Lieblingsbegriff des Tages (aktualisiert und mit Blogschau)

schlimmster intriganter unfairer Boulevardjournalismus
Harald Landwehr über Raimund Hinko und die Sportbild

Der FC Bayern gibt online (und leider kommentarlos) einen geharnischten Leserbrief an die Sportbild wieder — und die Sportbild keift zurück (oder umgekehrt). Offenbar möchte Klinsmann eben jenen Raimund Hinko (und andere Mitarbeiter der Sportbild) nicht mehr sehen, weil die Zeitschrift “ihn seit Wochen hart angehe” (so die Begründung des Boykotts lt. Sportbild). Sachen gibt’s.

Nachträge und Blogschau (aktualisiert)
Herr Steudel von der Sportbild recherchiert Herrn Landwehr hinterher (die Sportbild feuert nun eh aus allen Kanälen gegen Klinsmann, eine aktuelle Auflistung gibt’s bei dogfood), dogfood sieht auch genau hin und entdeckt, wer den Schweinsteiger-Vertrag an Sportbild geschickt hat, Reality Check listet noch mal auf, was Bild und Sportbild so alles über die Bayern geschrieben haben, nolookpass weist auf einen Artikel aus dem Weltmeisterschaftsjahr über die Historie des Konflikts hin (via), Paule erkennt in Harald Landwehr einen Retter des Sportjournalismus — und der FC Bayern zwingt den Axel-Springer-Verlag zu einer Unterlassungserklärung (PDF der Pressemitteilung) schafft es aber (noch) nicht, die ordentlich online zu stellen. und freut sich über Paules Applaus. Zitat:

Exemplarisch sei hier ein Auszug eines Users im Blog „Breitnigge.de“ genannt.

Holla! Hat es schon mal ein anderer Fußballblogger geschafft, auf der Website des angebeteten Vereins zitiert zu werden? Da kann Paule ggf. auch verschmerzen, dass er als Schreiber des eigenen Blogs holprig als “User” bezeichnet wird. Verlinken wäre natürlich auch toll, selbst wenn ich mir dann Sorgen um seinen Server gemacht hätte. Lieber FC Bayern: Blogs sind keine Foren, aber das lernt ihr sicher auch noch.

Anbei auch der Wortlaut der kurzen Pressemitteilung der Bayern:

SportBild unterwirft sich Forderung des FC Bayern
Wegen der äußerst rüden und rücksichtslosen, allein auf Profit zielenden Verletzung unserer Rechte durch eine Veröffentlichung in „SportBild“ (Titel-Thema: „Der Vertrag von Schweini!“) hatten unsere Anwälte von der Axel Springer AG gestern als erstes die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung gefordert. Die Axel Springer AG hat sich dieser Forderung unterworfen und heute, wie verlangt, eine umfassende Unterlassungserklärung abgegeben.
FC Bayern München AG

Klinsmanns neue Kleider*

Elf Spiele gab es bisher für den FC Bayern in dieser Saison. Zu wenige, um die Arbeit des neuen Trainers detailliert zu beurteilen. Hundert Tage Schonfrist sind für neue Amtsinhaber üblich, danach sollte man ein fundierteres Urteil abgeben können. Die 100 Tage Klinsmanns sind am 18. November 2008 vorbei, wie ich kürzlich schrieb.

Oder man rechnet anders. Ab Amtsantritt, zum Beispiel. Dann wären die hundert Tage am 9. Oktober 2008 vorbei. Da bis Donnerstag kein weiteres Bayernspiel anliegt, kann ich also genauso gut jetzt schon mal räsonieren.

Klinsmann hat im Verein eine Aufbruchstimmung erzeugt, er hat fast alles neu machen wollen – und auch neu gemacht (Trainingsteam, Trainingsmethoden und -umgebung, Taktik, Mannschaftsaufstellung, Rotation usw.). Was hat er bis jetzt mit einem (im Vergleich zur Vorsaison) praktisch identischen Kader erreicht?

Zwei überzeugende Spiele in der Bundesliga (gegen Berlin und Köln), zwei mittelprächtige (gegen Hamburg und Dortmund) und drei katastrophale Spiele (gegen Bremen, Hannover und Bochum). Ergibt für den FC Bayern in der Bundesliga den schlechtesten Saisonstart seit Menschengedenken und elf Gegentore in vier Heimspielen. Das nenne ich blamabel.

Im DFB-Pokal gab es einen glücklichen Sieg gegen einen Drittligisten und einen glanzloser Sieg gegen einen Zweitligisten. In der Champions League gab es zum Auftakt einen glücklichen Auswärtssieg und ein gerechtes Unentschieden im ersten Heimspiel. Das nenne ich durchwachsen.

Soweit die sportliche Bilanz der ersten hundert Tage von Jürgen Klinsmann. Die nenne ich beschissen.

Außerdem gibt es alles andere als eine eingespielte Mannschaft, merkwürdige Aufstellungen und Auswechslungen, die (unverständliche und sportlich fatale) Demontage des Mannschaftskapitäns, einen Auszubildenden im Tor, einen Auszubildenden auf der Trainerbank, eine katastrophale Abwehr, fehlende Kreativität im Mittelfeld, Stürmer, die nicht treffen und ein skeptisches, zum Teil offen negatives Umfeld.

Vielleicht sollte ich mit der ersten Bilanz doch bis zum 18. November warten.

*Nachträge — eine Blogschau
Was schreiben die anderen? Zechbauer bewahrt die Ruhe, Yalcin bekommt vor Ärger nicht mehr als vier Sätze zusammen, Paule bittet um Geduld und sieht eine Kampagne am Werk, Elmarinho findet alles nicht so schlimm, Surfguard ist schlecht, aus einem Entwicklungsland meldet sich Philipp und prophezeit ein Scheitern Klinsmanns — und der Bayerntrainer selbst hofft, dass “so etwas nicht mehr vorkommt“. Meine Lieblingserklärung des Schlamassels kommt aber von jackylourdes.

Logisch, oder?

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass bei ausnahmslos jeder Niederlage des FC Bayern in den den letzten fünf, ach was, fünfzehn Jahren, die Russenmafia ihre Hand im Spiel hatte. Wie sonst ließen sich Spiele wie gegen Hannover, Bremen, Zenit, Milan und Vestenbergsgreuth erklären? Das ging doch niemals mit rechten Dingen zu!!!

Den Crash vermieden

Gedanken zum FC Bayern nach dem Spiel gegen Lyon

Nach zwei Niederlagen in den letzten drei Spielen ist ein Unentschieden immerhin ein leichter Aufwärtstrend; Befreiungsschläge sehen aber anders aus. Chancen für ein 2:1 hat es zwar gegeben, das 1:1 ist dennoch leistungsgerecht.

Das Unentschieden gegen Olympique Lyon spiegelt somit ganz gut den derzeitigen Zustand der Mannschaft wieder: man weiß nicht so genau, wo man steht, alles ist im Umbruch, zum Teil unnötigerweise – und man schlägt sich im Zweifel selbst.

Dass die personifizierte Torungefahr das Tor zum Ausgleich macht, ist aber eine schöne Pointe. Allerdings: wenn Zé Roberto in seiner Karriere auch noch Tore am Fließband geschossen hätte, spielte er längst nicht mehr für den FC Bayern und wäre einer der besten Spieler der Welt.

So kann man einen Kapitän auch demontieren: indem man ihn einfach nicht spielen lässt. Unnötigerweise, schlechter als Demichelis hätte Mark van Bommel kaum spielen können.

Überhaupt: selten habe ich jemand so um eine Auswechslung betteln sehen wie Demichelis – ohne dass er erhört wurde. Dafür hätte beinahe Lucio Gelb für eine Attacke auf den eigenen Mann gesehen, als er den Argentinier energisch darauf hinwies, doch etwas weniger lethargisch aufzutreten.

Auch deswegen ist es mir ein Rätsel, warum Klinsmann nicht zur Pause oder spätestens ab der 60. Minute van Bommel für Demichelis brachte. Demichelis hatte unter Hitzfeld schon einmal abseits des Platzes Arbeitsverweigerung betrieben, als er im Mittelfeld statt in der Innenverteidigung spielen sollte. Diesmal hat er auf dem Platz die Arbeit verweigert. Und das alles, obwohl mit van Bommel ein gelernter defensiver Mittelfeldspieler auf der Bank saß.

Wieviele Freistöße und Ecken darf Bastian Schweinsteiger noch schießen, bevor es jemand macht, der das kann? Ich kann es nicht mehr ansehen, es ist einfach grausam. Dabei ist mit Massimo Oddo doch jemand im Kader, der dieses Handwerk beherrscht. Jeden Spieler jeden Tag besser machen – das Klinsmannsche Credo gilt offenbar nicht für Bastian Schweinsteiger. Und bis jetzt – leider – auch für keinen anderen Spieler.

Luca Toni könnte mal wieder ein Tor machen. Die Dinger, die er zur Zeit versiebt, hat er letzte Saison alle gemacht. Aber immer wieder eindrucksvoll, wie er Freistöße rausholt. So schön lässt sich kein anderer Spieler foulen.

So, das soll für heute reichen. Der angekündigte Blogbeitrag über Klinsmann …

… folgt spätestens am 18. November 2008. Dann sind 100 Tage seit dem ersten Pflichtspiel Klinsmanns vergangen, die Schonfrist gönne ich mir und ihm. Immer vorausgesetzt, er ist dann noch im Amt.

Nachtrag
Ein Foto vom Spiel — klicken macht’s übrigens groß.

FCB vs. Olympique Lyon, panorama shot (with a little help from autostitch.net)

Weitere Fotos vom Spiel, wie üblich, auf Flickr.

Nachtrag II
Sehr lesenswert: surfguard über die Idee, Demichelis statt van Bommel im Mittelfeld spielen zu lassen.

Immer noch sprachlos

Der Blogbeitrag zum Fehlstart der Bayern in der Bundesliga, zu Klinsmann, Rensing, Lell und so … muss warten bis Mittwoch nach dem Champions League-Spiel gegen Lyon.

Im Grünwalder

Mehr Bilder, auch bewegte, nach dem Klick:

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Es nervt*

Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen gegen unterklassige Gegner. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte auch mal gegen ernstzunehmende Mannschaften treffen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, z.B. Kombinationssicherheit. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, auch das Verständnis für die Mitspieler sollte da sein. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, auch die Laufwege sollten zu den Kollegen passen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er kann z.B. auch seinen Mitspielern Räume frei sperren. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte auch ein guter Vorlagengeber sein. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, Präzision beim Torschuss wäre auch nicht schlecht. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte bei seiner Einwechslung das Spiel auch mal beleben können. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er muss auch den Mund halten können. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte nicht glauben, nur weil er in der Provinz der Prinz war, in der Großstadt der König zu sein. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte auch von besseren Mitspielern und Gegnern lernen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, es sollte auch erkennbar sein, dass er lernwillig ist. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte sich stetig verbessern, und das sollte sich auch zeigen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen und das Halten des Status quo. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen.

Aus der Serie: 99 Gründe, warum beim FC Bayern Klose statt Podolski in der Startaufstellung steht. Wie schon gesagt. Das alles gilt selbstverständlich nur für deutsche Stürmer beim FC Bayern.

*1-2-3, ha ha ha. Wer zuletzt lacht. (Nachtrag, 10.9.)

Nebenbei versaut er auch noch Guido Schröter die Pointe. Gut so. (Nachtrag, 14.9.)

Druckausgleich

Ich spür’ überhaupt keinen Druck mehr vor lauter Druck.
Oliver Kahn

Die Geschmackspolizei urteilt:

Cool
The Hidden Cameras
Sportfreunde Stiller

Im Mittelfeld
Willy Astor

Uncool
Paul Potts
Die Prinzen

Trotzdem: Alles Gute auf deinem weiteren Weg, Olli! Ich vermisse dich jetzt schon.

“Das Spiel an sich wird zerstört” [Update]

Hat es die Wettmafia geschafft, auch Weltmeisterschaftsspiele zu verschieben? Das Sommermärchen – eine Fassade, hinter der Lug und Betrug lauern? Heute Abend tritt der kanadische Journalist Declan Hill, der Belege für Wettbetrug im Fußball gefunden haben will, bei Beckmann auf (ARD, 22:45 Uhr, Sendung wird aber auch wiederholt). Ich bin gespannt. Vorab noch zwei weitere Linktipps: Jens Weinreich über den Enthüllungsjournalisten und ein Interview mit dem Autor auf 11Freunde.de.

Aus dem Interview Hills mit den elf Freunden kommt auch mein heutiges Lieblingszitat:

Was wir momentan erleben – organisiertes Spielverschieben – hat denselben Effekt, den das illegale Downloaden von Songs auf die Musikindustrie hat. Das Spiel an sich wird zerstört.

Falls das kein Übersetzungsfehler sein sollte: selten so gelacht. Das Spiel an sich wird zerstört? Das Schicksal der Musikindustrie soll also ein Menetekel dafür sein, was dem Fußball droht? Na, wenn’s weiter nichts ist. Denn für die Musikbranche empfinde ich – mit Verlaub – recht wenig Mitleid, wenn deren Geschäftsmodell wegbricht. Pech gehabt. Musik, Musiker und Musikliebhaber gibt’s immer noch (und wird es immer geben), dank der Digitalisierung hat sich allein der Vertriebsweg des konservierten Produkts zwischen Produzent und Konsument gewaltig geändert. Und wenn die BertelsMittelsmänner nicht mehr so viel daran verdienen, dann geht die Welt auch nicht unter.

Zurück zum Fußball.

Update (nach Ansicht von ‘Beckmann’)
Kauft mein Buch, kauft mein Buch, kauft mein Buch. Es ist ganz furchtbar, ganz, ganz furchtbar, man muss unbedingt was gegen die Wettmafia tun. Indizien liefere ich schon morgen nach, guckt auf meine Website. Nein, Beweise habe ich oder zeige ich leider nicht, nicht jetzt, erst, wenn mein Leben oder das meiner Familie noch weiter gefährdet ist. Ja, ich frage mich auch, warum der Wettbetrüger ausgerechnet mir das alles erzählt hat.

Habe ich was vergessen? So ungefähr lässt sich jedenfalls Hills Auftritt bei Beckmann zusammen fassen – und ähnlich sieht es auch Jan in den Kommentaren, Spiegel Online und die Rheinische Post. Ich glaube gerne, dass auch Wettbetrug ein echtes Problem im Profisport ist, nur: mit Behauptungen, die sich nicht oder nur schwer beweisen lassen, wird man das Übel nicht los. So überwiegt der Eindruck, dass es Hill vor allem um den Verkauf seines Buches geht.

Der dankbare Gegner

München, immer eine Reise wert.

29.10.1977 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 0:2 (0:1)
28.10.1978 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 1:1 (0:0)
15.9.1979 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 1:1 (0:0)
30.4.1983 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 4:0 (1:0)
25.5.1991 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 7:3 (3:1)
13.9.1997 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 3:0 (1:0)
9.5.1999 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 1:1 (1:0)
16.10.1999 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 3:1 (2:0)
12.8.2000 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 4:1 (1:0)
20.4.2002 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 3:0 (0:0)
30.11.2002 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 2:0 (1:0)
4.10.2003 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 4:1 (2:0)
14.8.2004 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 1:1 (0:1)
27.8.2005 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 3:0 (0:0)
14.10.2006 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 4:2 (2:0)
17.5.2008 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 4:1 (3:0)
31.8.2008 FC Bayern München - Hertha BSC Berlin 4:1 (1:0)

Fotos vom Spiel:

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Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!


Video: Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!

FCB2-3.L-1.P
Drittligatabelle (Stand: 30.8.2008)

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