Über die Güte des bajuwarischen Menschenhandels

Zur Klärung der Frage, wie gut die Transferbilanz des FC Bayern München in den letzten Jahren wirklich war, habe ich mir mal die Kader-Zugänge der letzten Jahre angesehen und diesen Menschenhandel dann nach sportlicher Leistung der Kicker positiv, neutral oder negativ bewertet (u.a. nach Kriterien wie: war das Geld wert, war das Geld nicht wert, hat sich durchgesetzt, kostete eh kaum etwas, bekam keine Chance, war dauerverletzt uswusf. ((Eine detailliertere Erklärung der Wertungskriterien findet sich in den Kommentaren))). Quelle für Transfersummen und Zugänge war Transfermarkt.de, Quelle für Spielerdaten (Saisonspiele) die Wikipedia oder Fussballdaten.de.

Transferzugänge FC Bayern 1997 bis 2009


Zeichenerklärung: + = positiv / ± = neutral / − = negativ

Insgesamt ergibt sich bei insgesamt 94 Transfers ((darunter auch doppelt gezählte durch Leihen und Rückleihen; die Ausgaben für den Kader der Bayern allein an Transfersummen lagen in dem Zeitraum bei 318,35 Millionen Euro)) seit der Saison 1997/1998 nach meiner Einordnung in sportlich gelungene, misslungene bzw. neutral bewertete Transfers eine sehr, sehr ausgeglichene Bilanz: 30 positiven Transfers stehen 29 negativ bewertete gegenüber; 35 Transfers habe ich neutral bewertet, darunter alle Zugänge der laufenden Saison. Lässt man die neun Transfers der gerade begonnenen Saison weg, erhält man die Zahlenreihe 30-26-29. Ausgeglichener geht’s kaum.

Werden die jeweiligen Ablösesummen berücksichtigt, zeigt sich eine etwas bessere Bilanz: 173,45 Mio. Euro wurden für mindestens neutral bzw. positiv bewertete Transfers ausgegeben, 94,2 Mio. Euro für eher negativ bewertete. Da kann man vermuten, dass sich das Geldausgeben doch gelohnt hat. ((Transfererlöse, Handgelder usw. werden dabei außer Acht gelassen; es geht hier in allererster Linie um die sportliche Güte der Einkäufe, nicht um eine wirtschaftliche Untersuchung))

Und was lernen wir daraus? Nicht viel, wenn man das nicht mit anderen Vereinen vergleicht. Toll wäre es, wenn sich jetzt jemand die Mühe macht und eine ähnliche Auflistung für seinen Verein aufstellt. Allein um mal zu gucken, ob das Vorurteil standhält, dass die Kaderpolitik der Bayern schlecht ist und die des eigenen Vereins deutlich besser. Was meint ihr?

Sollten hier übrigens Einwände gegen die Einordnung bestimmter Spieler in bestimmten Jahren unter den Rubriken “Positiv”, “Neutral” oder “Negativ” bestehen, bitte ich, die in den Kommentaren zu äußern. Meine Bewertung erfolgte nach bestem Wissen und Gewissen, aber selbstverständlich subjektiv.

PS: In der Tabelle noch die Zahl der Bundesliga-Spiele für den FC Bayern ergänzt, kleine Korrekturen an der Einstufung (19.8.2009). Schon anhand der Bundesliga-Spiele kann man in dem meisten Fällen sehen, ob die Kicker sich bei Bayern durchsetzen konnten: die 56 Spieler aus den Rubriken “positiv” bzw. “neutral” kommen auf insgesamt 3.807 Bundesligaspiele (∅ 68 Spiele pro Mann), die 29 Spieler in der “negativ”-Rubrik auf insgesamt 703 Spiele (∅ 24 Spiele pro Mann). ((nimmt man noch Santa Cruz heraus, der zwar 155 Spiele für Bayern absolvierte, sich aber nie durchsetzen konnte, sind es weniger als 20 Spiele pro Mann))

Nachtrag, 20.8.2009: Tobias hat meine Anregung aufgegriffen (dankeschön!) und mal für Werder Bremen eine ähnliche Liste aufgestellt.

Nachtrag, 22.8.2009: Sebastian greift für Bayer Leverkusen den Ball auf. Danke!

Nachtrag, 25.8.2009: Für den VfB Stuttgart legt Hirngabel im Brustring eine Transfer-Statistik nach.

Nachtrag, 26.8.2009: Nedfuller hat im Kollektiv, aber nur für den Hamburger SV ebenfalls eine sehr umfangreiche Auflistung gebastelt. Und auch der Spielbeobachter ist nachtragend (zum 1. FC Köln).

Warme Worte der Woche*

Neulich, bei einer Pressekonferenz:

Ganz großes Kino. Hier noch mal zum nachlesen:

Louis van Gaal: Wenn Sie so eine Frage stellt, dann sind Sie nicht gut informiert.

Markus Hörwick (Pressesprecher FC Bayern): Ich darf ihnen …

Van Gaal: Ich denke, dass auch Presse-Journalisten sich informieren müssen.

Hörwick: Ich darf erklären, Luca Toni ist seit einigen Tagen mit … oder seit …

Van Gaal: Das muss er wissen. Das muss er wissen, nicht erklären! Bitte. Unglaublich.

Hörwick: Haben wir weitere Fragen?

Van Gaal: Auch ein Fach … -Journalist.

Hörwick: Keine weiteren Fragen. Dann bedanken wir uns sehr herzlich bei ihnen, bei beiden Trainern, bei Thomas Müller, wünsche ihnen einen guten Nachhauseweg und wir sehen uns morgen hier wieder in der Allianz Arena. Vielen Dank.

Van Gaal: (Abgang unter bösen Blicken und Gebrummel in Richtung des Falschefragenstellers)

Ende.

Bonuslink: Patrick Strasser (Bayern-Reporter bei der “Abendzeitung”) übt schon mal für die nächsten Pressekonferenzen. Sollte er wohl. Um mal aus den Kommentaren zum obigen Video zu zitieren: “The one species Van Gaal hates most in this world is, indeed, a not well informed journalist.

*Bonus-Bonuslink: Auf Youtube gibt Hörwick Tipps, wie man Pressekonferenzen beim FC Bayern führen sollte (“Wie lange willst du Trainer bleiben? Du kannst die Journalisten nicht angreifen”). Stelle eine leichte Diskrepanz zur Realität fest. ((und ja, ich verlinke mittelbar was von Fucking Om (ich Elch, ich) ))

Der Tag danach oder: Mein Leisten (Blogschauer)

Ein Verein, der sich in Reichweite der europäischen Top-Klubs sehen will, kann sich Spieler wie Christian Lell oder die Mailänder Leihgabe Massimo Oddo nicht leisten.
André Zechbauer

Mit diesen Aussagen (man muss was tun um zu gewinnen) hat Klinsmann der Mannschaft das sogenannte „Bayern-Gen“ rausoperiert.
Alex

Warum selbst arbeiten, wenn andere das doch schon getan haben? Kann dem, was Alex zum Trainer und André zusätzlich zu Mannschaft, Vereinsführung und den Fans des FC Bayern gesagt haben, derzeit eh kaum etwas sinnvolles hinzufügen ((Tweet-Übersicht)). ((höchstens dies, damit den zweiten Teil der Überschrift nicht nur Insider verstehen)) ((und ja, es gibt auch andere, nicht ganz so gefasste Stimmen))

Nachträge

Klinsmann ist an der aktuellen Lage sicher nicht alleine Schuld. Er ist aber auch nicht völlig unschuldig, denn er macht schlicht und ergreifend zu viele Fehler sowohl personeller als auch taktischer Natur.
Elmarinho

Von den Verantwortlichen des FC Bayern weiß niemand, wie man so etwas macht: einem Starensemble eine Fußballphilosophie einimpfen, geschweige denn einen Verein so zu führen, dass er eine Vorstellung vom Fußball lebt, die auch jenseits des Erfolges Freude bereitet.
Weltsicht Südtribüne (Selbstzitat)

Der grundlegende Schwachsinn war jedoch von Beginn an, laut Klinsmann einen “Fußball wie Liverpool und ManU” zu spielen. Schnelles diagonales Spiel, neumodisch als “One-Toch” bezeichnet. Nur, wenn man dafür keine Spieler hat bzw. holt, geht das einfach nicht. (…) Man muss aus den vorhandenen Spielern das Beste machen und nicht seine taktische Vision einer Truppe aufzwingen, die das gar nicht umsetzen kann.
gses (bei Breitnigge)

„Offenbarung” nennen es die einen, „Waterloo” die anderen. Doch gegen das, was sich gestern vor allem vor der Pause abspielte, kann Napoleons epische Niederlage in Belgien noch als Achtungserfolg bezeichnet werden.
Jannik

So fucking what? Wo ist der Skandal?
Spielbeobachter