Trainer Baade im Clinch mit Jako

Eine kleine, leider alltägliche Geschichte: Ein Blogger schreibt etwas ins Internet, eine Firma regt sich darüber auf und beauftragt, anstatt die Sache mit dem Blogger zu klären, eine Anwaltskanzlei, dagegen vorzugehen. Die Anwälte mahnen den Blogger kostenpflichtig ab, die unerwünschte Äußerung zu entfernen, und der nimmt den Text aus dem Blog und zahlt zähneknirschend den geforderten Betrag, sagen wir mal 1.000 Euro, um ein Gerichtsverfahren zu vermeiden. So weit, so schlecht, so alltäglich.

So hätte es auch im Fall des Fußballbloggers „Trainer Baade“ und des Trikotherstellers Jako laufen können, als Baade einige deftige Worte über das neue Logo von Jako verlor. Ist es aber nicht. Denn Jako regt sich über seine Anwälte weiter darüber auf, dass irgendwo im Internet noch Bruchstücke von dem Text zu finden sind, den Baade längst gelöscht hat. Und fordert jetzt, inklusive einiger Anwaltshonorare, rund 7.000 Euro vom Blogger. Das wird dem zuviel und was nun folgt, ist ein Lehrstück dafür, wie man mit Kritik im Internet nicht umgehen sollte.

Denn jetzt bekommen andere Blogger mit, wie Jako mit dem Blogger verfährt – und laufen Sturm. Nach zwei Tagen finden sich im Netz hunderte kritische Artikel zu Jako, täglich werden es mehr – und vieles, was zu lesen ist, ist weit schlimmer als das, was Baade ursprünglich schrieb. Ein Schaden, der sich mit einem simplen Telefonanruf hätte vermeiden lassen.

Erst Donnerstagabend, nach drei Tagen Netzaufruhr, regt sich Jako ein bisschen und verspricht Entgegenkommen. Warum es so weit kommen musste? Man weiß es nicht. Gewinner gibt es keine mehr. ((der letzte Absatz wurde noch gestern Abend geändert, nachdem Jako mit einer Pressemitteilung rauskam))

(Dieser Artikel bzw. Kommentar zur JakoGeschichte erschien ursprünglich auf Abendzeitung.de ((mit Foto des Autoren!)) und in der gedruckten „Abendzeitung“ vom 4. September 2009; heute schriebe ich ihn etwas anders, aber nun gut ((ist ja auch Print, da geht editieren einen Tick schwieriger)))

Nachtrag

So sieht’s aus ((Ein von Ribéry persönlich gesegneter Text; ich bin be … äh … gerührt.)):

Der Artikel in Print (AZ v. 4.9.2009, ganze S. 22)

Der Artikel in Print (AZ v. 4.9.2009, S. 22, nur Probek)

3 Gedanken zu „Trainer Baade im Clinch mit Jako“

  1. Das traurige ist, dass die Anwälte weitermachen können.
    Gibt es nicht so was wie einen “Deutschen Presserat” für Anwälte, der einen Kodex festgelegt und der auch mal öffentliche Rügen verteilt.

  2. @Breisacher

    Nicht missverstehen: etwas anders. Ein wenig Selbstkritik: ich glaube, der Text leidet (zumindest am Schluss) etwas unter der Tatsache, dass Jako sich mittendrin doch regte und das letztminütlich irgendwie untergebracht werden musste. Außerdem ist er mir einen Tick zu viel Erklärstück und etwas zu wenig Meinungsstück. Aber ich hoffe auf Besserung und ein nächstes Mal. Starke Meinungen habe ich jede Menge auf Lager, kann beileibe nicht nur auf Goliaths einprügeln.

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