Sammer statt Klinsmann? (Nachtrag: oder nicht?)

Spätestens in sechs Wochen, so steht zu vermuten, werden die Bayern und Klinsmann getrennte Wege gehen. Selbst nach einer Meisterfeier auf dem Marienplatz. Seit zwei, drei Wochen sei das fix beschlossen, versichern diverse Quellen, in der Politik würde man sie “gut unterrichtete Kreise” nennen; der Name von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer fällt dort in der Nachfolgedebatte auffallend häufig.
Andreas Burkert in der SZ vom 16. April

Nachtrag, 18.4.2009

der vielfach genannte Kandidat Matthias Sammer wird offenbar DFB-Sportchef bleiben
Andreas Burkert in der SZ vom 18. April

24 Gedanken zu „Sammer statt Klinsmann? (Nachtrag: oder nicht?)“

  1. Hab es heute morgen in der Zeitung mit einigem Erstaunen zur Kenntnis genommen. Es würde ja schon irgendwie passen. Aber den Sammer mag ich nun auch wirklich nicht. Könnten die Bayern nicht lieber einen sympathischen Franzosen oder Spanier engagieren?

  2. Oder einen Schweizer Kuchenbäcker? Sympathie ist ja nun nicht unbedingt das wichtigste Einstellungskriterium für einen Fußballtrainer.

    Zumindest das müssen die Bayern-Bosse bei Klinsmann übrigens schon ähnlich gesehen haben: der war zwar vielen sympathisch (vor allem vielen, die sich nur alle zwei Jahre oder noch seltener mal für Fußball interessieren). Gerade bei vielen Bayernfans war und ist er nun aber alles andere als beliebt.

    Interessant finde ich eher, wie die Trennung begründet wird:

    [Klinsmann] liefere in der täglichen Arbeit keine Problemlösungen, schon gar nicht in Stresssituationen wie in Barcelona, zudem nehme er momentan keine Ratschläge mehr an.

    (zitiert ebenfalls aus o.g. Artikel)

  3. Sammer als jüngster deutscher Meistertrainer zum FCB? Könnte passen. Zumal er trotz der Erfolge nicht abhebt, sondern im letzten Jahr in einem ZEIT-Interview zugab, dass andere Trainer (wie Löw oder der studierte Sportwissenschaftler Klopp) besser ausgebildet seien und er in diesem Bereich Defizite gehabt hätte, an denen er aber durchaus gearbeitet hätte.

  4. “…zudem nehme er momentan keine Ratschläge mehr an.”

    Aber was ist das denn bitte für eine Erwartungshaltung an den Trainer? Das klingt, als hätte man einem Azubi versehentlich viel zu viel Macht übertragen. Dieses Zitat zeigt nochmal die zunehmende Unglaubwürdigkeit der Bayern-Verantwortlichen. Dann können sich KHR und die Lichtgestalt gleich zum Uli dazuhocken und das Team im Dreierpack coachen, und jeder gibt Klinsi alle 5 MInuten eine Lebensweisheit mit auf den Weg. Dann ist er spätestens in 10 Jahren ein ganz Großer….

  5. klingt, als hätte man einem Azubi versehentlich viel zu viel Macht übertragen

    Déjà vu. Ich finde, die Bezeichnung “Auszubildender” für Klinsmann in seinem Job als Vereinstrainer ist schlicht und einfach zutreffend.

    Die Bayern sind mit seiner Verpflichtung ins Risiko gegangen, haben ob der schlechten Leistungen früh angefangen, zurück zu rudern (sowohl Vorstand als auch Teile der Mannschaft; und Klinsmann hat’s mit sich machen lassen) – und jetzt müssen alle gucken, wie sie einigermaßen heil aus der Affäre wieder rauskommen. Bzw. wie trotz allem eine schlagkräftige Mannschaft geformt werden kann, die das mindeste Mindestziel der Saison (Qualifikation für die Champions League) erreicht. Das kann gerne auch mit Klinsmann geschehen.

    Allein: mir fehlt allmählich der Glaube. Denn ich sehe unter seiner Leitung kaum einen Fortschritt bei der Spielweise und nicht mal ansatzweise ein erfolgsversprechendes Konzept.

    Wo zeigt sich denn auf dem Platz konkret die Arbeit des Erneuerers Klinsmann? Und zwar losgelöst davon, dass mit den derzeitigen Spielern kaum die europäische Spitze erreicht werden kann. Dann hätte er halt rechtzeitig auch ein paar Verstärkungen fordern müssen. Ach so, hat er ja: Donovan.

    Ansonsten finde ich den Teil vor dem “zudem” (“[Klinsmann] liefere in der täglichen Arbeit keine Problemlösungen, schon gar nicht in Stresssituationen wie in Barcelona”) weit weit wichtiger als das “er nimmt keine Ratschläge an”. Ersteres ist Grundlage seines Jobs. Wenn er das nicht beherrscht, ist er fehl am Platz.

    Zugegeben, der FC Bayern braucht sicherlich Reformen, um wieder an Europas Spitze zu stehen. Aber er braucht dafür auch einen Trainer, der diese Reformen durchsetzen kann. Und nicht jemanden, der sich statt dessen in symbolischem Aktionismus ergeht oder dessen Eignung als Vereinstrainer auch nach mehr als 41 Wochen zweifelhaft ist.

    Will sagen: Reformen ja, aber bitte mit dem geeigneten Werkzeug. Und dass im Falle von Klinsmanns Abgang für alle Ewigkeiten die Reformunfähigkeit Bayerns bewiesen wäre, ist doch Quatsch. Da leide ich ggf. aber gerne auf sehr hohem Niveau.

    Davon ab ist eines aber auch klar: Klinsmann ist nicht allein Schuld. Auch Management und Vorstand sollten sich fragen, ob sie wirklich alles dafür getan haben, dass Klinsmann überhaupt Erfolg haben kann.

  6. Ich weiß, als Außenstehender (also als jemand, der diese Saison nur wenige Spiele des FCB gesehen hat) sollte man eigentlich die Klappe halten. Aber ich sehe die Kritik an Klinsmann als ein wenig überzogen an. Ich frage mich eher in welcher der letzten 20 Spielzeiten, die Bank Eures Vereins sooo schwach besetzt war. Ein Problem, das auch bei uns nicht erst seit dieser Saison eine große Rolle spielt.

  7. Ja ja. Da muss ich mich mal selbst zitieren:

    falls [Klinsmanns] wie auch immer geartetes, geniales Konzept von wem auch immer* innerhalb oder außerhalb des Vereins vermasselt wurde … wäre er dann nicht einfach zu schwach für diesen Job?

    *z.B. von einem Management, das ihm nicht ausreichend Spitzenspieler zur Verfügung stellt. Und, mal ganz zusammenhängend, finde ich es übrigens nicht ganz so schlimm, dass Uli H. ans Aufhören denkt.

  8. Dem kann ich nicht widersprechen. Ich fand ja den Favre ziemlich in Ordnung, der gar nicht erst seinen Job antreten wollte nachdem er den Kader begutachtet hatte. Da mußte der Dieter sofort handeln. Geschadet hat es nicht.;)

  9. Das Interview gibt’s noch, allerdings war das gar nicht für DIE ZEIT, sondern für die Süddeutsche. Ich hab damals eine Kurzzusammenfassung in meinem Blog veröffentlicht, das Original-Interview findet man bei der Süddeutschen Zeitung.

    Ganz interessant ist in dieser Hinsicht ein Interview mit Lars Ricken in der ZEIT: Als Spieler war Sammer laut Ricken der Antipode zu Andi Möller, beide hätten sich ständig in den Haaren gelegen.

    Wieso kommt eigentlich bislang niemand auf die Idee, dass Sammer der Nachfolger von Hoeneß wird? Sammer konnte als Sportdirektor beim DFB Management-Erfahrung sammeln und Hoeneß’ Posten wird frei…

  10. [Geez, just in dem Moment, wo man Herrn Kamkes Kommentar wieder aus dem Orkus holt und rückdatiert, schlägt hier schon Max’ Korrektur seines eigenen Kommentars auf, die – ob der darin enthaltenen Links – vorerst im Spamfilter gelandet war; offenbar ohne, dass er Heinz’ Hinweis noch mitbekam. Trotzdem schön, dass wir den Artikel doch noch gefunden haben: doppelt hält sicher besser.]

  11. Zur Frage: Vielleicht weil sehr, sehr viele davon ausgehen, dass a) entweder Hoeneß doch weitermacht oder b) eine vereinsinterne Lösung (Nerlinger, Kahn o.a.) wahrscheinlicher ist? Oder doch c) weil es hier ja eher um die Nachfolge von Klinsmann geht? Interessant ist der Vorschlag aber allemal.

    Einen Sportdirektor Sammer UND einen Trainer Klinsmann bei Bayern kann ich mir jedenfalls nach der Vorgeschichte um Bernhard Peters’ Nichtberufung beim DFB nicht vorstellen. Aber ich lasse mich gerne überraschen.

  12. Sammer UND Klinsmann klingt in der Tat ähnlich realistisch wie Kahn und Klinsmann.

    Hat Sammer nicht irgendwann gesagt, er wolle eigentlich gar kein Trainer mehr sein, oder trügt mich die Erinnerung?
    Ungeachtet dessen kann auch ich ihn mir eher als Bayern-Trainer denn als Bayern-Manager vorstellen.

    @Max: ich kenn Dein Blog halt in- und auswendig ;-)

  13. @probek
    Dem obigen (längeren) Kommentar kann man nur zustimmen.
    Die Grundhaltung zu Beginn: “Wir brauchen keine Neuen, der Kader ist stark genug um die CL zu gewinnen”. Das ist Klinsmanns erster großer Fehler, sich entweder nicht zu trauen Neue zu fordern (–> Azubi)[oder hat er gedacht das Einbürgern dauert doch zu lange…^^], aber auch ebenso falsch dass Uli nicht selbstständig nachgelegt hat. Kader zu schwach, Trainer in der Ausbildung, alternde, leicht blinde Vorstandssriege – eigtl logisch und man kann die ganzen Mega-Zweifler nun mehr als verstehen (auch wenn die meisten eher auf der Schiene fuhren” I mog den Klinsi net”)
    Zu den anderen Fehlern Klinsmanns, die insbesondere taktischer Natur waren, hab ich mich verteilt schon öfter geäußert, ich denke es ist inzwischen klar dass er viele Sachen verschlimmert hat.

    Zu Sammer: Genauso unvorstellbar, die Fans werden wieder aufjaulen – der passt ja noch weniger zum Verein als Klinsmann.
    Kahn als Manager ist für mich die wahrscheinlichste Lösung, evtl – nein sicher sogar mit Nerlinger in der Doppelfunktion. Und noch einen Wirtschaftsexperten dazu, der keinen direkten Bezug zum sportlichen Bereich hat.
    Trainer? Who knows…

  14. Dass Klinsmann länger als bis zur kommenden Winterpause auf der Bayern-Bank sitzen wird, glaube ich nicht – und genau das bringt den Manager Sammer wieder ins Spiel.

    Manager Kahn? Weiß ich nicht. Auf Schalke hat er abgesagt, weil er zeitgleich eine Fernsehsendung in Asien am Start hatte. Ich sehe Kahn tatsächlich eher als Trainer denn als Manager, auch wenn das den populäreren Thesen widerspricht.

    @Max: ich kenn Dein Blog halt in- und auswendig ;-)

    … oder du bist einer der zwei, die heute auf dem Link zur Süddeutschen in meinem Blog geklickt haben… ;-)

  15. Manager Kahn denke ich deshalb: Wer läßt sich denn beim Treffen mit dem Schalker Vorstand in und um Restaurants bzw. Hotels ablichten, läßt so ein Theater zu und sagt dann doch ab? – Ins Gespräch bringen nennt man sowas wohl.

  16. Ich habe ja mittlerweile den Verdacht, daß es ziemlich egal ist, wer bei Euch Trainer unter Hoeneß & Rummenigge ist – solange es nicht der Schweizer ist, der zwar keinen modernen Fußball spielen läßt, dafür aber brav alles macht, was man ihm sagt, wird es immer schief gehen, solange das Zweigestirn das Sagen hat.
    Aber ich verdächtige ja nur.

  17. Ja, als täglicher SZ-(Sportteil ^^)-Leser hab’ ich mich auch sehr amüsiert über die beiden Kommentare von Andreas Burkert. Was zwei Tage doch verändern können.

  18. Ich sehe einen Herrn Sammer eher als kompetenten Sportdirektor. Mit seinen Visionen und strukturierten Konzept, dass ich beim DFB sehe, könnte er langfristig den FCB wieder in die europäische Spitzenklasse führen.

Kommentare sind geschlossen.