für Links, Internetsperren wg. Kinderpornos etc…

    Auf dieser Ebene, ist die Materie ist mitunter so komplex, das es m.E. keinen Sinn macht, solchen Lobbyismus in die Hände von einigen Hobbyisten zu legen. Das macht nur Sinn über Anwälte, Präzedenzfälle, Parteien und Medien zu machen. Man merkt ja, derzeit schon, welche Leute als Ansprechpartner für Blogs in den Medien sind. Die sind aber bereits jetzt schon Ansprechpartner und Multiplikatoren. Dazu braucht es keine “IG Blog”.

  6. Felix

    dogfood: Deine “PREMIERE-Callcenter” Geschichte würde mich mal interessieren. Wo finde ich weitere Informationen darüber?

  7. Jürgen Kalwa

    In der Tendenz folge ich der Einschätzung von dogfood. Mit einer Einschränkung. Ich finde es tatsächlich nützlich, dass sich Menschen mit ähnlichen Anliegen und Ambitionen hin und wieder mal treffen und austauschen. In welchem Rahmen das geschieht und wie das dann heißt, ist sicher Nebensache. Denn so sehr man auch mit seinen Einträgen und Kommentaren (dann jeweils bei anderen) präsent ist und in diesem Blog-Rahmen miteinander kommuniziert, fehlt solchen Formen des Umgangs meinem Gefühl nach eine ganz konkrete Dimension. Würde ich in Deutschland leben und nicht in New York, würde ich Blogger-Begegnungen selbst anschieben. Ich profitiere von solchen Gespråchen jedes Mal ganz außerordentlich und nehme mal an, dass es anderen auch so geht.

    Wir mögen zwar alle Einzelgänger sein (und das sicher auch gerne), aber Inspiration und Zielvorstellungen schürft man nicht auf Sohle sieben des eigenen Seelenbergwerks, sondern in dem man raus geht und etwas erlebt. Und sei es bei einer Begegnung mit Leuten, die so etwas ähnliches machen wie man selbst. Für’s erste kann ich Blogger-Kollegen nur anbieten, wenn ihr mal nach New York kommt..,..bitte melden. Zeit für eine Tasse Kaffee lässt sich immer finden.

  8. Dülp

    @dogfood: Deine Argumente halte ich nicht für sehr stichhaltig.

    Ich denke, dass eines der größten Probleme ist, dass die “Gegner” einen Blogbetreiber als “Einzeltäter” betrachten und deshalb glauben, einfache Opfer vor sich zu haben. Kurz gesagt: Sie nehmen uns nicht ernst.

    Genau deshalb ist eine IG Blog sinnvoll.

    Du sprichst natürlich ein ernsthaftes Problem an: Wann springt die Solidargemeinschaft ein und wer entscheidet darüber? Die Lösung kann nur sein, dass vertrauenwürdige Anwälte die Erfolgsaussichten bewerten. Wer echt Scheiße gebaut hat, kann nicht auf Hilfe vertrauen. Wer unschuldig im Feuer steht, bekommt Unterstützung.

    Je nach Budget reicht es vielleicht am Anfang nur zu Symbolprozessen, aber alleine damit lässt sich viel erreichen. Der Weinreich-Prozess hat doch wohl bewiesen, dass auch viele etablierte Medien auf den Zug aufspringen, wenn es denn berechtigt ist.

    Was mich aber wirklich ein wenig erschreckt an deinem Kommentar, ist diese Aussage: “Auf dieser Ebene, ist die Materie ist mitunter so komplex, das es m.E. keinen Sinn macht, solchen Lobbyismus in die Hände von einigen Hobbyisten zu legen. Das macht nur Sinn über Anwälte, Präzedenzfälle, Parteien und Medien zu machen.”

    Wer denn, wenn nicht irgendwelche “Hobbyisten”? Das klingt mir nach Argumenten, die Journalisten uns Bloggern entgegenhalten, ohne zu merken, dass ihre Zeit abläuft. Was sind denn “Parteien”in der Breite außer “Hobbyisten”? Warst du schon mal auf einer SPD-Bezirkstag?

    Aber wie bereits geschrieben: Es würde keiner gezwungen. Wer die IG Blog für unnötig hält, bleibt draußen. Und alleine, dass du die Wortwahl IG Blog bemühst, ist ja bezeichnend, warum es bei vielen nicht ankommt.

  9. dogfood

    @Dülp: Nenne mir doch mal konkrete *und* berechtigte Fälle wo die IG Blogs eingesetzt hätte werden können?

    Ich und Herr Wieland sind kostenlos davon gekommen. Mein Mitleid für Leute die in die “Marions Kochbuch”-Falle getappt sind, hält sich in Grenzen. “Mein Parteibuch” hat es auf eine Art und Weise auf Konfrontation und Grenzüberschreitung angelegt, das man wissen konnte, wie es endet. Weinreich und Hartplatzhelden sind eine bis zwei Nummern zu groß für eine “IG Blog”.

    Was bleibt also? Leute die sich irgendwo irgendwelche Fußballbilder ziehen und für eigene Zwecke verwenden? Man kann es bedauerlich finden, dass es keine “Fair Use”-Klausel in Deutschland gibt, aber da wird auch eine “IG Blogs” nix anleiern können. Wer Angst vor YouTube-Einbindung hat, soll es lassen.

    Mich erschrecken eher solche Formulierungen:
    “Kurz gesagt: Sie nehmen uns nicht ernst.”
    “Wer denn, wenn nicht irgendwelche “Hobbyisten”? Das klingt mir nach Argumenten, die Journalisten uns Bloggern entgegenhalten, ohne zu merken, dass ihre Zeit abläuft.”

    Bei aller Diskussion über die Zukunft von Medien – hey, ich hab ein Buch darüber gemacht – zeugen solche Sprüche von einer Hybris und einer “Blogger-sind-sehr-wichtig”-Denke, die gerne im Umfeld von Blogveranstaltungen entsteht, aber komplett an der deutschen Wirklichkeit vorbeigeht. Sowas mag vielleicht auf Veranstaltungen wie die “re:publica” in der Blogger der eigenen “echo chamber” zuhören, gut kommen, hält aber nicht der Realität stand.

    Blogs sind nur ein kleiner Seitenarm der neuen Medienwelt. Im Rahmen des Gesamtumfeldes wie Medien in Zukunft rezepiert werden, sind sie wichtig, aber nicht alleine für sich genommen.

    “Was sind denn “Parteien”in der Breite außer “Hobbyisten”? Warst du schon mal auf einer SPD-Bezirkstag?”
    Erklär mir, welche Relevanz ein SPD-Bezirkstag für die Regierungspoltik hat. Und zwar in Wirklichkeit und nicht so wie es in den Schulbüchern zum Sozialkundeunterricht drin steht.

    Man braucht sich nur die Präsenz einiger Blogger in der Öffentlichkeit anzusehen, um zu ahnen, wie sinnlos der Versuch einer Organisation einer “Grasrootsbewegung” von Bloggern ist. Das Feld “Blogs” ist in den Medien bereits komplett durch Stefan Niggemeier, Don Alphonso und einigen Personen aus dem Spreeblick-Umfeld (Haeussler, Lobo, Beckedahl) belegt. Und zwar seit 5 Jahren von unverändert den gleichen Personen, obwohl es in den Blogs längst ein bis zwei Generationswechsel gegeben hat. Wer Multiplikatoren braucht, sollte eher die bereits etablierten Kräfte angraben, statt zu versuchen eine neue Lobby aus dem Nichts aufzubauen.

    Ich halte das für verschwendete Kraft, die man lieber in sein eigenes Blog stecken sollte, um es auf sein eigenes Gebiet zu einem Multiplikator zu machen und vielleicht so Gehör für seine eigene Sache zu bekommen, statt verzweifelt einen Überbau zu konstruieren, der nicht funktionieren kann.

    Um Jürgen Kalwas Punkte nochmal aufzugreifen: auch wenn ich gegen eine IG Blogs bin, heißt es nicht das ich Gedankenaustausch oder Gespräche ablehnen würde, oder den Aufbau eines Wikis mit Ansprechpartnern und Handlungsanweisungen. Ich halte nur eine organisierte Lobby mit all dem notwendigen Wasserkopf für eine Zeit- und Kraftverschwendung.

    Stärken von Blogs sind nicht Zentralisierung und Berechenbarkeit, nicht die Repetierung alter Strukturen aus der Frühgeschichte der Industrialisierung. Sondern der Freigeist, das Unberechenbare und das Guerillahafte. Wie wäre der Fall Weinreich ausgegangen, wenn in einem sehr frühen Stadium eine schwachbrüstige “IG Blogs” sich um die Organisation des Widerstandes gekümmert hätte?

    Wer Vollkasko-Garantie will, sollte lieber nicht bloggen oder sich um eine Rechtsschutzversicherung bemühen.

  10. dogfood

    @Felix: PREMIERE-Call-Center
    siehe hier: [1], [2]

    Postskriptum: wir haben es in der Gesellschaft mit einem hohen Maß an digitalem Analphabetentum zu tun, wie man an diversen Diskussionen und Urteilen erkennen kann, siehe auch die Gewaltspielediskussionen nach Winnenden. Gerade deswegen halte ich Informationen durch jeden einzelnen in seinem Umfeld oder per Blogs für wichtiger als eine “IG Blogs”, die sich nur auf eine einzige, kleine, schmale Mediensparte konzentriert.

    Da muss man halt durch. Solche Kulturphänomene gibt es immer wieder. Ich verweise auf die Geschichte der Comics in Deutschland und in den USA in den 50er bis 70er Jahre.

  11. Probek

    Danke, dogfood, für deine ausführlichen und fundierten Kommentare, auch wenn sie wenig Mut machen. Bevor ich vielleicht noch mal versuche, in einem längeren Kommentar auf die Argumente einzugehen: wenn alle ähnlich dächten wie du, wäre es, so meine Vermutung, nie zur Gründung von Gewerkschaften und Betriebsräten, ja nicht mal zur Gründung von Lohnsteuerhilfevereinen o.ä. gekommen. Mir sind deine Kommentare zu sehr aus der Warte des Einzelkämpfers geschrieben, der schon alles im Web erlebt und gedacht hat (“heh, ich habe darüber ein Buch darüber geschrieben”) und der das alles nicht braucht, weil er (vermeintlich) schon gut genug vernetzt ist.

    Es ist ja schon schwer eine gute Website zu finden, die einen einigermaßen vernünftig über den Umgang mit Urheberrechten in der digitalen Welt aufklärt (iRights.info wäre meine Startempfehlung). Eine Website, die dann auch noch zur Vernetzung von Gleichgesinnten (Bloggern, Web-Addicts o.ä.) dient, fände ich auch gut (und wie gesagt: wenn es das alles schon geben sollte: her mit den Links).

    Der Erfolg der Republica (gemessen allein an der Teilnehmerzahl) zeigt doch, wie groß dieser Bedarf nach Vernetzung ist. Und der besteht ja schon im kleinsten Rahmen, wie die sehr freundlich formulierte Einladung von Jürgen Kalwa auf eine New Yorker Tasse Kaffee beweist (die ich gerne annehme, falls ich dort jemals wieder vorbeikommen. Er darf sich selbstverständlich und ggf. auch schon vorab auf einen Kaffee o.ä. in München eingeladen fühlen, falls er wieder hier aufschlagen sollte. Und ich erkläre ihm auch gerne im Vorfeld die aktuellen Ticketwahlmöglichkeiten des MVV).

  12. Enno (welt-hertha-linke)

    Probek, ich finde es toll, dass du den Überlegungen zu einer Interessenvertretung einen eigenen Beitrag widmest. Denn in den Kommentaren vom Königsblog ging das Thema ja unter.

    Ich teile die Meinungen von dogfood und Jürgen Kalwa, möchte aber noch ein wichtiges Argument präzisieren.

    Aus dem Bedürfnis nach relativer Sicherheit, bzw. Absicherung, ist eine Interessenvertretung für Blogger verständlich. Aber mal davon abgesehen, dass eine Finanzierung fraglich ist, mit der Prozesse bestritten werden können und auch davon abgesehen, dass es schwer wird, Kriterien für Zugang und Mitwirkungen zu definieren, sehe ich ein anderes, ganz basales K.O.-Kriterium, das bei dogfood und JK schon anklingt:

    Eine Interessenvertretung kann die Interessen ihrer Mitglieder nur dann wirkungsvoll vertreten, wenn sie mit einer Stimme spricht. Dafür bedarf es einer Formalisierung der Kommunikationswege. Es muss möglich sein, dass die Vereinigung auf einen Vorfall X mit der Reaktion Y reagiert. Und zwar ohne dass davor erst unter allen Mitgliedern diskutiert werden müsste, wie man sich zu dem Vorfall verhalten will. Vorbilder wären dann Gewerkschaften oder andere Lobby-Vereine. Die können das, weil sie eben formalisierte Kommunikationswege eingerichtet haben, worunter notwendigerweise das Ideal der Basis-Demokratie leiden muss. Der Widerspruch zwischen basisdemokratischer Organisation und effektiver Durchsetzung von Gruppen-Interessen wird in der Forschung zu Parteien, Gewerkschaften, etc. seit mehr als hundert Jahre als Problem diskutiert. Es ist nach wie vor aktuell, denn bisher konnte es abseits von blumeranten Versprechungen nicht gelöst werden.

    Diesen Punkt muss man m.E. unbedingt mit einbeziehen, wenn man überlegt, eine Vertretung zu organisieren.

    Denn bei Bloggern verschäft sich die Ausgangslage noch einmal. Denn was sind denn überhaupt die Interessen, die vertreten werden sollen? Sind die Themen, Anliegen und Bedarfe nach Sicherheit unter einen Hut zu bekommen? Kann man das auf einen Nenner bringen? Mit dogfood und JK lässt sich schon sagen, dass das gar nicht möglich ist.

    Dann hat das aber zur Konsequenz, dass die Kommunikationswege dieser Vereinigung nicht formalisierbar wären, weil jeder Fall als neue, einzigartige Information verarbeitet werden müsste. Oder mit anderen Worten: Jeder beteiligte Blogger macht sich sein Bild, schreibt einen Beitrag und diskutiert mit seinen Lesern über den aktuellen Fall. So wie es jetzt auch schon in den benannten Fällen geschehen ist. Dann bedarf es aber keiner Vereinigung mehr, weil sie keinen Mehrwert mehr bringen würde.

    So wünschenswert solch eine Vereinigung aus dem Bedürfnis nach relativer Absicherung beim Bloggen wäre, so utopisch erscheint mit die Umsetzung. Letztlich sind die Blogger in erster Linie selbst für das verantwortlich, was sie schreiben. Und es gibt einfach zu viele, die fahrlässig handeln (z.B. im Sinne des Urheberrechts), die dann Unterstützung haben wollen. Diese wird man aber nicht leisten können. Und schon zerfällt die Idee in Kleinkriegen.

    Und man überlege sich einmal folgendes Szenario: Man baut eine Vereinigung auf, die sich als gewichtig darstellt, weil sie sehr viele und auch prominente Mitglieder hat. Und im ersten echten Fall, den sie vertreten soll, zerfällt sie, weil sich die Mitglieder nicht einig werden. Es gibt dann Abspaltungen, gegenseitige Beschimpfungen und dergleichen. Das wäre das noch größere Fiasko.

    Und um der ganzen Sache abschließend den Wind aus den Segeln zu nehmen: Wozu das Rad neu erfinden? Gibt es alles schon. Und wie es aussieht, ist die Sache schon wieder dabei im Sande zu verlaufen.

    Nachdem ich hier nun meinen soziologischen Pessimismus ausgebreitet habe, möchte ich aber der Idee, der Vernetzung nicht entgegenstehen. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, dass Blogger im Kontakt stehen und sich vernetzen. Ob in solchen lobenswerten Beiträgen, in Foren, Wikis oder man ab und an im echten Leben, spielt dabei keine Rolle. Erfahrungsaustausch und gemeinsame Verwirklichung von Ideen sind super wichtig. Auch wenn es um rechtlich bedenklich Fälle geht. Aber man sollte dieses Netzwerk nicht mit Formalisierungsversuchen belasten. Es wird dadurch nur zerbrechen.

    Also wer mal in Bielefeld oder OWL unterwegs ist, schreibe mich einfach an. Der erste Kaffee geht auf mich! ;-)

  13. Probek

    Vorweg: ich bin kein pauschaler Gegner einer „IG Blog“.

    Es geht eben nicht nur um den Rechtsschutz oder um eine Anlaufstelle bei rechtlichen Problemen. Auch, aber nicht nur. Aber selbst die Anlaufstelle wäre doch schon eine Hilfe. Mir wäre schon geholfen, wenn denn dieser „Haufen von Rechtsanwälten“, die Know-how in Sachen Blogs haben, schnell und einfach zu finden wäre und einigermaßen klar wäre, was die Rechtsvertretung ggf. kostet. Oder wenn jemand eine Website baut, in deren FAQs steht, ob eine Rechtsschutzversicherung auch das Internetrecht abdeckt (was ich zZt nicht weiß).

    Natürlich ist vermutlich auch diese Info irgendwo im Netz zu finden, genauso, wie man ja sagen kann, heh, lies doch einfach mal das Skriptum ‘Internet Recht’ von Hoeren durch, dann findest du eine Antwort auf die meisten rechtlichen Fragen. Aber darum geht es nicht.

    Denn schon an der simplen Informationsbasis zum Thema fehlt es mir oft. Solche Beiträge und Diskussionen, die jetzt auch hier gerade stattfinden, sind im Web vermutlich schon diverse Male geschrieben bzw. geführt worden (und lassen alte und junge Webhasen aufstöhnen, weil sie ggf. alles doppelt und dreifach erzählen müssen – oder sie denken gleich „nicht schon wieder“ und beteiligen sich nicht). Nur: wo finde ich solche Informationen? Muss und soll wirklich jeder, der sich fürs Thema interessiert, bei Null anfangen, weil es keine gute Anlaufstelle gibt?

    Schon das finde ich schade. Schon dafür wäre es toll, ein Wiki o.ä. zu haben. Und immerhin das findet ja auch Gnade vor dogfoods unerbittlichen Augen.

    Ob man dann letztlich eine Interessensvertretung, Lobbyismusgruppe, Gewerkschaft oder ähnliches gründet, ist auch frühestens der zweite Schritt. Ich weiß auch nicht, ob diese Interessensvertretung von vorneherein zum scheitern verurteilt ist, das Urteil maße ich mir nicht an.

    Ganz davon ab finde ich es zur Verdeutlichung der Argumentation zwar ganz nett, Begriffe wie „Wasserkopf“, „verpulvert“, „totgeritten“, „Ablasshandel“, „verschwendete Kraft“, „Hybris“ oder ähnliches zu verwenden, gebe aber zu bedenken, dass allein schon diese Wortwahl wertend oder im schlimmsten Fall diffamierend ist. Beispiel: jede Art von Organisation braucht eine Verwaltung. Die kann auch effizient sein und ist nicht per se ein „Wasserkopf“.

    Aber bitte, wer sich in die Küche begiebt auf Blogs kommentiert, muss das abkönnen. Ich befürchte nur, manche Teilnehmer werden dann von vorneherein abgeschreckt, das fände ich schade.

    Man mag eine Blog-Lobby zum Erreichen einiger politischer Ziele bzgl. der Gesetzgebung vermissen, aber das ist kein blogspezifisches Problem

    Um so mehr Gründe gäbe es, irgendeine Art von Interessensvertretung zu haben.

    Das Feld “Blogs” ist in den Medien bereits komplett durch Stefan Niggemeier, Don Alphonso und einigen Personen aus dem Spreeblick-Umfeld (Haeussler, Lobo, Beckedahl) belegt. Und zwar seit fünf Jahren von unverändert den gleichen Personen, obwohl es in den Blogs längst ein bis zwei Generationswechsel gegeben hat. Wer Multiplikatoren braucht, sollte eher die bereits etablierten Kräfte angraben, statt zu versuchen eine neue Lobby aus dem Nichts aufzubauen.

    Ja, das muss man natürlich in Stein meißeln: bis in alle Ewigkeit werden der Irokese und die haupt- bzw. nebenberuflichen Motzblogger für „die Blogger“ sprechen. Schöne Aussicht, das. Wie schreibt Alexander Endl doch so schön frustriert:

    Aber auch die Frage nach den Interessenvertretungen werden dann gern abgebügelt mit: Wir haben doch uns, jeder hat ja seine Stimme. Das ist schön und richtig, aber 2 von 3 Blogger, die ich frage, bestätigen mir, dass sie nach der ersten echten Abmahnung aufhören würden. Warum? Weil sie alleine stehen, weil sie das finanzielle Risiko gar nicht gehen können, weil es die Sache dann auch nicht wert ist (sein kann).
    […]
    Nur zwei Beispiele, wo ich mich unverstanden fühle, weil das nicht meine Themen sind. Leider. Es diskutieren eben Pro-Blogger über die Themen des kleinen Mannes. Wie so oft.

    Ein letztes dogfood-Zitat (für diesen Kommentar):

    Weinreich und Hartplatzhelden sind eine bis zwei Nummern zu groß für eine “IG Blog”.

    Ja, noch, vielleicht, weiß nicht, nein. Hätten sich das alle Gründer von Interessenvertretungen gedacht, gäbe es keine.

    Im Falle von Weinreich hätte ich eine Organisation schon hilfreich gefunden, ich weiß nicht, ob es ihm z.B. geholfen hätte, mehr an seine Arbeit und weniger an die Abwehr von Zwanziger denken zu können. In dem Moment, wo die Unterstützung am größten war, gab er mehr oder weniger auf (nicht, dass ich ihm das vorwerfen könnte) und begründet das auch damit, dass ihn das Ganze schon viel zuviel Zeit und Energie gekostet hat. Zeigt auch, wie schwer sich selbst ein bestens vernetzter und sehr blog-erfahrener hauptberuflicher Journalist damit tun kann, gegen die Resourcen eines Verbandes Erfolg zu haben.

  14. Probek

    Ach so, Enno:

    Und um der ganzen Sache abschließend den Wind aus den Segeln zu nehmen: Wozu das Rad neu erfinden? Gibt es alles schon. Und wie es aussieht, ist die Sache schon wieder dabei im Sande zu verlaufen.

    Diese “dieser-Kommentar-beendet-die-Diskussion”-Mentalität, die aus deinem Beitrag erkenntlich wird, finde ich auch wenig hilfreich. Wer sagt denn, dass sich z.B. die angesprochene BVDB-Website nicht wieder beleben lässt?

  15. Enno (welt-hertha-linke)

    Sorry, ich wollte nicht den Eindruck erwecken, dass mit meinem Kommentar alles gesagt sei. Man kann das so lesen, was an meiner Formulierung liegt, aber es war so nicht gemeint. Also entschuldige bitte. Die Diskussion ist sicherlich noch nicht an ihrem Ende angekommen.

    Klar kann man die Seite wiederbeleben. Und vielleicht entwickelt sich dann etwas. Aber dass das Projekt gestartet wurde und im Sande zu verlaufen scheint, sehe ich zumindest als Bestätigung meiner These. Zumal da einige engagierte, zumindest B-prominete Blogger engagiert waren.

  16. dogfood

    Probek, das Problem ist doch der Gegenstand über den wir hier diskutieren. Dein Vorschlagspaket ganz oben geht weit über das einer normalen und eigentlich schon existierenden Vernetzung hinaus. Deine Vorschläge (“Interessensvertretung”) laufen auf eine Institutionalisierung hinaus, auf die Einrichtung eines Organs. Und genau das halte ich für sinnlos.

    Vernetzung ist gut und okay und funktioniert ja auch, siehe Jens Weinreich. Man kann darüber diskutieren, ob es sinnvoll ist, dass Jens Weinreich nach Spendenaufruf aus der Geschichte aussteigt, aber das ist eine sehr fallspezifische Diskussion, die man nicht in diesem Blogeintrag führen sollte (zumal ich da selber unentschieden bin).

    Wenn du Unsicherheiten hast, dann ist es eher ein Fall für Google oder von mir aus Eigeninitiative um Wissen auf einer Website zu bündeln. Nur: neu ist der Gedanke nicht:

    http://www.abmahnungs-faq.de/
    http://abmahnung.blogger.de
    http://www.spreeblick.com/2006/10/05/darf-ich-das-bloggen/
    http://www.rettet-das-internet.de/
    http://irights.info/

    Macht es da Sinn NOCH eine weitere Website zum Thema aufzumachen?

    Ganz davon ab finde ich es zur Verdeutlichung der Argumentation zwar ganz nett, Begriffe wie „Wasserkopf“, „verpulvert“, „totgeritten“, „Ablasshandel“, „verschwendete Kraft“, „Hybris“ oder ähnliches zu verwenden, gebe aber zu bedenken, dass allein schon diese Wortwahl wertend oder im schlimmsten Fall diffamierend ist. Beispiel: jede Art von Organisation braucht eine Verwaltung. Die kann auch effizient sein und ist nicht per se ein „Wasserkopf“.

    Bloggerei gibt es nun schon seit 9-12 Jahren, auch in Deutschland. Die Rechtssprechung in Deutschland läßt zwar immer noch vieles offen, aber der Stand der Dinge ist bereits besser als vor einem Jahrzehnt, da es bereits feste Urteile in Sachen Linkhaftung und neuerdings auch Forenhaftung gibt, die die Lage ziemlich entspannt haben (auch wenn es bzgl. der Linkhaftung in Sachen Kinderpornos/Wikileaks vor kurzem ein ganz schräges gab).

    Wenn es die Chance zur einer effizienten und nützlichen Organisation gäbe, dann wäre sie in den letzten Jahren längst entstanden. Ich habe nicht umsonst übrigens auch erwähnt, dass AdNation ursprünglich mal aus den Einnahmen auch einen Pool für Blogs-Streitigkeiten aufbauen wollten/aufgebaut haben:

    Die Agentur schüttet derzeit 65% der Einnahmen aus Werbekampagnen an die am Netzwerk beteiligten Blogs aus und sichert weitere 5% in einer Rücklage, die Bloggern im Fall von Rechtsstreitigkeiten Zuschüsse zu ihren Anwaltskosten bieten kann. Von dieser Möglichkeit machten bereits mehrere Blogger Gebrauch.

    Ich hab davon zwar bislang nix gehört, aber es wäre für Informationszwecke ja möglich mal eine Anfrage zu starten, wie stark das Ding genutzt wurde und für welche Probleme.

    Du siehst: auch hier gibt es schon gewisse Strukturen. Muss man parallel dazu nochmal was aufbauen?

    Ja, das muss man natürlich in Stein meißeln: bis in alle Ewigkeit werden der Irokese und die haupt- bzw. nebenberuflichen Motzblogger für „die Blogger“ sprechen.

    Ja, was glaubst du denn wie die das geworden sind? Glaubst du es reicht einen Verein zu gründen, für den man 5x die Woche 2h Stunden abends aufwendet, und es fällt einem die mediale Präsenz von alleine zu? Niggemeier, netzpolitik.org, Spreeblick und Lobo sind Profis, vulgo: es ist deren Job die Kiste voranzutreiben. Sie betreiben quasi hauptberuflich Blogs und/oder deren Vermarktung. Und wenn du wirklich Dinger in der Größenordnung wie Jens Weinreich handhaben willst, musst du in dieser medialen Liga spielen. Und das geht nicht als “Feierabendblogger”.

    Im Falle von Weinreich hätte ich eine Organisation schon hilfreich gefunden, ich weiß nicht, ob es ihm z.B. geholfen hätte, mehr an seine Arbeit und weniger an die Abwehr von Zwanziger denken zu können. In dem Moment, wo die Unterstützung am größten war, gab er mehr oder weniger auf (nicht, dass ich ihm das vorwerfen könnte) und begründet das auch damit, dass ihn das Ganze schon viel zuviel Zeit und Energie gekostet hat. Zeigt auch, wie schwer sich selbst ein bestens vernetzter und sehr blog-erfahrener hauptberuflicher Journalist damit tun kann, gegen die Resourcen eines Verbandes Erfolg zu haben.

    Genau. Und was würde das für eine “IG Blogs” bedeuten, die wirklich hilfreich sein will? Wieviel Aufwand, wieviel Ressourcen müssen da reingepumpt werden? Wieviel finanzielle Ressourcen muss der Verein haben, um im Falle von Jens Weinreich UND Hartplatzhelden wirklich substantiell weiterzuhelfen? 50.000 EUR? 100.000 EUR? Wer ist bereits für sowas seinen Job an den Nagel zu hängen?

    Du willst eine Gewerkschaft? Dann denke wie eine Gewerkschaft. Wieviele Blogs gibt es in Deutschland? 50.000? 150.000? 600.000? Je nach dem wieviele Aktualisierungen es braucht, um noch als “laufendes” Blog gehalten zu werden. Die Gewerkschaft der Flugkapitäne hat 8.200 Mitglieder, der Margurger Bund 150.000 Ärzte, die GDL 34.000 Lokführer. Jetzt die Frage: kann eine Blog-Gewerkschaft wirklich nur von Idealisten als Hobby nebenbei betrieben werden? Inkl. des Reinholen von Know-How? Inkl. des Eintreiben von Mitgliederbeiträgen? Inklusive des Lobbyismus den man betreiben muss?

    Ja, Fußballfans gründen auch Vereine. Allerdings sind sie eine wesentlich homogenere Gruppe, ihr Fokus ist sehr viel enger und sie haben keinen Rechtsschutz im Hinterkopf.

    Bei all der Diskussion um eine Gründung einer “IG Blogs” fehlen mir immer noch die konkreten Anlässe, in der der Verein oben erwähnten “Rechtsschutz” bieten soll. Bei vielen Abmahnungsgeschichten sollte nicht vergessen werden, dass es sich um berechtigte Abmahnungen handelt, bei denen allenfalls der Mechanismus von (kostenpflichtigen) Massenabmahnungen umstritten ist (Marions Kochbuch). Wie würde der Verein mit sowas umgehen?

    Wie würde der Verein mit so etwas wie den Hartplatzhelden umgehen, die nach Ansicht eines Teils der Blogosphäre zumindest blauäugig oder naiv an die Sache rangegangen sind. Würde der Verein sie unterstützen? Und wie?

    Wer diese Fragen nicht für seine Vorstellungen eines Vereins beantworten kann, wird es auch nicht schaffen so einen Verein an den Start zu bringen.

    Die Diskussion um eine “IG Blogs” ist nichts anderes als Ausdruck einer diffusen Angst, dass einem etwas passieren könnte und die Suche nach einer Absicherung. Das eine kann man durch Information und Vernetzung beseitigen. Für das andere sollte jeder Blogger selber sorgen. Jeder sollte so Bloggen, dass er dazu stehen kann. Natürlich kann man damit trotzdem ungeahnt auf die Schnauze fallen (“N*g*r-Kalle”). Aber die Kosten dafür sind in den allermeisten Fällen moderat. 700 EUR, 900 EUR oder so. Für einige/viele schmerzhaft, aber nur in den allerseltensten Fällen existentiell. Der Hebel darf hier aber nicht ein neu aufzubauender Verein sein, sondern Lobbyismus, um das Abmahnrecht so zu ändern, dass i.d.R. zuerst eine nicht-kostenpflichtige Benachrichtung erfolgt, so wie es z.B. Herr Wieland erlebt hat.

  17. Probek

    (dogfoods letzer Beitrag war – wohl wegen der Links – im Spamfilter gelandet und wurde verspätet freigeschaltet. Als Ausgleich habe ich minimal Korrektur gelesen, bitte weiterdiskutieren, danke)

  18. Probek

    Der Hebel darf hier aber nicht ein neu aufzubauender Verein sein, sondern Lobbyismus

    Ganz kurz, nur zu dem Argument (und weil mich das “darf” so stört): Ohne gemeinsame Plattform (wie auch immer man die nennen und definieren mag) und Legitimation durch möglichst viele Teilnehmer (die man nicht erreicht, in dem man von vorneherein pauschal alle Solidarisierungsversuche verdammt) wird es keinen erfolgreichen Lobbyismus geben. Wer soll das leisten? Die Selbstvermarkter eben nicht.

    Sollen sie auch nicht, sehe ich nicht als ihre Aufgabe an. Und ja: diese Arbeit (Rechtsschutz, Vernetzung, Lobbyismus) kann vielleicht (irgendwann, vielleicht auch sehr bald nach Gründung, vielleicht sogar sofort) kein Feierabend-Verband leisten. Ja. Und?

    Werden halt Mitgliedsbeiträge erhoben, anders funktioniert das bei anderen Gruppen ja auch nicht. Wie gesagt: ich halte eine Professionalisierung auf dem Gebiet der Interessenvertretung (der Online-Medien/Blogs/Web2.0-Autoren, you name it) für sehr sinnvoll.

    Diese Organisation gibt’s bisher noch nicht (Adnation ist ein elitäres Vermarktungsnetzwerk; für die ist Rechtsschutz ein Nebenschauplatz und Lobbyismus findet meines Wissens gar nicht statt), wird es aber sicher irgendwann geben. Ich wette sogar, dass wir das noch erleben werden*. Und sei es dadurch, dass die etablierten journalistischen Gewerkschaften (DJV, Verdi, VDS) sich für Blogger öffnen.

    *hoffe für alle Leser und mich, für diese Prophezeiung noch lange genug zu leben

    PS:

    Wenn es die Chance zur einer effizienten und nützlichen Organisation gäbe, dann wäre sie in den letzten Jahren längst entstanden.

    Warum? Nach welcher Logik? Und was hättest du deren Gründern erzählt?

  19. dogfood

    Und ja: diese Arbeit (Rechtsschutz, Vernetzung, Lobbyismus) kann vielleicht (irgendwann, vielleicht auch sehr bald nach Gründung, vielleicht sogar sofort) kein Feierabend-Verband leisten. Ja. Und?

    Frage: wieviele “Profi-Blogger” gibt es, die mit Blogs substantielle Einnahmen erzielen?
    Anschlußfrage: wenn man davon ausgeht dass es nicht mehr als eine Hand voll sind, wie soll sich ein Verband mit hauptamtlichen Funktionäre tragen? Wie groß ist der Personenkreis der dafür in Frage käme?

    Wir reden hier über die deutsche Blogosphäre, bei der jeder Vermarkter dir sagen wird, dass es so gut wie keine Chance gibt, ein Blog zum Lebensunterhalt zu etablieren. Professionalisierung? Das ist eine komplette Überschätzung der Größe der Szene.

    Ganz kurz, nur zu dem Argument (und weil mich das “darf” so stört): Ohne gemeinsame Plattform (wie auch immer man die nennen und definieren mag) und Legitimation durch möglichst viele Teilnehmer (die man nicht erreicht, in dem man von vorneherein pauschal alle Solidarisierungsversuche verdammt) wird es keinen erfolgreichen Lobbyismus geben. Wer soll das leisten? Die Selbstvermarkter eben nicht.

    Natürlich die Selbstvermarkter, schließlich ist das ihre raison d’etre. Was glaubst du was für eine Rolle die re:publica bei Spreeblick, netzpolitik.org und newthinking-communication spielt. Was meinst du warum so ein Ding wie netzpolitik.org in Berlin sitzt? Was meinst du warum die Kreise rund um Spreeblick/Beckedahl so gute Kontakte auch bzgl. Förderungen mit der Zentrale für Politische Bildung besitzen? Du willst Lobbyismus? Spreeblick/Beckedahl haben da längst den Hebel angesetzt.

    Diese Organisation gibt’s bisher noch nicht (Adnation ist ein elitäres Vermarktungsnetzwerk; für die ist Rechtsschutz ein Nebenschauplatz und Lobbyismus findet meines Wissens gar nicht statt)

    Na ja, ich wage mal die Behauptung das es Adnation besser gehen würde, wenn sie wirklich elitär wären und die Blogs sich nicht per Schrotflinte zusammengesucht hätten, aber das ist ein anderes Thema.

    Lobbyismus findet nicht statt? Du meinst der Adnation-Haeusler und Adnation-Lobo sind andere als der Spreeblick/re:publica-Haeusler und Medien-Lobo?

    Warum? Nach welcher Logik? Und was hättest du deren Gründern erzählt?

    Ich hätte mit Interesse zugesehen, weil Bloggen damals noch frisch war, weil ich noch nicht die Erfahrungen des Web2.0-/Konferenz-Zirkus’ und seiner Selbstbeweihräucherung erlebt hätte, weil ich noch nicht aktiv in der Vermarktung eines Buches drin war und weil ich noch nicht erlebt hätte wie verlogen eine Geschichte wie “Netzwerk Recherche” werden kann. Weil ich noch nicht erlebt hatte auf wie tönernden Füße 95% aller deutschen Profi-Blog und Web2.0-Konzepte stehen. Weil ich nicht geglaubt hätte, dass nach dem Zusammensturz der “New Economy” nur fünf Jahre später wieder substanzlose Scheiße als Konzepte VC-Kapital einfahren kann und Gehör finden kann.

    Meine Argumentation sähe vielleicht auch anders aus, wenn der Ruf nach einer “IG Blogs” konkret ausformuliert wäre und nicht einfach auf eine diffuse Angst basiert, dass man möglicherweise irgendwann mal als Blogger was aufs Maul bekommt.

    Ich weiß immer noch nicht was du willst, denn in deinen Antworten schwankst du zwischen einer einfachen Vernetzung zum Informationsaustausch bis hin zu einer Art “Vollkasko-Gewerkschaft” die inkl. Rechtsschutz alles anbietet. Ich weiß immer noch nicht für welche Situatione eine solche Organisationen geschaffen werden soll. Beim Beispiel Weinreich weiß keiner ob es was gebracht hätte. Dem kontroversen Fall Hartplatzhelden wird ebenso ausgewichen, wie den zahlreichen Fällen von nachgewiesener Urheberrechtsverletzung. Wie soll man mit Fußballblogger umgehen, die sehenden Auges nicht freigegebenes Bildmaterial verwenden um ihre Website o.ä. zu gestalten?

    Ich sehe immer noch nicht, wo die Heerscharen von Abmahnungen sind, die sich Blogger einfangen, die sich im Prinzip koscher verhalten. Ich sehe nur Einzelfälle wie “N*g*r-Kalle”, die kaum einen Blogger in den Ruin treiben dürften. Also warum die Angst vor mangelnden Rechtsschutz?

    Mich erinnert es eher an Panikmache, wie sie in den Medien entsteht, wenn wieder ein Mord quer durch alle TV-Kanäle und Zeitungen ausgebreitet wird und dadurch der Eindruck entsteht, dass die Zahl der Morde steigt (obwohl die Kriminalstatistiken das Gegenteil beweisen).

    Ich verstehe schlichtweg nicht, in welchen konkreten Fällen eine derartige Organisation zum Zuge kommen soll, wenn sie nicht zu einer ebensolchen Lachnummer werden soll, wie der VDS und DJV mit seiner lahmen Weinreich-Erklärung. Für sowas braucht es nicht noch eine Organisation.

    Den individuell ausformulierte Protest gegen bestimmte Abmahnpraktiken halte ich im Rahmen von vernetzten Blogs für effektiver, als das Copy&Paste einer Erklärung die eine “IG Blog” erstellt hat und hundertfach in Blogs abgelegt wird.

    Noch einen letzten Punkt:

    die man nicht erreicht, in dem man von vorneherein pauschal alle Solidarisierungsversuche verdammt

    Sorry, ich verdamme keine Solidarisierungsversuche, wie man auch in meinem Blog in Sachen Weinreich und Hartplatzhelden nachlesen kann.

    Die Diskussion über eine Interessensvertretung sollte nicht dazu führen, das Leute als “Solidarisierer Zweiter Klasse” oder Ego-Blogger abgestempelt werden.

    Ich halte aber den Ansatz eine Gewerkschaft einzuführen, zu einem Zeitpunkt an dem andere Gewerkschaften abnippeln und junge Bevölkerungsschichten nicht erreichen für falsch. Richtig halte ich es, die Stärken die in diesem Internetmedium liegen, zu nutzen. Und die liegen nicht in einer Institutionalisierung sondern in der Anarchie und Kraft der Selbstorganisierung. Die liegen in der Vielfältigkeit und nicht in einem auferlegten Zentralismus. In Deutschland und weltweit.

  20. Probek

    Meine Argumentation sähe vielleicht auch anders aus, wenn der Ruf nach einer “IG Blogs” konkret ausformuliert wäre und nicht einfach auf einer diffusen Angst basiert, dass man möglicherweise irgendwann mal als Blogger was aufs Maul bekommt.
    Ich weiß immer noch nicht was du willst, denn in deinen Antworten schwankst du zwischen einer einfachen Vernetzung zum Informationsaustausch bis hin zu einer Art “Vollkasko-Gewerkschaft” die inkl. Rechtsschutz alles anbietet. Ich weiß immer noch nicht für welche Situationen eine solche Organisationen geschaffen werden soll.

    Immer noch nicht? Und ich habe nichts konkret ausformuliert? Entschuldigung. Da habe ich vorgestern wohl nicht lange genug im stillen Kämmerlein vor mich hingedacht, bevor ich es wagte, diesen Beitrag zu schreiben. Tut mir leid.

    Nächstesmal komme ich bei einer solchen Meinungsfindung (s.o., Zitat: „Was haltet ihr davon? Wer würde mitmachen? Wo gibt es schon Anlaufstellen?“) mit einer komplett neuen Website, einem laufenden Forum zum Meinungsaustausch, mindestens 100 im Vorfeld gefundener Unterstützer, einer über Monate im Konsens ausformulierten Agenda, Kooperations-Verträgen mit Rechtsschutzversicherungen, gedruckten Image-Broschüren uswusf. daher. Vermute, dass du trotzdem immer noch Zweifel am Projekt hättest. Wäre auch ok, dein gutes Recht und vielleicht hättest du ja am Ende selbst damit Recht, dass das Ganze zum scheitern
    verurteilt ist.

    War aber nicht der Fall. Ich habe das Ding so formuliert, weil ich wissen wollte, wie andere das so sehen. Ich glaube ja, die meisten verstehen das trotzdem, so diffus es von mir formuliert sein mag und ich glaube bis zum Beweis des Gegenteils weiterhin, dass das Thema auch einige anders als du sehen.

    so gut wie keine Chance gibt, ein Blog zum Lebensunterhalt zu etablieren. Professionalisierung? Das ist eine komplette Überschätzung der Größe der Szene.

    Ich rede hier nicht von einer Professionalisierung der Blogger, ich rede von einer Professionalisierung der Hilfsangebote für Blogger und Co. Das ist was anderes. Mir fehlt es daran, weil ich nicht glaube, dass das derzeitige Angebot auf diesem Gebiet ausreicht oder eh schon alle Strukturen etabliert sind.

    Du willst Lobbyismus? Spreeblick/Beckedahl haben da längst den Hebel angesetzt.

    Na dann ist ja alles gut, es läuft bestens, muss sich um sowas keiner mehr drum kümmern. Und die genannten wollen bestimmt auch keine Unterstützung von so dahergelaufenen Popel-Bloggern wie mir o.a. haben. Oder?

    Beim Beispiel Weinreich weiß keiner ob es was gebracht hätte.

    Moment mal, vorhin meintest du doch noch, dass es gar keine Hilfe gewesen wäre … Nun gut. Ich weiß es ja auch nicht.

    Man müsste mal vielleicht den Betroffenen fragen, ob und wie er die ganze Sache sieht, ob ihm irgendeine Organisation (in welcher Form auch immer) hätte helfen können, geholfen hat oder ob er, wie du, darin gar keinen Sinn sieht. Vielleicht ist aber auch gerade die Tatsache, dass sich etablierte Organisationen wie DJV (Deutscher Journalistenverband) und VDS (Verband der Sportjournalisten) in der Sache nicht mit Ruhm bekleckert haben, ein Grund mehr, eine alternative Organisation zu fordern, so altbacken, uncool und wenig jugendaffin das klingen mag.

    Dem kontroversen Fall Hartplatzhelden wird ebenso ausgewichen, wie den zahlreichen Fällen von nachgewiesener Urheberrechtsverletzung.

    Kann man das nicht in einem abhandeln? Geht es nicht auch – zumindest nach bisheriger Ansicht der Gerichte – beim Fall der Hartplatzhelden um zahlreiche Fälle nachgewiesener Urheberrechtsverletzungen?

    Wieso soll ich dazu Stellung dazu nehmen? Ich habe eine Meinung zum Fall Hartplatzhelden ./. WFV und habe sicherlich auch eine Meinung zu nachgewiesenen Urheberrechtsverletzungen, aber wem – außer dir – dient das, wenn ich das hier jetzt auch noch alles aufarbeite und erkläre. Ich bin kein gewählter Sprecher einer wie auch immer gearteten Lobbyorganisation für Blogger und muss keine Stellung dazu nehmen. Zumindest noch nicht*. Halte es davon ab aber auch für schwierig, einen Fall von Meinungsäußerung im Web (Weinreich) mit [es folgt ein Edit nach freundlichem Hinweis von dogfood] Urheberrechtsstreitigkeiten unlauterem Wettbewerb bzw. Nachahmung (Hartplatzhelden) und Urheberrechtsverletzungen (geklautes Bildmaterial) in einen Topf zu werfen.

    *muss ich dazu schreiben, dass das ironisch gemeint ist? Nicht, dass ich größenwahnsinnig rüberkomme …

    Die Diskussion über eine Interessensvertretung sollte nicht dazu führen, das Leute als “Solidarisierer Zweiter Klasse” oder Ego-Blogger abgestempelt werden.

    Stimme zu 100 Prozent zu. Liegt mir fern, sowas zu behaupten.

    die man nicht erreicht, in dem man von vorneherein pauschal alle organisierten Solidarisierungsversuche verdammt

    So besser? (warum werde ich das Gefühl nicht los, dass du „organisierte Solidarisierer“ zwangweise als zweitklassig ansehen wirst? Gut, ich mag mich täuschen, hoffe nur, dass das nicht-abstempeln in dem Fall gegenseitig gilt) So schön es aber sein mag, immer alles selbst organisieren zu dürfen, so gut mag es auch sein, in solchen Fällen auf vorher etablierte Strukturen zurückgreifen zu können.

    Richtig halte ich es, die Stärken die in diesem Internetmedium liegen, zu nutzen. Und die liegen nicht in einer Institutionalisierung sondern in der Anarchie und Kraft der Selbstorganisierung.

    Wenn ich mich recht erinnere, hast du selbst (wie auch andere) geschrieben, dass sich der Aufruf nach Solidarisierung oder gar Spenden bald totlaufen könnte (auch, wenn diese Instrumente inflationär und für die falschen Fälle verwendet werden). Was bleibt denn dann?

    Und was heißt „Kraft der Selbstorganisierung“? Darf ich das als Argument pro Interessengemeinschaft verwenden?

    Die Stärken liegen in der Vielfältigkeit und nicht in einem auferlegten Zentralismus. In Deutschland und weltweit.

    Ja, und eine der Stärken des Internets ist es, Solidarität zu organisieren. Warum das nicht zum Aufbau einer Interessenvertretung nutzen? Und „auferlegt“ wird gar nichts. Niemand müsste mitmachen, nicht mal du.

  21. Probek

    Update: zum Thema gibt es, wer hätte das gedacht, schon einige Überlegungen im Netz.

  22. Tobias (Meine Saison)

    Oha, die Diskussion ist ja inzwischen schon so weit fortgeschritten und in die Tiefe gegangen, dass ich gar nicht weiß, wie ich einen Einstieg finden soll. Meine Meinung in Kürze und ohne zugehörige Argumentation: Ich befürworte trotz dogfoods größtenteils berechtigten Bedenken eine Interessenvertretung für Blogger. Leider habe ich nicht genug Zeit (bzw. nehme mir die Zeit nicht) mich am Aufbau einer solchen Organisation, wie auch immer sie am Ende aussehen soll, zu beteiligen. Doch wenn jemand bereit ist, das zu tun, ganz gleich ob nun Probek oder auch jemand anders, wäre ich alles andere als abgeneigt, dort Mitglied zu werden.

    Es gibt sicher genug Gründe, warum eine Interessensvertretung schwierig zu realisieren sein wird, doch wenn wir die Diskussion für sinnlos erklären bevor es überhaupt einen halbwegs ausgereiften Vorschlag gibt, führt das doch zu nichts.

  23. Spielfeldrand - Das Magazin » Blog Archive » DailySoccer 06/04/2009

    [...] Warum Blogger eine Interessenvertretung brauchen [...]

  24. Patrick

    das problem ist doch, sollte man einen Interessenverbund gründen wird es ein Finanzierungsproblem geben, da jeder anfängt allen Mist in die Welt zu posaunen. Naja, Rechtskosten werden ja getragen und da fängt das Problem an.

    Davon abgesehen, wofür ein Interessenverbund? Im Endeffekt ist die Qualität wichtig mit der gebloggt wird und dann relativiert sich das von alleine. Aber wieviele Blogs haben denn schon ein sehr gutes Qualitätsniveau erreicht in Deutschland? Vielleicht 10 – 15.
    Natürlich gibt es sehr viele schöne Blogs (alleine meine Feed-Liste umfasst 50 Blogs), aber wirklich “Systemrelevant” sind davon 5. Systemrelevant im Sinne von gut Recherchiert, gut geschrieben und sinnvoll für das “Außenbild” der Blogosphäre. Also Texte die man gerne in die FAZ, Die Welt, Die Zeit etc hauen könnte.

    Der Rest, und davon schließe ich mich absolut und natürlich nicht aus, ist pure Unterhaltung.

    Außerdem, eine Rechtschutzversicherung für jeden von “uns” kann helfen!

    lg patrick

    ps: ich lasse mich gerne umstimmen hehe

  25. Frittenmeister

    So nachdem ich mich lange durch die Diskussion gelesen habe, bin ich jetzt platt. Ich versteh die beiden Seiten, muss mich aber ein wenig mehr auf die Seite von dogfood schlagen. Er hat schon Recht, vor allem damit, dass eine kleine Bloggerorganisation einfach nichts ausrichten könnte. Sinnvoll ist es jedoch, sich zu vernetzen, aber mehr auf der einfachen Schiene. Ich kann dazu nur sagen, dass unser Bloggertreffen vor einem Monat hier in München vermutlich mehr gebracht hat als jeder Hobbyverband. Man hat sich kennengelernt, hat Erfahrungen ausgetauscht und jeder von uns weiß hat jetzt auch ein paar Leute mehr im Adressbuch, die er im Fall einer Abmahnung / Streitigkeiten / Unsicherheit fragen kann…jeder hat schon gewissen Erfahrungen gesammelt und kann dem nächsten wiederrum ein paar Tipps geben. Das bringt vermutlich mehr als jeder Verband…

    Man könnte noch darüber nachdenken, einfach eine lose Gemeinschaft zu gründen, wo jeder seine Tipps und Tricks für die andren Mitglieder online stellen kann und einfach nur seine Emailadresse hinterlassen kann. So kann man langsam eine kleine Bloggercommunity aufbauen, ohne Verband und Hobbylobbyarbeit, ohne Rechte und Pflichten, aber mit vielen Gleichgesinnten, mit denen man seine Probleme bereden kann. Und seien wir ehrlich, dogfood hat auch schon mehrfach erwähnt, die meisten haben einfach nur Angst vor einer Abmahnung und man sucht für den Fall der Fälle immer jemanden, der einem mit ein paar Tipps und Tricks und Erfahrungsberichten zur Seite steht…

  26. Blogger-Interessen « angedacht

    [...] Hier geht’s zur Diskussion bei probek. [...]

  27. dogfood

    Re: Probek/Keine Gründe für eine Interessensvertretung genannt

    Immer noch nicht? Und ich habe nichts konkret ausformuliert? Entschuldigung. Da habe ich vorgestern wohl nicht lange genug im stillen Kämmerlein vor mich hingedacht, bevor ich es wagte, diesen Beitrag zu schreiben. Tut mir leid.

    Es geht nicht um das konkrete Ausformulieren eines Masterplans, sondern ich sehe nicht das Bedrohungsszenario, dass du entwirfst.
    Ich zitiere:

    Warum?
    weil wir in Deutschland sind
    weil es Abmahnungen gibt
    weil es Rechtsanwälte gibt

    usw, usf… Genau das meine ich, wenn ich von “Ausdruck einer diffusen Angst” spreche.

    Ich sehe nicht die Quantität an Problemfällen und wo es die Problemefälle gibt, sehe ich nicht, wie ein Interessensverband dem abhelfen könnte.

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole:
    - Im Falle von Herrn Wieland ist die Sache (vielleicht abgesehen vom Stil) glimpflich abgelaufen

    - Die Sachen Weinreich und Hartplatzhelden(*) sind eine Nummer zu groß für einen Interessensverband (Finanzen + ‘moralischer Beistand’ – Jens Weinreich war in der Sache nicht mehr oder nicht weniger Einzelkämpfer als er mit einem interessensverband gewesen wäre, schließlich ist er bereits jetzt gut vernetzt gewesen )
    (*) Nein, bei Hartplatzhelden geht es NICHT um Urheberrecht, sondern Wettbewerbsrecht!!

    - Bei Niggemeier vs Callactive von 2007/2008 ging die Tendenz in den letzten Instanzen eher gen Niggemeier, auch wenn er in einem der beiden Verfahren letztendlich einem Vergleich zustimmte.

    - Auch bei Nerdcore vs Marions Kochbuch/Knieper (Screenshot von Knieper aus PANORAMA-Sendung bei Nerdcore) ist die Sache im Feb 2008 nach einem Vergleich inhaltlich vielleicht nicht ganz befriedigend ausgefallen, aber finanziell für Réné anscheinend zufriedenstellend ausgefallen.

    - Und dann gibt es eine Reihe von Abmahnungen, nicht nur, aber vorallem rund um Urheberrecht, wo es größtenteils bei Summen unter 1.000 EUR bleibt. Bitter, aber nur ganz selten existentiell.

    Nach meiner Wahrnehmung der deutschen Blogosphäre, ist in dieser Angelegenheit die Angst größer, als die Zahl der konkreten Fälle.

    Die zweite Facette des Themas ist, was ein Wiki oder was ein Interessensverband leisten kann. Und deswegen verweise ich darauf, dass es Internet & Blogs schon so lange gibt und die Rechtslage früher noch übler war: die Informations- und Hilfsstrukturen sind längst da (sie u.a. meine Links oben) – können gerne in Wikis oder sowas auch nochmal zusammengefasst werden. Man kann nicht so tun als gäbe es nichts, wäre der gemeine deutsche Blogger aufgeschmissen und würde Google keine Suchtreffer für das Handling von Abmahnungen und Kontaktdaten für spezialisierte Anwälte liefern.

    Gewisse Sensibilitäten sind inzwischen auch bei Justiz und Politik angekommen (dezente Änderung des Abmahnwesens, Urteile zur Linkhaftung und Mitstörerhaftung). Die Lage wird eher besser als schlechter.

    Muss man daher wirklich etwas Neues machen oder sollte man nicht eher das bereits Gewachsene stärken?

    Die dritte Facette des Problems sind Blogger mit ihren begrenzten zeitlichen und finanziellen Ressourcen. Wird die Blogosphäre dadurch gestärkt, dass aus dem Nichts ein neuer Verein aufgebaut wird, mit all den administrativen Strukturen die gebildet werden müssen? Oder wird die Blogosphäre dadurch gestärkt, dass die Blogger sich bemühen gute und interessante Inhalte herzustellen, die ihre Leser finden und so nach und nach immer mehr Multiplikatoren erreichen?

    (Es geht nicht darum, dass Blogs auf dem Wege sind, sich die Meinungshoheit in der deutschen Medienlandschaft zu erkämpfen, sondern dass immer mehr Blogs von immer mehr “Profi-Medien” gelesen werden und daher die Chance, das ein “Meme” oder eine “Kampagne” irgendwann irgendwie von “Profi-Medien” aufgegriffen wird, gestiegen sind. Es geht nicht um das “Über-Blog” mit den vielen Lesern, sondern die vielen kleinen Blogs die verstärkt von Multiplikatoren rezipiert werden. Es geht um die Kraft des individuellen Ausdruckes vs. dem hundertfachen Abstellen einer vorformulierten Protestnote des Interessensverbandes. Aus dem Nichts eine Vereinigung aufbauen, die zu so einem Multiplikator wird, ist eine Irrsinns-Kärrnerarbeit, von der ich bezweifle, dass sie “Hobbyfunktionären” die neben der Arbeit nicht viel Zeit haben, gelingen wird. Da halte ich es für sinnvoller, wenn der Fußballblogger bei seinen Leisten bleibt und sein Blog vorantreibt. Natürlich kann jeder seinen Interessensverband aufmachen. Ich bedaure nur die m.E. in diesem Fall ineffizient verpulverte Zeit und Kraft)

  28. Probek

    Genau das meine ich, wenn ich von “Ausdruck einer diffusen Angst” spreche.

    Die ich vermutlich nicht exklusiv hätte (s.o., man muss ja nur die anderen Kommentare lesen), auch wenn ich persönlich mich davon sogar (noch) einigermaßen frei fühle. Nur: diese Angst, ob diffus oder wie auch immer, ist vorhanden, sogar bei Old-School-Bloggern, und taucht dazu bei vielen Neu-Bloggern immer wieder auf. Da darf man meines Erachtens schon mal fragen, warum sie immer wieder entsteht oder wie man sie am besten los wird.

    Wenn sich dann rausstellen sollte, dass das alles nicht so schlimm oder zumindest nicht existenzbedrohend ist … wäre das auch schon was. Auch insofern ein Dank für deine geduldigen Kommentare. Einen Helm Eine Rechtsschutzversicherung hätte ich aber schon gerne …

    eine Nummer zu groß für einen Interessensverband

    Ist eine selbst-erfüllende Prophezeiung. Solange es sowas nicht gibt, in Gründung ist oder schon etablierte Zusammenschlüsse nicht genützt werden können, ist das natürlich richtig. Irgendwann wäre es nicht mehr zutreffend.

    Muss man daher wirklich etwas Neues machen oder sollte man nicht eher das bereits Gewachsene stärken?

    Die Kernfrage. Du hast natürlich Recht damit, dass man diese (offensichtich vorhandene) Energie gut dazu nützen könnte, bestehende Strukturen zu stärken. Nur: welche? Im Falle des Interessenverbandes sehe (oder kenne) ich sie nicht. Mir ist der CCC zu hackerlastig, FoeBuD und AK Vorrat zu singulär auf die Abwehr bestimmter Vorhaben ausgerichtet. Sowas wie einen deutschen EFF zu haben, fänd’ ich wirklich gut (s.o.). Wer deckt das bei uns ab? Beckedahl?

    (schreibt ein Fußballblogger, der ganz sicher nicht nur bei seinen Leisten bleiben will und wird)

  29. Oliver Fritsch

    Vielleicht habe ich ja irgendwann einen kleinen Pott als Einstieg für eine IG Blog. Hängt halt davon ab, ob der BGH das Internet wie viele in diesem Land als Gefahr betrachtet oder ob es neutral urteilen wird. Dann müsste ich mir überlegen, was ich mit den Spenden für die Hartplatzhelden mache.

  30. Trainers Aufgabenspektrum. « angedacht

    [...] an Relevanz und damit Werbe-Attraktivität zulegen, und ich erkenne an, dass der Ruf nach einer  Interessenvertretung für Blogger zwar nicht unbedingt hierfür, aber insgesamt doch relevanter ist, als ich bisher [...]

  31. Was vom Tage übrig bleibt (34) : jens weinreich

    [...] ruft zu einem Sportblogger-Netzwerk auf. Hintergrund ist u.a. diese sehr interessante Diskussion – Warum Blogger eine Interessenvertretung brauchen -, die sich auch am Fall DFB ./. Weinreich [...]

  32. Probek

    Wer sich übrigens ernsthaft für ein Netzwerk der Sport- bzw. Fußballblogger interessiert und dabei mitmachen will, kann jetzt gerne mal auf

    http://sportblogger.mixxt.de

    vorbei schauen.

  33. Netzwerk der Sport-Blogger gegründet | Welt Hertha Linke - Hertha BSC Berlin Blog

    [...] Grund verschiedener Diskussionen bei probek, heinzkamke und dem Trainer wurde kürzlich das Netzwerk der Sport-Blogger gegründet. Es gibt kein [...]

  34. 18mal18 und Richard Sukuta-Pasu | catenaccio

    [...] Initiator, beschreibt es folgendermaßen: In diesem Sommer hat probek nach mehreren – teils kontroversen – Diskussionen hier ein Sportbloggernetzwerk gegründet. Neben netter Gesellschaft, [...]