Zwischen Nikolaus und Christkind: Zu Gast beim FC Bayern München

Weihnachtszeit, Geschenkezeit. Da der Hausherr kaum noch zum Befüllen des eigenen Blogs kommt, hat ihm eine gute Fee vorgeschlagen, es statt dessen doch mal mit einem Auswärtsspiel zu probieren. Tolle Idee! Gleichzeitig eine gute Gelegenheit, eine feenhafte Gastautorin etwas schreiben zu lassen, was es hier ganz, ganz lange nicht gab: eine Vorschau auf das nächste Bundesligaspiel des FC Bayern München. Oder noch gar nicht gab: eine Vorschau auf das nächste Bundesligaspiel der Bayern — aus der Perspektive des Gastes.

1.000 Dank dafür. Wer sich für meine Vorschau aufs Pauli-Spiel interessiert, sollte hier entlang gehen. Vor Ort und Stelle öffnet sich jetzt aber der Vorhang für jekylla, die mit dem FC St. Pauli in herzlicher Zuneigung verbunden ist:

Zwischen Nikolaus und Christkind: Zu Gast beim FC Bayern München

Ich gehe davon aus, dass wir “rausgehen, warmmachen, weghauen” ;)

Nein, im Ernst, ich weiß nicht, ob und was ich erwarten soll in diesem Spiel. In der Theorie ist der FC Bayern München natürlich der haushohe Favorit. Tabellenmässig gesehen aktuell 7 Plätze vor uns. Der SC Freiburg aber sogar 9 Plätze und die haben wir eingetütet. Gegen einige vor uns Unentschieden gespielt. Der FCB scheint mir auch nicht wirklich konsistent zu spielen, den Eindruck von Kaiser Franz teile ich zwar nicht ganz, aber so richtig chancenlos sind wir nicht. Finde ich.

Ich habe für den FCB seit dem Retter-Spiel ohnehin unverbrüchliche Sympathien, die jeder Mißstimmung über die Millionarios und die Event-Arena trotzen. Als wir wirtschaftlich am Boden lagen, waren sie da und das werde ich nie vergessen. Dass von Ultra-Seite her eine Zuneigung zur Gruppierung “Schickeria” der Bayern besteht, ist auch unbestritten, so betrachte ich also viele der St. Paulianischen Äußerungen gegenüber dem FCB als im Grunde des Herzens sympathisierendes Gefrotzel. Wie meines auch.

Ich habe aber immer gesagt, dass es mir persönlich ein bißchen zu langweilig wäre, FCB-Fan zu sein. Auf Erfolg programmiert, vorausschaubarer Deutscher Meister (mit wenigen Ausnahmen), immer internationale Plätze – wo bleibt da die Aufregung, das Zittern und Bangen, wenn man das alles quasi auf der Erwartungskarte hat?

Als Wirtschaftsunternehmen natürlich ein absolutes Vorzeigeobjekt, straff geführt, grundsolide und eine Bank. Nicht zuletzt durch den mir gerade durch seine zeitweisen cholerischen Anfälle sehr sympathischen Uli Hoeneß, der seit 2009 der Präsident des Clubs ist. Summa summarum also so ganz anders als wir :)
Zumindest in den angespannten Jahren. Letztendlich verkörpert der FCB alles, gegen was unsere Fans revoltieren, Kommerz galore, Eventfans (die wir mittlerweile aber selber haben) – und dennoch: der FC Bayern München ist eine Ausnahmeerscheinung, die ich nicht mal so faktisch unterlegen will, sondern einfach gefühlsmässig. Man kann den FCB entweder lieben oder hassen, zwischendrin scheint es nichts zu geben. Doch: mich. Ich finde den Verein für vieles bewundernswert, für manches ablehnenswert, aber es bleibt immer eins: sie haben sich die Individualität bewahrt. Das “mir san mir” ist eben unvergleichlich. Immerhin verdanken wir dem FCB solche Jahrhundertauftritte wie den von Giovanni Trappatoni.

Ob das am Samstag auf dem Platz hilft, werden wir ja sehen. Ich freue mich jedenfalls, unsere Jungs gegen Spieler wie Schweinsteiger, Lahm, Müller, Ribéry und Co. spielen zu sehen und wer weiß, was passiert, wenn der Weltpokalsiegerbesieger wieder auf den FC Bayern München trifft?

Denn wenn ich eins gelernt habe, ist es, beim FC Sankt Pauli jederzeit mit Überraschungen fertig zu werden. Den Guten wie auch den Bösen. Wir verlieren gegen schwache Gegner und hauen die Starken weg. Und umgekehrt. Natürlich hoffe ich immer, dass sie gewinnen, egal, wie die Chancen rein theoretisch stehen, aber ich gehe niemals zu einem Spiel und bin sicher, dass wir gewinnen. Aber auch niemals mit dem sicheren Gefühl, dass wir verlieren.

Der FC Sankt Pauli ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiss nie, was man kriegt. Vielleicht auch mal einen Sieg gegen den FC Bayern München bei denen zuhause ;)

Edit: Und seit ich weiss, dass unser aller Held Mario Gomez mit Grippe darniederliegt, sehe ich tatsächlich … mal, was so passiert.

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3 Reaktionen zu “Zwischen Nikolaus und Christkind: Zu Gast beim FC Bayern München”

  1. Preview 11.12.2010 FC Bayern München vs. FC Sankt Pauli « Fabulous Sankt Pauli

    [...] Und bei Herrn probek durfte ich auch. Hier. [...]

  2. Markus

    Made my day:

    Der FC Sankt Pauli ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiss nie, was man kriegt.

    ;-)

  3. Latte, Pfosten – fünf Jahre « Ansichten aus dem Millionendorf

    [...] wir haben ja gestern ein Bundesliga-Spiel gehabt. Gegen St. Pauli. Jeykilla und Probek haben es wunderbar [...]