Der Tag danach oder: Mein Leisten (Blogschauer)

Ein Verein, der sich in Reichweite der europäischen Top-Klubs sehen will, kann sich Spieler wie Christian Lell oder die Mailänder Leihgabe Massimo Oddo nicht leisten.
André Zechbauer

Mit diesen Aussagen (man muss was tun um zu gewinnen) hat Klinsmann der Mannschaft das sogenannte „Bayern-Gen“ rausoperiert.
Alex

Warum selbst arbeiten, wenn andere das doch schon getan haben? Kann dem, was Alex zum Trainer und André zusätzlich zu Mannschaft, Vereinsführung und den Fans des FC Bayern gesagt haben, derzeit eh kaum etwas sinnvolles hinzufügen ((Tweet-Übersicht)). ((höchstens dies, damit den zweiten Teil der Überschrift nicht nur Insider verstehen)) ((und ja, es gibt auch andere, nicht ganz so gefasste Stimmen))

Nachträge

Klinsmann ist an der aktuellen Lage sicher nicht alleine Schuld. Er ist aber auch nicht völlig unschuldig, denn er macht schlicht und ergreifend zu viele Fehler sowohl personeller als auch taktischer Natur.
Elmarinho

Von den Verantwortlichen des FC Bayern weiß niemand, wie man so etwas macht: einem Starensemble eine Fußballphilosophie einimpfen, geschweige denn einen Verein so zu führen, dass er eine Vorstellung vom Fußball lebt, die auch jenseits des Erfolges Freude bereitet.
Weltsicht Südtribüne (Selbstzitat)

Der grundlegende Schwachsinn war jedoch von Beginn an, laut Klinsmann einen “Fußball wie Liverpool und ManU” zu spielen. Schnelles diagonales Spiel, neumodisch als “One-Toch” bezeichnet. Nur, wenn man dafür keine Spieler hat bzw. holt, geht das einfach nicht. (…) Man muss aus den vorhandenen Spielern das Beste machen und nicht seine taktische Vision einer Truppe aufzwingen, die das gar nicht umsetzen kann.
gses (bei Breitnigge)

„Offenbarung” nennen es die einen, „Waterloo” die anderen. Doch gegen das, was sich gestern vor allem vor der Pause abspielte, kann Napoleons epische Niederlage in Belgien noch als Achtungserfolg bezeichnet werden.
Jannik

So fucking what? Wo ist der Skandal?
Spielbeobachter

10 Gedanken zu „Der Tag danach oder: Mein Leisten (Blogschauer)“

  1. Nun ist es schon soweit, dass du nicht selber schreibst.
    ts ts ts

    Und pass mal auf, am Ende wird der FCB wieder Meister und alle sind halbwegs glücklich.

    CL Gewinn schließe ich für eine Bundesligamannschaft eh in den nächsten Jahre aus.

  2. Tobias, lies mal den ganzen Artikel von André, er hat sicherlich deutlich mehr lesbares geschrieben, als nur diese (zutreffende) Beurteilung zweier Spieler. Und dass Oddo mal gut war, bestreitet ja niemand, nur: warum hat Milan ihn dann verliehen? Ansonsten halte ihn leider für außer Form, aber immerhin für weniger überfordert als Lell, der gestern mal wieder nur die ärmste Sau war.

    nedfuller, dein Wort in Fußballgottes Ohr.

  3. Probek, das stimmt, er hat mehr geschrieben und das auch durchaus sehr treffend. Ich habe ja auch nicht seinen Post kommentiert, sondern deinen. Allerdings bevor ich den kompletten Artikel von Andre gelesen hatte.

    Mit Oddos Form hast du auch Recht, aber es hat ja auch Gründe, warum er nicht in Form ist. Ist aber eigentlich auch nebensächlich. Ich wollte eigentlich zum Ausdruck bringen, dass ein funktionierendes Kollektiv auch den einen oder anderen schwächeren Spieler verkraften kann und man die Probleme nicht an Einzelspielern festmachen sollte. Gegen die Leistung Barcelonas gestern Abend hätte keine deutsche Mannschaft den Hauch einer Chance gehabt.

    Und grundsätzlich denke ich, dass Bayern eher mehr Spieler wie Lell und Ottl bräuchte als weniger. Spieler, die vom eigenen Verein ausgebildet werden und dann auch dort ihre Chance erhalten.

  4. Und grundsätzlich denke ich, dass Bayern eher mehr Spieler wie Lell und Ottl bräuchte als weniger. Spieler, die vom eigenen Verein ausgebildet werden und dann auch dort ihre Chance erhalten.

    Grundsätzlich denke ich, dass Bayern eher mehr Spieler bräuchte, die den Ansprüchen eines Spitzenvereins gerecht werden. Egal, ob sie vom Verein ausgebildet wurden oder nicht.

  5. Dass mit den eigenen, vom Verein ausgebildeten Spielern mag vielleicht stimmen, nur beschleicht mich da irgendwie das Gefuehl, dass da oft die Falschen (Lell, Ottl) behalten werden und die richtigen (Trochowski, Hargreaves…ok fuer 17mio kann man den gehen lassen) gehen.

  6. @Probek: Ich hab absichtlich Lell und Ottl als Beispiel genommen. Denn das sind die beiden, die in den letzten paar Jahren aus den eigenen Reihen kamen. Vielleicht hat ben also recht. Bayern hat doch eine gute Jugendarbeit, trotzdem schaffen nur ganz wenige den Sprung in die Profimannschaft und die entwickeln sich dann kaum weiter.

    Woher sollen die Spitzenspieler kommen? Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder man nimmt jedes Jahr richtig viel Kohle in die Hand (z.B. Chelsea) oder man zieht sie sich selbst heran (z.B. Barcelona, Arsenal, ManUtd). Das ist natürlich sehr vereinfacht dargestellt, aber im Großen und Ganzen trifft es zu. Bei Bayern kann ich solch ein Konzept nicht erkennen. 2006 wollte man der Jugend eine Chance geben, 2007 ging man dann doch ans Festgeldkonto und 2008 machte man gar nichts, dünnte den Kader sogar noch etwas aus.

    Vielleicht sehe ich es falsch, ich verfolge die Bayern sicher nicht so intensiv wie ihr, aber ich kann nicht verstehen woher der Glaube kommt/kam, man sei mit Barcelona und den Big 4 aus England auf Augenhöhe.

  7. Denn das sind die beiden, die in den letzten paar Jahren aus den eigenen Reihen kamen.

    Stimmt so nicht. Rensing (24 Jahre alt), Lahm (25), Schweinsteiger (24), Ottl (24), Lell (24) – lautet dagegen meine einigermaßen vervollständigte Liste. Dazu kämen als bei Bayern ausgebildete Bundesligaspieler noch Trochowski (25), Hummels (19), Guerrero (25), Feulner (27), Celozzi (20), Misimovic (26), Steinhöfer (23) und aktuell Kroos (19) hinzu. So schlecht finde ich die Jugendarbeit der Bayern nicht.

    Und den Gegensatz aus “aus der eigenen Jugend” gegen “viel Geld in die Hand nehmen” hast du wirklich sehr vereinfacht dargestellt. So vereinfacht, dass es eben nicht mehr zutreffend ist, zumindest nicht für die von dir genannten Beispiele.

    Denn von den von dir für ihre Jugendarbeit als beispielhaft genannten Vereinen hat ausgerechnet der FC Barcelona in den letzten acht Jahren das meiste Geld für Transfers ausgegeben. Ãœber 300 Millionen Euro hat Barca seit der Saison 2000/2001 für neue Spieler ausgegeben, als durch Spielerverkäufe wieder hereinkam (Bilanz nach Transfermarkt.de). Auch beide anderen Beispiele, Arsenal London mit einer negativen Transferbilanz von über 100 Millionen Euro seit 2000/2001 und Manchester United mit Ausgaben von insgesamt über 260 Millionen Euro taugen wohl kaum perfekt für die “Vereine, die sich primär aus der eigenen Jugend stärken”-These.

    Zum Vergleich: Bayerns Transferbilanz seit 2000/2001 liegt bei Ausgaben von rd. 140 Millionen Euro, Chelseas bei 470 Millionen Euro, Real Madrid bei rd. 410 Mio. Euro. Exzellente Jugendarbeit ist also nur die eine Schiene, auf europäischem Spitzenniveau braucht man (so die gängige Philosophie der Spitzenvereine) auch Top-Einkäufe. Selbst der FC Porto hat in dem Zeitraum 140 Mio. Euro ausgegeben, genauso viel wie der FC Bayern.

    [edit: ich habe mal die Zahlen in eine Ãœbersicht eingetragen]

    Nach Ausgaben gerechnet spielen also nur der FC Arsenal und der FC Porto einigermaßen in der gleichen Liga wie die Bayern. Der aktuelle Gegner Bayerns in der Champions League hat dagegen mehr als doppelt so viel in den Spielerkader investiert.

    Und wer soll die Bayern auf Augenhöhe mit Barcelona (oder Manchester und Liverpool) gesehen haben? Niemand, den ich kenne, war so vermessen, auch wenn ich mir trotzdem natürlich Chancen ausgerechnet habe.

    Abgesehen davon muss ich dir leider Recht geben. Ich kann beim FC Bayern schon seit längerem kein Konzept erkennen, dass die eigenen, hohen Ansprüche auf europäischem Spitzenniveau befriedigen könnte. Das ist sicherlich ein Vorwurf, den man vor allem dem Management machen kann.

  8. Ich sagte: “Bayern hat doch eine gute Jugendarbeit…”

    Lahm und Schweinsteiger sind schon etwas länger dabei, deshalb hatte ich sie nicht mitgezahlt. Ich dachte allerdings auch, dass Lell und Ottl noch jünger wären. Und dass viele von Bayern ausgebildete Spieler in anderen Vereinen den Durchbruch geschafft haben bestreite ich nicht.

    Ich habe mich wohl etwas undeutlich ausgedrückt. Du hast natürlich Recht, dass alle genannten Vereine auf eine Mischung setzen und auch Barcelona, Arsenal und United sehr viel Geld für Transfers in die Hand nehmen.

    Meine Aussage bezog sich auf deinen Satz: “Egal, ob sie vom Verein ausgebildet wurden oder nicht.”

    Wenn sie nicht vom Verein ausgebildet werden, muss man sehr viel Geld ausgeben, um solche Spieler zu bekommen. Ist das Geld dafür nicht da, bleibt wohl kaum eine andere Möglichkeit, als die Spieler selbst auszubilden. Auch das kostet natürlich viel Geld, denn zufällig an der Säbener Straße vorbeikommen werden die Talente nicht.

    Ich sehe einen Unterschied in der Art und Weise, wie junge Spieler (17-21 Jahre) bei Arsenal, Barcelona und Manchester eingebaut werden, wie man ihnen Spielpraxis gewährt und nach und nach mehr Verantwortung überträgt. Ich glaube es war Lahm, der mal gesagt hat, dass man bei Bayern als Spieler aus der eigenen Jugend nie so ganz für voll genommen wird (das Zitat war bestimmt anders, aber sinngemäß kommt es hin). Eigentlich müsste ein Verein, der über so eine starke Identität verfügt (Bayern-Gen, Mir san mir), diese jungen Spieler doch viel einfacher vermitteln können als Älteren.

    Der Unterschied zwischen den genannten Mannschaften liegt meiner Meinung nach in der Rolle, die selbst ausgebildete Spieler dort spielen: Bei Barcelona kamen am Mittwoch 6 Spieler zum Einsatz (Valdez, Puyol, Xavi, Iniesta, Messi, Bojan), die vom Verein ausgebildet wurden. Arsenal hat 20 Spieler im Profikader, die nicht älter als 20 waren, als sie dorthin wechselten. Davon kamen am Dienstag 9 zum Einsatz. Manchester lebte sehr lange von den Eigengewächsen Giggs, Scholes, Beckham sowie Gary und Phil Neville. Heute gehören Vidic, Nani, Ronaldo und Rooney zum Stamm der Mannschaft, die alle in sehr jungem Alter zu Manchester kamen.

    Bei Bayern gibt es außer Schweinsteiger, Lahm und vielleicht noch Hargreaves keine selbst ausgebildeten Spieler, die in den letzten Jahren tragende Rollen eingenommen haben. Prägend waren dagegen die “fertig gekauften” Spieler, z.B. Lucio, Van Bommel, Ze Roberto, Toni, Klose, Ballack, Makaay.

    Meine Frage ist deshalb: Warum schafft es Bayern trotz guter Jugendarbeit kaum, die eigenen Talente auch im Profibereich weiter zu entwickeln? Ich glaube man scheut sich, die damit verbundenen Risiken einzugehen, um die Vormachtstellung in der Bundesliga nicht zu gefährden, aber das ist nur ein persönlicher Eindruck, den ich nicht begründen kann.

    P.S. Die Aussage mit der “Augenhöhe” war nicht auf dich bezogen und hoffen darf/muss man als Fan immer. Ich denke allerdings (und das siehst du wahrscheinlich anders), dass ein 0:4 gegen dieses Barcelona kein Weltuntergang ist.

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