Lieblingsbegriff des Tages (aktualisiert und mit Blogschau)

schlimmster intriganter unfairer Boulevardjournalismus
Harald Landwehr über Raimund Hinko und die Sportbild

Der FC Bayern gibt online (und leider kommentarlos) einen geharnischten Leserbrief an die Sportbild wieder — und die Sportbild keift zurück (oder umgekehrt). Offenbar möchte Klinsmann eben jenen Raimund Hinko (und andere Mitarbeiter der Sportbild) nicht mehr sehen, weil die Zeitschrift “ihn seit Wochen hart angehe” (so die Begründung des Boykotts lt. Sportbild). Sachen gibt’s.

Nachträge und Blogschau (aktualisiert)
Herr Steudel von der Sportbild recherchiert Herrn Landwehr hinterher (die Sportbild feuert nun eh aus allen Kanälen gegen Klinsmann, eine aktuelle Auflistung gibt’s bei dogfood), dogfood sieht auch genau hin und entdeckt, wer den Schweinsteiger-Vertrag an Sportbild geschickt hat, Reality Check listet noch mal auf, was Bild und Sportbild so alles über die Bayern geschrieben haben, nolookpass weist auf einen Artikel aus dem Weltmeisterschaftsjahr über die Historie des Konflikts hin (via), Paule erkennt in Harald Landwehr einen Retter des Sportjournalismus — und der FC Bayern zwingt den Axel-Springer-Verlag zu einer Unterlassungserklärung (PDF der Pressemitteilung) schafft es aber (noch) nicht, die ordentlich online zu stellen. und freut sich über Paules Applaus. Zitat:

Exemplarisch sei hier ein Auszug eines Users im Blog „Breitnigge.de“ genannt.

Holla! Hat es schon mal ein anderer Fußballblogger geschafft, auf der Website des angebeteten Vereins zitiert zu werden? Da kann Paule ggf. auch verschmerzen, dass er als Schreiber des eigenen Blogs holprig als “User” bezeichnet wird. Verlinken wäre natürlich auch toll, selbst wenn ich mir dann Sorgen um seinen Server gemacht hätte. Lieber FC Bayern: Blogs sind keine Foren, aber das lernt ihr sicher auch noch.

Anbei auch der Wortlaut der kurzen Pressemitteilung der Bayern:

SportBild unterwirft sich Forderung des FC Bayern
Wegen der äußerst rüden und rücksichtslosen, allein auf Profit zielenden Verletzung unserer Rechte durch eine Veröffentlichung in „SportBild“ (Titel-Thema: „Der Vertrag von Schweini!“) hatten unsere Anwälte von der Axel Springer AG gestern als erstes die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung gefordert. Die Axel Springer AG hat sich dieser Forderung unterworfen und heute, wie verlangt, eine umfassende Unterlassungserklärung abgegeben.
FC Bayern München AG

Klinsmanns neue Kleider*

Elf Spiele gab es bisher für den FC Bayern in dieser Saison. Zu wenige, um die Arbeit des neuen Trainers detailliert zu beurteilen. Hundert Tage Schonfrist sind für neue Amtsinhaber üblich, danach sollte man ein fundierteres Urteil abgeben können. Die 100 Tage Klinsmanns sind am 18. November 2008 vorbei, wie ich kürzlich schrieb.

Oder man rechnet anders. Ab Amtsantritt, zum Beispiel. Dann wären die hundert Tage am 9. Oktober 2008 vorbei. Da bis Donnerstag kein weiteres Bayernspiel anliegt, kann ich also genauso gut jetzt schon mal räsonieren.

Klinsmann hat im Verein eine Aufbruchstimmung erzeugt, er hat fast alles neu machen wollen – und auch neu gemacht (Trainingsteam, Trainingsmethoden und -umgebung, Taktik, Mannschaftsaufstellung, Rotation usw.). Was hat er bis jetzt mit einem (im Vergleich zur Vorsaison) praktisch identischen Kader erreicht?

Zwei überzeugende Spiele in der Bundesliga (gegen Berlin und Köln), zwei mittelprächtige (gegen Hamburg und Dortmund) und drei katastrophale Spiele (gegen Bremen, Hannover und Bochum). Ergibt für den FC Bayern in der Bundesliga den schlechtesten Saisonstart seit Menschengedenken und elf Gegentore in vier Heimspielen. Das nenne ich blamabel.

Im DFB-Pokal gab es einen glücklichen Sieg gegen einen Drittligisten und einen glanzloser Sieg gegen einen Zweitligisten. In der Champions League gab es zum Auftakt einen glücklichen Auswärtssieg und ein gerechtes Unentschieden im ersten Heimspiel. Das nenne ich durchwachsen.

Soweit die sportliche Bilanz der ersten hundert Tage von Jürgen Klinsmann. Die nenne ich beschissen.

Außerdem gibt es alles andere als eine eingespielte Mannschaft, merkwürdige Aufstellungen und Auswechslungen, die (unverständliche und sportlich fatale) Demontage des Mannschaftskapitäns, einen Auszubildenden im Tor, einen Auszubildenden auf der Trainerbank, eine katastrophale Abwehr, fehlende Kreativität im Mittelfeld, Stürmer, die nicht treffen und ein skeptisches, zum Teil offen negatives Umfeld.

Vielleicht sollte ich mit der ersten Bilanz doch bis zum 18. November warten.

*Nachträge — eine Blogschau
Was schreiben die anderen? Zechbauer bewahrt die Ruhe, Yalcin bekommt vor Ärger nicht mehr als vier Sätze zusammen, Paule bittet um Geduld und sieht eine Kampagne am Werk, Elmarinho findet alles nicht so schlimm, Surfguard ist schlecht, aus einem Entwicklungsland meldet sich Philipp und prophezeit ein Scheitern Klinsmanns — und der Bayerntrainer selbst hofft, dass “so etwas nicht mehr vorkommt“. Meine Lieblingserklärung des Schlamassels kommt aber von jackylourdes.

Den Crash vermieden

Gedanken zum FC Bayern nach dem Spiel gegen Lyon

Nach zwei Niederlagen in den letzten drei Spielen ist ein Unentschieden immerhin ein leichter Aufwärtstrend; Befreiungsschläge sehen aber anders aus. Chancen für ein 2:1 hat es zwar gegeben, das 1:1 ist dennoch leistungsgerecht.

Das Unentschieden gegen Olympique Lyon spiegelt somit ganz gut den derzeitigen Zustand der Mannschaft wieder: man weiß nicht so genau, wo man steht, alles ist im Umbruch, zum Teil unnötigerweise – und man schlägt sich im Zweifel selbst.

Dass die personifizierte Torungefahr das Tor zum Ausgleich macht, ist aber eine schöne Pointe. Allerdings: wenn Zé Roberto in seiner Karriere auch noch Tore am Fließband geschossen hätte, spielte er längst nicht mehr für den FC Bayern und wäre einer der besten Spieler der Welt.

So kann man einen Kapitän auch demontieren: indem man ihn einfach nicht spielen lässt. Unnötigerweise, schlechter als Demichelis hätte Mark van Bommel kaum spielen können.

Überhaupt: selten habe ich jemand so um eine Auswechslung betteln sehen wie Demichelis – ohne dass er erhört wurde. Dafür hätte beinahe Lucio Gelb für eine Attacke auf den eigenen Mann gesehen, als er den Argentinier energisch darauf hinwies, doch etwas weniger lethargisch aufzutreten.

Auch deswegen ist es mir ein Rätsel, warum Klinsmann nicht zur Pause oder spätestens ab der 60. Minute van Bommel für Demichelis brachte. Demichelis hatte unter Hitzfeld schon einmal abseits des Platzes Arbeitsverweigerung betrieben, als er im Mittelfeld statt in der Innenverteidigung spielen sollte. Diesmal hat er auf dem Platz die Arbeit verweigert. Und das alles, obwohl mit van Bommel ein gelernter defensiver Mittelfeldspieler auf der Bank saß.

Wieviele Freistöße und Ecken darf Bastian Schweinsteiger noch schießen, bevor es jemand macht, der das kann? Ich kann es nicht mehr ansehen, es ist einfach grausam. Dabei ist mit Massimo Oddo doch jemand im Kader, der dieses Handwerk beherrscht. Jeden Spieler jeden Tag besser machen – das Klinsmannsche Credo gilt offenbar nicht für Bastian Schweinsteiger. Und bis jetzt – leider – auch für keinen anderen Spieler.

Luca Toni könnte mal wieder ein Tor machen. Die Dinger, die er zur Zeit versiebt, hat er letzte Saison alle gemacht. Aber immer wieder eindrucksvoll, wie er Freistöße rausholt. So schön lässt sich kein anderer Spieler foulen.

So, das soll für heute reichen. Der angekündigte Blogbeitrag über Klinsmann …

… folgt spätestens am 18. November 2008. Dann sind 100 Tage seit dem ersten Pflichtspiel Klinsmanns vergangen, die Schonfrist gönne ich mir und ihm. Immer vorausgesetzt, er ist dann noch im Amt.

Nachtrag
Ein Foto vom Spiel — klicken macht’s übrigens groß.

FCB vs. Olympique Lyon, panorama shot (with a little help from autostitch.net)

Weitere Fotos vom Spiel, wie üblich, auf Flickr.

Nachtrag II
Sehr lesenswert: surfguard über die Idee, Demichelis statt van Bommel im Mittelfeld spielen zu lassen.

Immer noch sprachlos

Der Blogbeitrag zum Fehlstart der Bayern in der Bundesliga, zu Klinsmann, Rensing, Lell und so … muss warten bis Mittwoch nach dem Champions League-Spiel gegen Lyon.

Im Grünwalder

Mehr Bilder, auch bewegte, nach dem Klick:

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Es nervt*

Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen gegen unterklassige Gegner. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte auch mal gegen ernstzunehmende Mannschaften treffen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, z.B. Kombinationssicherheit. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, auch das Verständnis für die Mitspieler sollte da sein. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, auch die Laufwege sollten zu den Kollegen passen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er kann z.B. auch seinen Mitspielern Räume frei sperren. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte auch ein guter Vorlagengeber sein. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, Präzision beim Torschuss wäre auch nicht schlecht. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte bei seiner Einwechslung das Spiel auch mal beleben können. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er muss auch den Mund halten können. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte nicht glauben, nur weil er in der Provinz der Prinz war, in der Großstadt der König zu sein. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte auch von besseren Mitspielern und Gegnern lernen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, es sollte auch erkennbar sein, dass er lernwillig ist. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte sich stetig verbessern, und das sollte sich auch zeigen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen und das Halten des Status quo. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen.

Aus der Serie: 99 Gründe, warum beim FC Bayern Klose statt Podolski in der Startaufstellung steht. Wie schon gesagt. Das alles gilt selbstverständlich nur für deutsche Stürmer beim FC Bayern.

*1-2-3, ha ha ha. Wer zuletzt lacht. (Nachtrag, 10.9.)

Nebenbei versaut er auch noch Guido Schröter die Pointe. Gut so. (Nachtrag, 14.9.)

Machbar

Die vier Mannschaften der Gruppe F
Screenshot: vier Lose

Olympique Lyon, FC Bayern München, Steaua Bukarest, AC Florenz.

Das ist die Champions League-Gruppe, aus der die Bayern mindestens Zweiter werden müssen, um ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen. Es hätte schwerer kommen können (Gruppe H), aber auch leichter (Gruppe B). Kein Verein aus England, kein Verein aus Spanien, den beiden z.Zt. stärksten Ligen Europas. Meine hypothetische Horrorgruppe (Motto: ‘Fun in der Vorrunde’) aus Chelsea, Bayern, Zenit St. Petersburg und Atletico Madrid ist es auch nicht geworden.

Da sage ich mal: machbar. Bei den Ansprüchen der Bayern muss ein Weiterkommen drin sein, damit setzt man auch Klinsmann nicht zu sehr unter Druck. Unterschätzen sollte man Lyon, Bukarest und vor allem Florenz dennoch nicht. Viel entscheidender wird aber sein, ob die Bayern rechtzeitig zur Gruppenphase ins Laufen kommen. Nach den bisherigen Eindrücken der Saison stapele ich bei meiner Prognose aber mal lieber tief.

AC Florenz - Luca Tonis Ex (#9)
Das Los musste nicht sein, die Fiorentina ist ein starker Gegner – und war neben Atlético Madrid die zweitstärkste Mannschaft aus dem vierten Lostopf. Der AC hat es letzte Saison bis ins Halbfinale des Uefa-Cups geschafft, ehe er unglücklich nach Elfmeterschießen gegen die (grausam spielenden) Mauerspezialisten aus Glasgow ausschied. Ein starker Auftritt, ebenso stark: der vierte Platz in der italienischen Liga in der vergangenen Saison. Und die Videos, die die auf ihrer Homepage einbauen, gefallen mir auch. Sonst noch was? Ach ja: der AC Florenz ist einer von den neun Exvereinen Luca Tonis – und ein Verein, der mal das Kunststück fertig brachte, mit Battistuta, Effenberg und Brian Laudrup im Kader abzusteigen.
Prognose: Gruppenerster.

Olympique Lyon - eine Rechnung offen
Da war doch mal was? Gegen den französischen Dauermeister hat Bayern in der Vergangenheit nicht immer souverän ausgesehen. Lyon hat die letzten Jahre in der Champions League oft beeindruckt und war nicht nur für mich ein gar nicht so geheimer Tipp auf den Gesamtsieg. Dennoch ist der Mannschaft der große europäische Durchbruch bzw. Titelgewinn nicht gelungen. Drei Jahre lang kam Lyon zumindest ins Viertelfinale, in der letzten Saison schieden die Franzosen aber schon nach dem Achtelfinale aus der Champions League aus. Zu ihrer Ehrenrettung: gegen den späteren Sieger und ziemlich knapp. Aber auch wenn Lyon diese Saison ein deutlich besserer Start als den Bayern gelang, glaube ich, dass die Mannschaft über den Zenit (no pun intended) ist und die Chance verpasst hat, die Champions League zu gewinnen. Karim Benzema ist allerdings ein Knaller, auf ihn freue ich mich. Auf Antonio Augusto Ribeiro Reis nicht so sehr, aber vielleicht schießt ein 33-Jähriger ja nicht mehr gar so dolle Freistöße.
Prognose: Gruppendritter.

Steaua Bukarest - die Unbekannte
23 nationale Meistertitel (zuletzt 2006), 20 Pokaltitel, 1986 Europapokalsieger der Landesmeister. Ein Verein mit glorreicher Vergangenheit, der sich zwar zum dritten Mal hintereinander für die Gruppenphase der Champions League qualifizieren konnte (und Galatasarays Trainer Michael Skibbe zum ‘Dead Man Walking’ machte), in der letzten Saison aber nun wirklich nicht überzeugte (siegloser Gruppenletzter mit fünf Niederlagen und einem Unentschieden). Kann ich eigentlich nicht richtig einschätzen, bin aber ziemlich gelassen. Schönes Detail: der Transferwert Steauas beträgt etwa ein Zehntel dessen, was die anderen Mannschaften der Gruppe so im Kader haben (will sagen: für einen Ribéry könnte man theoretisch den kompletten Kader Steauas erwerben). In diesem Zusammenhang: Links zu den Transfermarktseiten von Lyon, Bayern, Florenz und Steaua.
Prognose: Gruppenletzter.

Wie die Uefa die Stärken der hier porträtierten Mannschaften in den letzten Jahren einschätzte (bzw. wie sich die Vereine im Europapokal geschlagen haben), lässt sich gut an den Team-Koeffizienten ablesen:

Team-Ranking 1999-2008. Grafik erstellt mit dem Uefa-Team-Ranking-Chart von Bert Kassies (kassiesa.com)

Grafik: Die vier Teams im Chartvergleich.
Erstellt mit Bert Kassies unverzichtbarem Uefa-Team-Ranking-Chart (die Lücke bei Florenz ergab sich durch deren Verwicklung in den italienischen Bestechungsskandal).

Die Uefa platzierte Lyon also in der (abgeschlossenen) europäischen Rangliste für 2008 auf Platz 8 (Platz 1: Chelsea), Bayern auf 11, Steaua auf 29 und Florenz nur auf 59 (zum aktuellen, nach jedem Spieltag veränderten Ranking).

Wäre Fußball ein Wunschkonzert, käme Bayern bei mir also als Gruppenzweiter ins Achtelfinale. Worst Case: Gruppendritter (mit Lyon statt Bayern im Achtelfinale). Aber noch ein Jahr im Uefa-Cup? Trotz des Wahnsinns in der letzten Saison: eine schreckliche Vorstellung. Dann lieber im Achtelfinale ausscheiden.

Sollte Bayern gar noch hinter Bukarest (oder wem auch immer) Gruppenletzter werden, wäre Klinsmanns Bayern-Projekt schon nach ein paar Monaten massiv gefährdet: weil es dann vermutlich ohne Klinsmann weiter ginge. Soweit die Kaffeesatzleserei, los geht’s am 17. September 2008.

PS: Trotz des leicht pessimistischen Grundtons: habe ich schon deutlich genug gemacht, dass ich mich tierisch auf die Champions League freue? Nein? Bitte sehr: ich freue mich tierisch auf die Champions League. Muss man auch mal (wieder) sagen, die Teilnahme ist ja nicht selbstverständlich.

Nachtrag, 12.9.2008
So sieht es ESPN.

Niemand schlafe! Niemand schlafe!

Die Erkenntnisse des 15. August 2008
Trotz Dopings rührt mich ein Olmypiasieg einer deutschen Schwimmerin, dieser Schwimmerin, nach der Vorgeschichte der letzten Tage und ob der dann gezeigten Freude. Dafür liebe ich als Zuschauer Spitzensport, immer noch, trotz allem.

In einer Arena treten Opernsänger vor Opernpublikum auf. Passt doch. Soll sich aber dann später keiner über die Scheiß-Stimmung aufregen. Und irgendwie hätte der Mann mit den früher schiefen Zähnen die Textzeile “Nessun dorma!” doch auf Deutsch singen sollen. Oder portugiesisch, für Lucio. So versteht das doch nur Luca Toni – und der konnte leider nicht mitspielen.

In Deutschland singen im Fernsehen alle immer brav Playback, selbst Opernsänger. Eigentlich ein Sakrileg für die Branche. Schlimm. Dann kann auch ein DJ eine Platte auflegen.

Unoriginellste Erkenntnis des Tages:

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Der Trainingsauftakt (eine Fotoserie)

Gestern, an der Säbener Straße.

Klinsi und Co.

Weitere Bilder nach dem Klick.

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FCB-Saisonzeugnisse 2007/2008, Teil III: Angriff

Fortsetzung der dreiteiligen Serie von Saisonzeugnissen des Bayern-Kaders 2007/2008. Heute: Teil III - Angriff.

ANGRIFF

Luca Toni (30), Vertrag bis 2011.
Il Bomber. Ein Phänomen. Der 1:0-Mann, der Mann für die wichtigen Tore, die Renaissance des großen Torjägers bei Bayern. Setzt seinen Körper sehr gut ein, wirkt ungelenkig, macht aber die Dinger trotzdem irgendwie rein, kann mit allen Körperteilen treffen. Absoluter Strafraumspieler, arge Schwächen außerhalb dessen und beim Kombinationsspiel, trainiert nicht gerne. Ist aber alles egal: wer so oft trifft, hat recht. Faszinierende Theatralik bei nicht gegebenen Fouls oder verschossenen Torchancen, bietet in jeder Beziehung großes Kino. Bester Einkauf der Bayern, noch vor Ribéry der wichtigste Spieler in dieser Saison (auf Platz drei: van Bommel), stellt alle anderen Stürmer klar in den Schatten. Toll.
Empfehlung: Stammplatz, ohne jeden Zweifel. Angeblich Europas bestbezahlter Fußballer, sein Geld aber mehr als wert.

Miroslav Klose (29), Vertrag bis 2011.
Auch ein Phänomen, leider nicht im Luca-Tonisschen Sinn. Kann sensationell spielen und kombinieren, kann sich im Spiel über Wochen aber auch sensationell unsichtbar machen. Hat offenbar in jeder Saison leider arge Leistungsschwankungen und Auszeiten. Dennoch die klare Nummer zwei hinter dem großen Toni, ist immer mindestens ein guter Vorbereiter. Spielt, wenn außer Form, deutlich zu selbstlos und oft alles andere als glücklich, aber ganz selten wirklich schlecht, wurde daher auch von keinem anderen Stürmer überholt. Hat einen Makel, den er in der nächsten Saison loswerden sollte: konnte in seiner gesamten Karriere gegen starke Gegner noch nicht wirklich überzeugen. Hat in der Champions League die Chance dazu.
Empfehlung: Stammplatz. An der Grenze zum Einwechselspieler, aber nicht bei der derzeitigen Konkurrenz.

Lukas Podolski (22), Vertrag bis 2010.
Der König aus der Provinz, nackt. Gruseligste Laufwege, fehlende Bindung zu den Arbeitskollegen, oft schlechtes Kombinationsspiel. Mangelnde Spielintelligenz und Technik, überhasteter Abschluss. Tritt auch gerne als Chancentod auf. Was soll man sagen: keine gute Saison. Überzeugt aber in der Nationalmannschaft - gegen drittklassige Gegner. Der Durchbruch bei den Bayern steht (immer) noch aus, es tröstet allein der Gedanke, dass er noch sehr jung ist.
Empfehlung: Einwechselspieler. Muss an sich arbeiten und den Durchbruch endlich schaffen, sonst verkaufen. Hat vielleicht einfach nicht die nötige Klasse.

Jan Schlaudraff (24), Vertrag bis 2010.
Verlässt den Verein zum Saisonende, bekam hier leider viel zu wenig Spielzeit. Konnte aber selbst in den Spielen, die ich mit ihm gesehen habe, keinen Eindruck hinterlassen, nicht mal bei den Amateuren.
Keine Empfehlung.

Teil III der Saisonzeugnisserie 07/08 (Schluss)
Gestern: Teil II - Mittelfeld
Vorgestern: Teil I - Torwart und Abwehr

FCB-Saisonzeugnisse 2007/2008, Teil II: Mittelfeld

Fortsetzung der dreiteiligen Serie von Saisonzeugnissen des Bayern-Kaders 2007/2008. Heute: Teil II - Mittelfeld.

MITTELFELD

Mark van Bommel (31 Jahre), Vertrag bis 2009.
Erneut eine starke Saison des Holländers, der letzte Saison fast der einzige Spieler war, der Champions-League-Qualität erreichte. Wichtig für die Bayern, steht für die “Uns kann keiner/Mir san mir”-Mentalität, die die Bayern früher auch gegen spielstärkere Gegner auszeichnete (wie erwähnt) und die zum Gewinnen großer Finals unerlässlich ist. Ist nach Kahn zum Leader-Typ im Bayernkader geworden, zeigt oft eine Präsenz, Dynamik und Wucht, die Mitspieler und Gegner beeindruckt und die im Bayernkader leider zu selten ist. Ein Stinker, arbeitet auch gerne mit Mitteln, die am Rande der Legalität liegen. Blieb diese Saison aber deutlich häufiger auf der legalen Seite, gut so. Ergänzt sich gut mit Kreativspielern: er bräuchte neben Ribéry noch einen weiteren Kreativspieler im Mittelfeld als Partner, da er die Rolle des Spielmachers nicht ausfüllen kann (Kroos? Kroos!). Und die Bayern brauchen außerdem einen weiteren Stinker, um international was zu reißen. Ein Führungsspieler, ohne Neuzugänge aber der einzige im Bayernkader, was bedenklich wäre.
Empfehlung : Sicherer Stammplatz.

Bastian Schweinsteiger (23), Vertrag bis 2009.
Schwieriger Fall. Spielt seit der Weltmeisterschaft auf konstant schlechtem Niveau, zeigt keine Entwicklung, ist oft ein Bremser im Aufbauspiel der Bayern (typische Schweinsteiger-Szene: Anspiel auf ihn, Tritt auf den Ball, Kringel ohne Raumgewinn, Querpass oder schlechte Flanke). Bringt mich damit im Stadion oft zur Verzweiflung. Muss an sich arbeiten, tut das vielleicht nicht intensiv genug (oder gar nicht), könnte zum Opfer seines frühen Ruhms werden. Über die Gründe für seine Leistungsschwäche kann man nur Vermutungen anstellen, er ist hoffentlich nicht mehr durch eine mögliche Borreliose-Infektion behindert. Würde ihm ggf. zu einem Vereinswechsel raten, falls er die Kurve nicht mehr bekommt, blüht vielleicht woanders wieder auf. Hat derzeit eigentlich keinen Anspruch auf einen Stammplatz, darf aber im kreativ schwach besetzen Bayernmittelfeld oft trotzdem spielen. Ein Fall für Klinsmann.
Empfehlung: Einwechselspieler. Vertragsverlängerung steht an, kann meinetwegen, solange nicht eine deutliche Formsteigerung feststellbar ist, gerne den Verein verlassen.

Hamit Altintop (25), Vertrag bis 2010.
Spielte eine starke Saison, die Entdeckung im Bayernkader. Hat sich gut eingeführt, ist derzeit leider verletzt und wurde im letzten Drittel der Saison auf der rechten Außenposition auch vermisst. Torgefährlich, gute Schusstechnik, kreativ. Könnte, wenn er das Niveau hält oder sich noch verbessert, weiter für positive Überraschungen sorgen. Hat aber auch in Schalke stark angefangen und um so stärker nachgelassen, hoffe, dass ihm in München nicht das selbe Schicksal droht.
Empfehlung: Stammplatz.

Franck Ribéry (25), Vertrag bis 2011.
Der kleine Franzose ist eine Sensation. Der Zirkus Sarrasani zu Gast im Stadion, ein Alleinunterhalter allererster Güte. Ein Flash-Spieler, der außergewöhnliches kann. Und der einzige Spieler der letzten Jahre, der vom Bayern-Publikum mit Szenenapplaus und stehenden Ovationen während des Spiels bedacht wurde. Franck wird von seinen Mitspielern alleine gelassen (mach was, Franck, wir schauen dann mal zu) und konnte trotzdem oft noch was reißen. Ich kenne weltweit keinen vergleichbaren Spieler, der - wie er - so in ein direktes Dribbling durch und gegen ein, zwei Gegenspieler gehen kann (nach dem Motto: das geht ja jetzt eigentlich gar nicht, aber lasst mich das unmögliche mal versuchen) und dann dieses Dribbling auch noch gewinnt. Phänomenal. Dennoch kann es das nicht sein: die Rolle des Alleinunterhalters überfordert auf Dauer selbst einen Ribéry, zumal gegen bessere Gegner. Das müsste man seinen Mitspielern auch mal sagen (Schweinsteiger, hörst Du mich?), wenn Hitzfeld das schon nicht macht. So ist es eher bedenklich, wie abhängig das Kreativspiel der Bayern von ihm ist. Denn selbst ein Ausnahmekönner wie er macht Kunstpausen (bzw. schlechte Spiele). Wirkte gegen gute Gegner - schlag nach beim Zenit-Spiel - auch ungeduldig bzw. sogar frustriert: ein schlechtes Zeichen für die Champions League, in der er noch nie gespielt hat. Dort kommt auch der wirkliche Test für ihn: wie gut sieht er gegen Gegner auf diesem Niveau aus? Mit Alleinunterhaltern allein lässt sich auch kein Europopokal gewinnen, ein überzeugendes Spielsystem und eine eingespielte Mannschaft gehören auch dazu. Ihr Job, Klinsmann.
Empfehlung: Also bitte. Stammplatz, was sonst?

Zé Roberto (33), Vertrag bis 2009.
Tolle Saison, sensationell begonnen, später nachgelassen, aber immer noch sehr solide. Ist auf der für ihn bei Bayern neuen Position des Sechsers vor der Abwehr - als “Staubsauger” bei der Balleroberung - ein echter Gewinn. Tolle Technik und Spielübersicht, sehr routiniert, machte seine Sache meist überzeugend und gut. Größte Schwäche: die absolute Torungefährlichkeit. Und er wird nicht jünger (*klonk*).
Empfehlung: Stammplatz. Bitte an adäquaten Ersatz denken, Klinsmann, Uli und Kalle.

Toni Kroos (18), Vertrag bis 2012.
Scholl meint: “Immer spielen lassen“. Schließe mich dem uneingeschränkt an. Riesentalent, spielt viel zu selten. Keine Ahnung, warum Schweinsteiger andauernd spielen darf - und er nicht. Und jetzt kommt mir bitte niemand mit “der soll auf dem Teppich bleiben” oder ähnlichem Quark. Mit ihm sitzt der beste Freistoßschütze und Flankengeber der Bayern auf der Bank oder war oft nicht mal nominiert. Ein Skandal. Klinsmann, mach Du es besser.
Empfehlung: Stammplatz. Stammplatz!

Andreas Ottl (23), Vertrag bis 2011.
Mittelmaß im Mittelfeld. Muss sich steigern, um bei Bayern in einem Mittelfeld mit Ribéry, van Bommel und Zé Roberto mithalten zu können. Hatte dazu aber zuletzt kaum die Chance, weil er nur noch selten spielt. Einer der größten Verlierer unter Hitzfeld, war unter Magath noch Stammspieler. Hat aber Potenzial nach oben, spielt zur Zeit nicht seinen besten Fußball, wirkt ängstlich, kann mehr.
Empfehlung: Einwechselspieler, aber bitte häufiger. Oder verkaufen.

José Ernesto Sosa (22), Vertrag bis 2011.
Überfordert. Hat noch nicht ein überzeugendes Spiel abgeliefert, hatte in der gesamten Saison vielleicht ein, zwei gute Szenen (und etwa 50 schlechte), eine katastrophale Bilanz. Zweikampfschwach, lethargisch und langsam, (auch gedanklich). Bis jetzt ein absoluter Fehleinkauf. Einer seiner größten Fürsprecher ist angeblich Paul Breitner, was Zweifel an dessen Fußballkompetenz aufkommen lässt. Muss sich schleunigst an den europäischen Fußball gewöhnen und sich radikal steigern, sonst wird das nichts mehr.
Empfehlung: Einwechselspieler, wenn überhaupt. Eher verkaufen. (Dos Santos, anyone?)

Stephan Fürstner (20), Vertrag bis 2010.
Kann ich (immer noch) nicht beurteilen, hat in dieser Saison (erneut) nicht bei den Profis mitgespielt.
Empfehlung: Keine Ahnung. Vereinswechsel?

Teil II der Saisonzeugnisserie 07/08
Gestern: Teil I - Abwehr
Morgen: Teil III - Angriff

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