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Vorbericht: FC Köln – FC Bayern (Gastautor: Axel)

Freitag, den 4. Februar 2011

In nicht einmal 24 Stunden spielt der FC Bayern München in Köln, gegen den dortigen 1. Fußball-Club Köln 01/07 e. V. Anlässlich dieses Gastspiels hat mich der FC-Köln-Fan Axel (vom Blog “Der vierte Offizielle“) gefragt, ob ich nicht Lust auf einen Vorberichtsaustausch wie neulich mit Jekylla habe. Hatte ich. Seinen Vorbericht über das kommende Bundesligaspiel der Bayern findet ihr hier, meinen wenn ich ihn dann endlich fertig geschrieben habe, demnächst auf dervierteoffizielle.de.

Es könnte ja alles so einfach sein, nicht wahr? Eine fußballverrückte Stadt, ein schmuckes 50.000-Mann-Stadion, dass eigentlich immer mit williger Kundschaft voll ist, Bereitschaft aus der Wirtschaft, Geld in die Hand zu nehmen. Alles da. Woran liegt es denn nur, dass mein Verein seit 21 Jahren am Boden liegt? Warum ist in Köln immer alles anders?

In den letzten Tagen konnte der geneigte Beobachter wieder einmal bewundern, wie es der FC perfektioniert hat, sich ins eigene Knie zu schießen. Mit der Farce um Choupo-Moting, der unfassbaren Niederlage gegen St. Pauli und den internen Querelen um den jetzigen Vorstand ist der Kölner “Vorzeigeclub” zwar erneut in vielen Gazetten vertreten, doch natürlich nur, damit Restdeutschland was zum lachen hat.

Sie merken es schon, es ist in diesen Tagen nicht leicht, ein Fan oder ein Freund des 1.FC Köln zu sein. Ich verzage auch langsam an dem Gedanken für den Rest meines Lebens eher die Sportfreunde Siegen als den FC Barcelona sehen zu müssen aber: Es nützt ja nix, da müssen wir jetzt durch. Was soll ich machen? Nach Leverkusen gehen?

Am Samstag tritt der deutsche Rekordmeister in Köln-Müngersdorf zum Kräftemessen an. Wie bei jedem Spiel gegen die Bayern (bei wohl jeder Mannschaft in Deutschland) gilt auch diesmal: Hey, kein Problem, willkommen, es ist das einfachste Spiel des Jahres, kein Mensch rechnet mit irgendwas außer einer Niederlage. Schaut man ein wenig zurück, so ist der letzte Sieg der Bayern jedoch schon eine ganze Weile her: Er datiert aus dem September 2008, ebenfalls in Köln. Seitdem gab es für den FCB keine drei Punkte mehr gegen den FC aus Köln. Tapfere drei Unentschieden und sogar eine Niederlage stehen von 2009 bis Heute zu Buche. Haben die Bayern eine ähnliche Bilanz gegen einen anderen Gegner auf diesem Planeten?

Es besteht also kein Grund die Flinte gleich ins Korn zu werfen, auch wenn Köln tief (und ich meine tiiiief) im Abstiegssumpf steckt und die Bayern gerade zurück in die Spur finden. In Volker Finkes erstem leibhaftigen Spiel im Rheinenergiestadion (oh Mann…) wird Trainer Schaefer versuchen der Mannschaft wieder ein Stück Leben einzuhauchen, die Fans zurück zu gewinnen, den “Express” ein wenig ruhig zu stellen. Ich gehe tatsächlich nicht von einer defensiven Strategie aus, auch wenn die Mannschaft -unbestritten- nicht die Qualität hat um spielerisch gegen den FCB mitzuhalten. Es wird über den Kampf gehen müssen.

Der neue Sportdirektor traf sich dann auch sogleich mit dem ehemaligen Kapitän, seinem Freiburger Ziehkind Mohammad, der seit der Inthronisation des Prinzen im Schmollwinkel ausharrt, angeblich schon in der Winterperiode den Verein verlassen wollte aber nun doch weiter am Geißbockheim grast. Mohammad ist extrem wichtig für die Innenverteidigung, denn Neuzugang Eichner ist für die linke Seite geholt worden und der zweite Neuzugang, der Japaner Makino sollte eine Alternative für die rechte Außenbahn sein, die letzten Samstag so gnadenlos unterging.

Idealerweise würde sich die Abwehr aus Eichner – Mohammad – Geromel – Makino zusammensetzten. Im Tor, der dritte Neuzugang des Winters, „Euer“ ehemaliger Titan-Nachfolger Rensing. Gegen Pauli zeigte er eine sehr gute bis fantastische Leistung. Er allein verhinderte ein 0:6 beim direkten Abstiegskonkurrenten. Rensing scheint eine gute Wahl zu sein, wenn man das nach drei Spielen sagen kann.

Unser traditionell schwaches Mittelfeld (das hätte man mir mal vor zwanzig Jahren sagen sollen: Köln? traditionell schwaches Mittelfeld…) vergessen wir mal ganz schnell. Keine Ahnung ob Petit wieder dabei ist oder immer noch an einer Zerrung aus dem Lautern-Spiel laboriert. Keiner der auflaufenden Spieler hat die fußballerische Qualität um das offensive Mittelfeld der Bayern ernsthaft in Gefahr zu bringen. Es wird wahrscheinlich darauf hinaus laufen das Spiel möglichst hässlich zu gestalten, weit weg vom eigenen Strafraum, ergo: Hoch und weit über Matuschyk und Lanig hinweg, die beide eh -sowohl geistig als auch körperlich- viel zu langsam sein dürften.

Vorne steht mit Peszko der vierte Wintereinkauf, ein polnischer Nationalspieler, der gegen Bremen eine schöne Leistung zeigte, gegen Pauli jedoch mit dem Rest der Mannschaft unterging. Auf der anderen Seite rechne ich mit Clemens statt Jajalo, wie in den Spielen vorher. Dazu kommt dann noch das Prinzenkind, der Erlöser Bergheims mit dem Vorzeige-Idiom: Der Poldi!

Podolski spielt gar keine schlechte Saison, wenn man mal bedenkt wer ihm alles zu Seite gestellt wurde. Dennoch ist es so, dass man ihm schon in den ersten Minuten anmerkt ob er „Bock“ auf Fußball hat, oder eben nicht. Er kann an guten Tagen begeistern, berauschen, verzaubern, keine Frage. Genauso kann er aber auch an miesen Tagen die ganze Mannschaft mit in den Abgrund ziehen. Viertel vor Vier wissen wir mehr.

Im Sturmzentrum steht Novacovic. Ja. So in etwa. Er steht halt da. Mehr braucht es manchmal nicht, viel mehr kommt aber auch nicht. Er braucht halt mal was Verwertbares.

Was bleibt denn nun für Samstag? Auf dem Papier ‘ne klare Sache für Euch, doch es gab schon größere Sensationen in der Geschichte. Falls der FC es schafft in den ersten Minuten Müngersdorf wieder ins Boot zu holen, falls die Mannschaft den Kampf annimmt und einsieht, dass sie nur mit höchster körperlicher Disziplin eine Chance gegen die Bayern haben wird, falls Poldi und Rensing einen Sahnetag erleben…es ist wie immer: Das Spiel muss erst gespielt werden.

Für diejenigen, die nach Köln reisen noch ein kleiner Tipp: Am Samstag 14:00 Uhr spielt die Fortuna (mittlerweile NRW-Liga) gegen RW Essen. Hafenstraße, you know. Da braut sich was zusammen. Ich würde die Altstadt an diesem Samstag Abend meiden, ebenso die Gebiete rund um den Chlodwigplatz. Dennoch viel Spaß in Köln auch wenn ich hoffe, dass die drei Punkte überraschenderweise am Rhein bleiben.

Ciao Mark

Dienstag, den 25. Januar 2011

Werner Olk
Franz Beckenbauer
Sepp Maier
Gerd Müller
Hans-Georg Schwarzenbeck
Paul Breitner
Karl-Heinz Rummenigge
Klaus Augenthaler
Raimond Aumann
Lothar Matthäus
Thomas Helmer
Stefan Effenberg
Oliver Kahn
Mark van Bommel

Ciao, Mark. Du warst und bist ein Guter, einer, der gut in obige Reihe passte. Vielen Dank für die tolle Zeit und: viel Glück im neuen Job.

Toni Kroos guckt in drei Dimensionen (Update: Wie es auch ohne Brille geht)

Montag, den 17. Januar 2011

Einfallslose Überschrift, zugegeben. Nichts desto trotz zutreffend und eine gute Gelegenheit, im Blog ein Foto des Vorgangs einzubinden (s.u.). Aber nicht nur Toni Kroos guckt(e) in der Allianz Arena am Sonntag Abend dreidimensionalen Fußball (wie sonst vermutlich auch, hier allerdings mal mittels eines Fernsehgeräts), sondern auf Einladung der Deutschen Telekom auch der Blogautor — und quer durch die Republik noch diverse andere Fußballblogger. Möchte dem, was ich zum Gesehenen schon auf Twitter sagte, kaum was hinzufügen (Zusammenfassung: Fußball am TV in 3D gucken ist ganz nett, aber sicher kein Muss), höchstens vielleicht noch ein paar Links:

- Offizielle Pressemitteilung (der Telekom) zum Geschehen
- “3-D ist ein großer Fake!” (sagt Steffen Simon der Berliner Zeitung)
- “Schön waren die Bilder schon, aber mich persönlich haben sie nicht überzeugt“, meint der Frittenmeister
- “Wenn man HD gewohnt ist, ist 3D trotz Vorsprung gegenüber SD ein Rückschritt“, urteilt RealityCheck
- “Ich hatte im Vorfeld befürchtet, dass die eigens produzierte 3D-Übertragung des Spiels mit effektheischerischen Einstellungen protzt. Meine Befürchtungen wurden überboten“, schreibt dogfood in einem Artikel in der für ihn üblichen Kürze
- “Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich war enttäuscht. Nicht so sehr von der Technik – die hielt was sie versprach. (…) Meine Enttäuschung liegt eher in der Erfahrung“, sagt Robert
- “Ob die Telekom recht hat, wenn sie sich überzeugt gibt, dass das Thema ein großes sei, werden wir sehen“, orakelt heinzkamke
- “Mich persönlich hat die 3D-Übertragung der Fußball-Bundesliga nicht direkt aus den Socken gehauen, so dass ein spontanter Kaufimpuls “haben will” vorherrschte. Ganz anders der Unterschied bei den Übertragungen in SD- und in HD-Qualität“, kommt Pottblogger Jens zu einem ähnlichen Fazit wie ich
- “Aber egal, ob Schwarz-Weiß oder Farbe, ob Röhre oder Flachbild, ob 2 oder 3D – kann alles nicht gegen einen schönen Stadionbesuch anstinken” — echtes 3D ist unschlagbar, findet Klaas

Toni Kroos (links) guckt 3D-TV (Foto: Alexandra Beier/Deutsche Telekom AG)
Foto (leider nur in 2D): Alexandra Beier/DTAG — Kroos ist der junge Mann ganz vorne links, der Blogautor ist der kaum zu erkennende ältere Herr im hinteren Hintergrund rechts, dazwischen sitzt ein Journalist von ZDNet.de

Nachtrag
Schöner Zufall: am Tag nach meinem Selbstversuch mit 3D-TV-Bildern finde ich ein Video bei dem François Vogel den Prototypen einer Erfindung vorstellt, die einige Nachteile der bisherigen Lösungen (3D nur über eine Zusatz-Brille sichtbar, dunkleres Bild als gewohnt) vermeidet:

So könnte ich mir das auch sehr gut vorstellen, 3D-Fan zu werden. Danke, Jonathan Post.

Selbst der Himmel war ein Roter

Montag, den 1. März 2010

Hole in the sky IIIFoto: Hole in the sky III

Schön war’s.

Dogfood fragt, elf Freunde* antworten

Freitag, den 15. Januar 2010

Heute Abend geht die Bundesliga wieder los. Zum Rückrundenstart gibt es ein mit meiner Wenigkeit (und anderen, s.u.) geführtes Interview über den FC Bayern.

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Dogfood: Wie hat sich eigentlich die Hinrunde aus Bayern-Sicht angefühlt? War das (über weite Strecken) mehr eigenes Versagen oder stärker gewordene Konkurrenz?

Probek: Die Tendenz ist dein Freund, sagte einst ein bekannter Fußballphilosoph – und so gesehen hat die Hinrunde letztlich ein gutes Gefühl hinterlassen. Dass die Konkurrenz stärker wird, sollte angesichts des nominell – wie immer – stärksten Kaders auf Seiten der Bayern zumindest in der Bundesliga kompensierbar sein. Die nationale Konkurrenz darf und soll auch gerne mal stärker werden, vor allem im internationalem Auftreten. In der Bundesliga können die Bayern sich in der Regel ja eher selbst schlagen. Was sie zuletzt und saisonübergreifend leider öfters taten. Aber da sind wir auf dem Weg zur Besserung. Ich hab’ ein gutes Gefühl*.

*vgl. http://twitter.com/probek/status/7592469296

 

Dogfood: Die Bayern-Hinrunde war stellenweise wackelig, von Verunsicherung geprägt, aber in den letzten vier Bundesligaspielen fuhr man vier Siege ein (15:4 Tore), dazu der Sieg bei Juve. Auf der anderen Seite könnte man einwenden, dass die vier Bundesligisten ausnahmslos der unteren Tabellenhälfte angehörten und auch Juventus – na ja… was hat die Winterpause den Bayern gebracht?

Probek: Rein faktisch: die Unterbrechung des Laufs, egal für wie stark man die letzten Gegner hält. Die Erkenntnis, dass es kaum eine Verletzung gibt, die Ribéry nicht vom Fußballspielen abhalten kann. Und keine Aufklärung darüber, ob Nerlinger vernünftige Einkaufspolitik machen kann. Verkaufen bzw. verleihen kann er aber offenbar.

Max (GNetzer): Die “Aufholjagd” der Bayern zum Ende der Rückrunde hatte für mich einen interessanten Aspekt: Sowohl van Gaal, van Bommel als auch Nerlinger und Hoeneß haben als den entscheidenden Faktor für den Umschwung die positive Stimmung auf der Jahreshauptversammlung genannt (an dieser Stelle kann auch K.H. Rummenigge beruhigt aufatmen – sein “Gedicht” hat keinen tieferen Schaden angerichtet – vermutlich hat niemand zugehört…). Das ist eine Eigenart des modernen Fußballs: Eine Einrichtung, die ursprünglich rein juristisch/ökonomisch ausgelegt ist, kann einen Verein wesentlich in seinem Saisonverlauf beeinflussen. Die Fans sind sich sicher: Hier werden wir gehört, genug Medien sind meist (außer in Hamburg…) vor Ort und berichten über jeden kleinen Tumult. Umgekehrt kann es auch zu einem Schulterschluss zwischen Mannschaft und Mitgliedern kommen. Wundert mich, dass das “Phänomen JHV” noch von niemandem journalistisch bearbeitet wurde.

Probek: Ich würde die Macht der Mitgliederversammlung aber auch nicht überhöhen, es kam auch noch exzellentes Timing und Glück dazu. Denn die Versammlung hätte auch noch harmonischer verlaufen können – an van Gaals Stuhl hätte der Boulevard dennoch ordentlich gesägt, wenn er in der Vorrunde der Champions League ausgeschieden wäre. So konnte man ihm, rein von den Spielergebnissen, kaum noch ans Bein pinkeln. Aber die nächste (Ergebnis-)Krise wird irgendwann kommen, vermute ich – und damit auch das nächste In-Frage-Stellen des Trainers.

 

Dogfood: Ist bei van Gaal die Zeit des Experimentierens endgültig vorbei oder gibt es noch das Risiko dass er wieder mit Aufstellungen und Taktiken spielt und dadurch etliche Spiele wegschmeißt wie in der Hinrunde?

Probek: Die Reduzierung des Kaders spricht ja eher dafür, dass van Gaal jetzt seine Mannschaft gefunden hat. Oder meint, gefunden zu haben. Allerdings glaube ich nicht, dass der Prozess schon abgeschlossen ist: es werden schon noch Spiele kommen, die für Außenstehende abstruse Aufstellungen sowie unverständliche Ein- und Auswechslungen bereit halten und die Nerven auch der eigenen Fans aufs Äußerste strapazieren.

Catenaccio: Mich würde mal interessieren, wie stark der Druck von Außen auf van Gaal war, dass er mit den Experimenten aufhörte? Meiner Meinung war der Medien- und Vorstandsdruck sicherlich nicht ganz unerheblich.

Probek: Hat er mit den Experimenten aufgehört? Sicher? Da der Druck immer da ist, wenn die Bayern nicht auf dem ersten Tabellenplatz stehen (manchmal sogar, wenn), kann und sollte das eigentlich kein Faktor sein. Ich glaube auch nicht, dass van Gaal sich von dem Rumoren allzu sehr hat beeindrucken lassen. Zumindest hoffe ich das. Er ist ja auch nicht unbedingt als harmoniesüchtig bekannt, der soll mal schön sein eigenes Ding durchziehen. Ein wenig Glück (siehe den vorletzen CL-Spieltag und die Schützenhilfe durch Bordeaux, s.o.) gehört aber auch dazu, sonst sähe es jetzt vielleicht ganz anders aus.

Die Bayern haben aber nach der Wundertüte Klinsmann einen gestandenen Trainer mit einer bekannten Spielphilosophie haben wollen: jetzt müssen sie den auch mal machen lassen. Selbst wenn der Vorstand und das Management es gewohnt waren, ins Sportliche reinzureden.

Was mich eher erstaunt: dass sogar die Vereinsführung verunsichert war, ob die eigenen Mitglieder bereit sind, die Mannschaft und den Trainer auch in vermeindlich schwereren Zeiten zu unterstützen. Dass die nach eigener Aussage Bammel vor der Hauptversammlung hatten, weil es sportlich gerade mal nicht 100-prozentig lief, finde ich eher bedenklich. Als ob nicht allen bewusst wäre, dass man im selben Boot sitzt. Es waren mitnichten die einfachen Vereinsmitglieder, die im Verein für Unruhe sorgten. Das hat der Vorstand in den letzten Jahren schon ganz gut selbst geschafft.

Dogfood: Ich glaube eher dass van Gaal durch Verletzungen und schmaler werdenden Kader zu seinem Glück gezwungen wurde (Gomez) und sich dadurch ein Nukleus hat stabilisieren können – daher die Frage ob van Gaal durch einen vollen, gesunden Kader wieder anfängt ein paar Wochen lang Mad Scientist zu spielen.

Was den Druck angeht: ich bin gespannt ob einer der “Dreierbande” Hoeneß, Rummenigge und Beckenbauers Ghostwriter durch die Personalverschiebungen (Beckenbauer raus, Hoeneß ins Präsidium) leiser wird oder ob mit Nerlinger nun noch ein vierter Lautsprecher wächst – kann man bei Bayern Nerlingers Job machen, ohne dass man langfristig zum Lautsprecher wird?

Probek: Freiwillig oder unfreiwillig, warum auch immer: es läuft jetzt sicher besser als am Anfang der Saison. Mir wäre ja eine Erklärung, die auf einen gewollten Eingriff des Trainers und einen großen Plan im Hintergrund rückschließen lässt, lieber – aber: sei’s drum. Ob der letzte Lauf aber ausgerechnet dem Wechsel Gomez für Toni zuzuschreiben ist, wage ich zu bezweifeln. Nichts gegen Gomez, aber die Tore, die er dann gemacht hat, hätte ich auch Toni zugetraut. Und mal Klartext: bevor Gomez auch nur ansatzweise das Standing und die Klasse Tonis erreichen kann, muss er noch einiges dazulernen. Auch wenn er mit Sicherheit das Talent dazu hat, ein noch besserer Stürmer als der Italiener zu werden.

Die Tendenz van Gaals zum Mad Scientist wird ansonsten schon dadurch eingebremst, dass der Kader verkleinert wurde. Abgesehen davon, dass ich ihn so mad gar nicht fand.

 

Dogfood: Ist Bayern immer noch Gefangener der Launen und Gesundheit vor allem von Ribéry? Wird dies Ribérys letzte Saison sein?

Probek: Nein, diese Saison ist man nicht mehr ausschließlich von Ribéry abhängig, sondern von Ribéry und Robben. Ein Riesen-Fortschritt, zumal beide ja zuverlässig spielen.

Im Ernst: auf dem bisherigen Niveau braucht man nicht unbedingt Spieler dieser Güteklasse. Ribéry und Robben sind Solisten, die in der Endphase der Champions League die Spiele entscheiden können. Allerdings stimmt die sehr, sehr ordentliche Leistung gegen Juventus zuversichtlich, dass man nicht mehr so abhängig von den Launen eines einzelnen Weltklasse-Spielers ist. Zugegeben: in den Finalspielen der Champions League hätte ich beide aber schon gerne dabei. Und sei es nur als Joker.

Ob dies Ribérys letzte Saison bei den Bayern ist? Ich wüsste ehrlicherweise kaum etwas, was dafür spricht, dass er bleibt. Also ja. Bis dahin macht er aber für Bayern noch sieben Spiele in der Champions League.

 

Dogfood: Hat sich das bereits nach einer “Nerlinger-Winterpause” angefühlt? Momentan macht das Gerücht die Runde, das HSVs Jerome Boateng im Sommer zu den Bayern wechseln könnte. Passt er in das Beute-Schema der Bayern und Nerlingers und würde seine Verpflichtung nicht nur dann Sinn machen, wenn der Vertrag mit van Buyten nicht verlängert wird?

Probek: Eine Nerlinger-Winterpause? Glücklich die, die in diesen paar Monaten schon seine Handschrift erkennen können, ich kann da noch nichts typisch Nerlingerisches erkennen. Gemach, gemach.

Da van Buyten gerüchteweise nur deswegen gehalten wurde, damit die kleine Diva bei Launen bleibt, könnte der bevorstehende Abgang von Ribéry auch das Ende van Buytens bei Bayern einläuten. Was dagegen spricht: van Buytens Leistungen der letzten Monate, die ich kaum noch erwartet oder erhofft hatte.

Ob das alles aber nun Indizien für oder gegen eine Verpflichtung Boatengs sind, wage ich nicht zu beurteilen. Traditionell kaufen die Bayern eher fertige Spieler. Da sie aber mit van Gaal einen Trainer haben, der mit jungen, noch formbaren Spielern die größten Erfolge hatte, spricht das auf der anderen Seite für eine Verpflichtung Boatengs oder anderer, vielversprechender Talente. An dieser Stelle mal ein Gruß nach Bremen, so nebenbei.

 

Probek: Möchtest du abschließend noch was sagen?

Probek: Ja. Ciao, Luca! Viel Glück und Erfolg in Rom und: danke.

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Hintergrund
Eine spontane Idee des Blog-Großmeisters Dogfood hat in nur 48 Stunden den im Kollektiv geschriebenen, meiner bescheidenen Meinung nach sehr, sehr ordentlichen Halbsaisonvorschaummeisterschaftsausblickabstiegskampftext “Der Rückrunden-Vorschauer” entstehen lassen ((Diese Entstehung des Textes lässt sich übrigens sehr schön auf Etherpad verfolgen)), dessen Passage zum FC Bayern hier dokumentiert wird und der bei Dogfood als achtteilige Serie erschienen ist: Und so allgemein … (1), Tief da unten (2), Die, die schon streng riechen (3), Die mit dem Rückspiegel (4), Die, wo Ambition > Platzierung (5), Die, die aus dem Hinterhalt … (6), Die, die wollen würden … (7) und Die da oben (8).

Als Teilnehmer sei gesagt: es war mir eine Ehre. Allen Beteiligten danke ich, allen voran dem Initiator, aber auch Catenaccio, Enno, Heinzkamke, Kurtspaeter, GNetzer, Medispolis, Milhouse, Nick und Stefan.

*ob wir wirklich elf Freunde sind, weiß ich ehrlicherweise nicht. Elf sind wir aber auf jeden Fall.

Konjunktivitis

Sonntag, den 24. Mai 2009

Ich hätte die Mannschaft zur Meisterschaft führen können.
Jürgen Klinsmann (Quelle)

Bundesliga-Spiele mit Klinsmann als Trainer: 29
Dabei geholte Punkte: 54
Punkte/Spiel: 1,86

Bundesliga-Spiele mit Heynckes als Trainer: 5
Dabei geholte Punkte: 13
Punkte/Spiel: 2,6

Hätte Klinsmann seinen Punkteschnitt gehalten, wären die Bayern am Ende der Saison auf 63 Punkte gekommen – und punktgleich mit der Hertha Vierter geworden. Hätte Heynckes die ganze Saison bestritten (und dabei den gleichen Punkteschnitt wie bei den letzten fünf Spielen gehabt), hätten die Bayern 88 Punkte erreicht, 19 Punkte mehr, als Wolfsburg jetzt zur Meisterschaft reichen.

(Angeregt von Breitnigge.de und der Südtribüne)

Frustfaul

Sonntag, den 1. März 2009

Mein aktuelles Frustrationsniveau anläßlich des letzten Bundesliga-Spiels des FC Bayern München passt nicht mehr in 140 Zeichen, daher lade ich meine Gedanken zur Bremer Nullnummer mal hier ab. Auch wenn es – vor allem in der ersten Halbzeit – ein sehr unterhaltsames Spiel war, so frustrierend war wieder einmal der Spielverlauf. Déjà vu: in der Rückrunde bekommen die Bayern ob der ebenfalls schwächelnden Konkurrenz wieder und wieder die Chance, an die Bundesliga-Spitze aufzuschließen, versemmeln aber Spieltag um Spieltag die Matchbälle. Und nicht immer sind nur die Schiedsrichter Schuld.

Denn den Bayern fehlte heute mal wieder so einiges, um als Sieger vom Platz zu gehen: Glück (erste Halbzeit), gute Torchancen (zweite Halbzeit), taktische Raffinesse, Schnelligkeit (auch im Denken), Alternativen auf der Auswechselbank, Leidenschaft. Und hätte Pizarro seine hundertprozentige Torchance in der 72. Minute auch noch reingemacht, hätten die Bayern sich selbst über eine Niederlage nicht beschweren dürfen. So bleibt nur die Erkenntnis, dass der FC Bayern jetzt hinter Wolfsburg auf Platz Fünf (!) der Tabelle zurückgefallen ist und allmählich anfangen muss, den Worten (“wir werden eh Meister”) mal Taten folgen zu lassen.

An die Meisterschaft glaube ich nach den Auftritten der Bayern in der Rückrunde eigentlich nicht mehr, auch wenn es weiter nur vier Punkte sind, die die Bayern hinter der Tabellenspitze liegen. Aber mit so wenig Leidenschaft wird’s nichts aus der Tabellenführung, geschweige denn aus dem 22. Meistertitel.

Wobei ich dazu sagen muss, dass mir eine weitere Meisterschaft der Bayern auch nicht so wichtig ist. Wichtiger ist mir am Ende der Bundesliga-Saison eine Platzierung, die die Teilnahme an der Champions League erlaubt und der Aufbau einer Mannschaft, die dort auch konstant was reißen kann. Ich sehe es mal positiv: für ersteres habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben und letzteres ist selbst in dieser Saison immer noch möglich. Auch wenn man für beide Ziele zur Zeit eher ein ziemlicher Optimist sein muss.

Klinsmanns neue Kleider*

Sonntag, den 5. Oktober 2008

Elf Spiele gab es bisher für den FC Bayern in dieser Saison. Zu wenige, um die Arbeit des neuen Trainers detailliert zu beurteilen. Hundert Tage Schonfrist sind für neue Amtsinhaber üblich, danach sollte man ein fundierteres Urteil abgeben können. Die 100 Tage Klinsmanns sind am 18. November 2008 vorbei, wie ich kürzlich schrieb.

Oder man rechnet anders. Ab Amtsantritt, zum Beispiel. Dann wären die hundert Tage am 9. Oktober 2008 vorbei. Da bis Donnerstag kein weiteres Bayernspiel anliegt, kann ich also genauso gut jetzt schon mal räsonieren.

Klinsmann hat im Verein eine Aufbruchstimmung erzeugt, er hat fast alles neu machen wollen – und auch neu gemacht (Trainingsteam, Trainingsmethoden und -umgebung, Taktik, Mannschaftsaufstellung, Rotation usw.). Was hat er bis jetzt mit einem (im Vergleich zur Vorsaison) praktisch identischen Kader erreicht?

Zwei überzeugende Spiele in der Bundesliga (gegen Berlin und Köln), zwei mittelprächtige (gegen Hamburg und Dortmund) und drei katastrophale Spiele (gegen Bremen, Hannover und Bochum). Ergibt für den FC Bayern in der Bundesliga den schlechtesten Saisonstart seit Menschengedenken und elf Gegentore in vier Heimspielen. Das nenne ich blamabel.

Im DFB-Pokal gab es einen glücklichen Sieg gegen einen Drittligisten und einen glanzloser Sieg gegen einen Zweitligisten. In der Champions League gab es zum Auftakt einen glücklichen Auswärtssieg und ein gerechtes Unentschieden im ersten Heimspiel. Das nenne ich durchwachsen.

Soweit die sportliche Bilanz der ersten hundert Tage von Jürgen Klinsmann. Die nenne ich beschissen.

Außerdem gibt es alles andere als eine eingespielte Mannschaft, merkwürdige Aufstellungen und Auswechslungen, die (unverständliche und sportlich fatale) Demontage des Mannschaftskapitäns, einen Auszubildenden im Tor, einen Auszubildenden auf der Trainerbank, eine katastrophale Abwehr, fehlende Kreativität im Mittelfeld, Stürmer, die nicht treffen und ein skeptisches, zum Teil offen negatives Umfeld.

Vielleicht sollte ich mit der ersten Bilanz doch bis zum 18. November warten.

*Nachträge — eine Blogschau
Was schreiben die anderen? Zechbauer bewahrt die Ruhe, Yalcin bekommt vor Ärger nicht mehr als vier Sätze zusammen, Paule bittet um Geduld und sieht eine Kampagne am Werk, Elmarinho findet alles nicht so schlimm, Surfguard ist schlecht, aus einem Entwicklungsland meldet sich Philipp und prophezeit ein Scheitern Klinsmanns — und der Bayerntrainer selbst hofft, dass “so etwas nicht mehr vorkommt“. Meine Lieblingserklärung des Schlamassels kommt aber von jackylourdes.

Logisch, oder?

Donnerstag, den 2. Oktober 2008

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass bei ausnahmslos jeder Niederlage des FC Bayern in den den letzten fünf, ach was, fünfzehn Jahren, die Russenmafia ihre Hand im Spiel hatte. Wie sonst ließen sich Spiele wie gegen Hannover, Bremen, Zenit, Milan und Vestenbergsgreuth erklären? Das ging doch niemals mit rechten Dingen zu!!!

Immer noch sprachlos

Sonntag, den 28. September 2008

Der Blogbeitrag zum Fehlstart der Bayern in der Bundesliga, zu Klinsmann, Rensing, Lell und so … muss warten bis Mittwoch nach dem Champions League-Spiel gegen Lyon.

Im Grünwalder

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