Hirnsturm

Wie die Tiger

Sie haben heute gefightet wie Löwen … oder wie Tiger, wir dürfen ja nicht Löwen sagen.
Uli Hoeneß

Gut, dass er da noch die Kurve gekriegt hat, der Bayern-Manager. Kaum auszudenken, wenn es bei diesem lokalpatriotisch deplatzierten Vergleich der Bayernspieler mit einem Panthera leo geblieben wäre: ein sofortiger Rausschmiss des Managers oder andere arbeitsrechtliche Konsequenzen ob seiner unpassenden Wortwahl wären da durchaus gerechtfertigt und angemessen gewesen. Gleiches gilt natürlich für Reporter, die nach dem Spiel gegen Karlsruhe mit dem phrasenschweinwürdigen Begriff der “Dusel-Bayern” ankommen.

Man könnte auch – ebenso phrasenschweinwürdig – kontern, dass ein Spiel mindestens 90 Minuten dauert, nicht 85. Und dass gegen den KSC halt das Glück da war, das die letzten Wochen eher fehlte.

Schlecht spielen und gewinnen. Wunderbar, aber nur ein erster Schritt auf dem Weg zur Besserung: bis auf die ersten und letzten 15 Minuten war das Spiel der Bayern alles andere als eine Offenbarung. Den Auswärtssieg nehme ich trotzdem gerne mit.

Lieblingsbegriff des Tages (aktualisiert, mit Blogschau, Nachträgen und einem interessanten Urteil zum Thema Pressekonferenzen)

schlimmster intriganter unfairer Boulevardjournalismus
Harald Landwehr über Raimund Hinko und die Sportbild

Der FC Bayern gibt online (und leider kommentarlos) einen geharnischten Leserbrief an die Sportbild wieder — und die Sportbild keift zurück (oder umgekehrt). Offenbar möchte Klinsmann eben jenen Raimund Hinko (und andere Mitarbeiter der Sportbild) nicht mehr sehen, weil die Zeitschrift “ihn seit Wochen hart angehe” (so die Begründung des Boykotts lt. Sportbild). Sachen gibt’s.

Nachträge und Blogschau
Herr Steudel von der Sportbild recherchiert Herrn Landwehr hinterher (die Sportbild feuert nun eh aus allen Kanälen gegen Klinsmann, eine aktuelle Auflistung gibt’s bei dogfood), dogfood sieht auch genau hin und entdeckt, wer den Schweinsteiger-Vertrag an Sportbild geschickt hat, Reality Check listet noch mal auf, was Bild und Sportbild so alles über die Bayern geschrieben haben, nolookpass weist auf einen Artikel aus dem Weltmeisterschaftsjahr über die Historie des Konflikts hin (via), Paule erkennt in Harald Landwehr einen Retter des Sportjournalismus — und der FC Bayern zwingt den Axel-Springer-Verlag zu einer Unterlassungserklärung (PDF der Pressemitteilung) schafft es aber (noch) nicht, die ordentlich online zu stellen. und freut sich über Paules Applaus. Zitat:

Exemplarisch sei hier ein Auszug eines Users im Blog „Breitnigge.de“ genannt.

Holla! Hat es schon mal ein anderer Fußballblogger geschafft, auf der Website des angebeteten Vereins zitiert zu werden? Da kann Paule ggf. auch verschmerzen, dass er als Schreiber des eigenen Blogs holprig als “User” bezeichnet wird. Verlinken wäre natürlich auch toll, selbst wenn ich mir dann Sorgen um seinen Server gemacht hätte. Lieber FC Bayern: Blogs sind keine Foren, aber das lernt ihr sicher auch noch.

Anbei auch der Wortlaut der kurzen Pressemitteilung der Bayern:

SportBild unterwirft sich Forderung des FC Bayern
Wegen der äußerst rüden und rücksichtslosen, allein auf Profit zielenden Verletzung unserer Rechte durch eine Veröffentlichung in „SportBild“ (Titel-Thema: „Der Vertrag von Schweini!“) hatten unsere Anwälte von der Axel Springer AG gestern als erstes die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung gefordert. Die Axel Springer AG hat sich dieser Forderung unterworfen und heute, wie verlangt, eine umfassende Unterlassungserklärung abgegeben.
FC Bayern München AG

Nachtrag (18.10.)
Weil ich just darüber gestolpert bin und es in diesem Zusammenhang sehr interessant ist: laut dieser Pressemitteilung hat das Oberlandesgericht München vor einem Jahr entschieden, dass

Einzelne Medien dürfen [durch den Ausschluss von einer Pressekonferenz, Probek] nicht diskriminiert werden, auch wenn dem Veranstalter die Berichterstattung nicht gefällt. Eine Pressekonferenz und ein öffentliches Training ist nicht vergleichbar mit einem Besuch im Stadion. Die Rechte des FC Bayern München werden nicht verletzt. Das Presserecht hat Vorrang.

Leider gibt die Quelle das Aktenzeichen nicht her – und das Oberlandesgericht (OLG) hat auf seiner Website auch nichts zum Thema. Gibt es das Urteil den Beschluss irgendwo im Wortlaut?

Nachtrag (20.10.)
Den Beschluss des OLG München habe ich (noch) nicht gefunden, wohl aber ein anderes Urteil (?) des OLG Köln:

Ein Sportverein, der sich selbst in der Öffentlichkeit darstellt, hat eine kritische Würdigung seiner Tätigkeit oder eine kritische Berichterstattung über einzelne Spieler, den jeweiligen Trainer oder die Vereinsführung hinzunehmen und kann eine unliebsame Berichterstattung nicht durch ein Haus- oder Stadionverbot für einzelne Journalisten sanktionieren. Ein betroffener Journalist kann einen Anspruch gegen den Verein auf gleiche Teilhabe an Informationsmöglichkeiten über den Verein wie andere Journalisten auch haben.
Quelle

Klinsmanns neue Kleider*

Elf Spiele gab es bisher für den FC Bayern in dieser Saison. Zu wenige, um die Arbeit des neuen Trainers detailliert zu beurteilen. Hundert Tage Schonfrist sind für neue Amtsinhaber üblich, danach sollte man ein fundierteres Urteil abgeben können. Die 100 Tage Klinsmanns sind am 18. November 2008 vorbei, wie ich kürzlich schrieb.

Oder man rechnet anders. Ab Amtsantritt, zum Beispiel. Dann wären die hundert Tage am 9. Oktober 2008 vorbei. Da bis Donnerstag kein weiteres Bayernspiel anliegt, kann ich also genauso gut jetzt schon mal räsonieren.

Klinsmann hat im Verein eine Aufbruchstimmung erzeugt, er hat fast alles neu machen wollen – und auch neu gemacht (Trainingsteam, Trainingsmethoden und -umgebung, Taktik, Mannschaftsaufstellung, Rotation usw.). Was hat er bis jetzt mit einem (im Vergleich zur Vorsaison) praktisch identischen Kader erreicht?

Zwei überzeugende Spiele in der Bundesliga (gegen Berlin und Köln), zwei mittelprächtige (gegen Hamburg und Dortmund) und drei katastrophale Spiele (gegen Bremen, Hannover und Bochum). Ergibt für den FC Bayern in der Bundesliga den schlechtesten Saisonstart seit Menschengedenken und elf Gegentore in vier Heimspielen. Das nenne ich blamabel.

Im DFB-Pokal gab es einen glücklichen Sieg gegen einen Drittligisten und einen glanzloser Sieg gegen einen Zweitligisten. In der Champions League gab es zum Auftakt einen glücklichen Auswärtssieg und ein gerechtes Unentschieden im ersten Heimspiel. Das nenne ich durchwachsen.

Soweit die sportliche Bilanz der ersten hundert Tage von Jürgen Klinsmann. Die nenne ich beschissen.

Außerdem gibt es alles andere als eine eingespielte Mannschaft, merkwürdige Aufstellungen und Auswechslungen, die (unverständliche und sportlich fatale) Demontage des Mannschaftskapitäns, einen Auszubildenden im Tor, einen Auszubildenden auf der Trainerbank, eine katastrophale Abwehr, fehlende Kreativität im Mittelfeld, Stürmer, die nicht treffen und ein skeptisches, zum Teil offen negatives Umfeld.

Vielleicht sollte ich mit der ersten Bilanz doch bis zum 18. November warten.

*Nachträge — eine Blogschau
Was schreiben die anderen? Zechbauer bewahrt die Ruhe, Yalcin bekommt vor Ärger nicht mehr als vier Sätze zusammen, Paule bittet um Geduld und sieht eine Kampagne am Werk, Elmarinho findet alles nicht so schlimm, Surfguard ist schlecht, aus einem Entwicklungsland meldet sich Philipp und prophezeit ein Scheitern Klinsmanns — und der Bayerntrainer selbst hofft, dass “so etwas nicht mehr vorkommt“. Meine Lieblingserklärung des Schlamassels kommt aber von jackylourdes.

Den Crash vermieden

Gedanken zum FC Bayern nach dem Spiel gegen Lyon

Nach zwei Niederlagen in den letzten drei Spielen ist ein Unentschieden immerhin ein leichter Aufwärtstrend; Befreiungsschläge sehen aber anders aus. Chancen für ein 2:1 hat es zwar gegeben, das 1:1 ist dennoch leistungsgerecht.

Das Unentschieden gegen Olympique Lyon spiegelt somit ganz gut den derzeitigen Zustand der Mannschaft wieder: man weiß nicht so genau, wo man steht, alles ist im Umbruch, zum Teil unnötigerweise – und man schlägt sich im Zweifel selbst.

Dass die personifizierte Torungefahr das Tor zum Ausgleich macht, ist aber eine schöne Pointe. Allerdings: wenn Zé Roberto in seiner Karriere auch noch Tore am Fließband geschossen hätte, spielte er längst nicht mehr für den FC Bayern und wäre einer der besten Spieler der Welt.

So kann man einen Kapitän auch demontieren: indem man ihn einfach nicht spielen lässt. Unnötigerweise, schlechter als Demichelis hätte Mark van Bommel kaum spielen können.

Überhaupt: selten habe ich jemand so um eine Auswechslung betteln sehen wie Demichelis – ohne dass er erhört wurde. Dafür hätte beinahe Lucio Gelb für eine Attacke auf den eigenen Mann gesehen, als er den Argentinier energisch darauf hinwies, doch etwas weniger lethargisch aufzutreten.

Auch deswegen ist es mir ein Rätsel, warum Klinsmann nicht zur Pause oder spätestens ab der 60. Minute van Bommel für Demichelis brachte. Demichelis hatte unter Hitzfeld schon einmal abseits des Platzes Arbeitsverweigerung betrieben, als er im Mittelfeld statt in der Innenverteidigung spielen sollte. Diesmal hat er auf dem Platz die Arbeit verweigert. Und das alles, obwohl mit van Bommel ein gelernter defensiver Mittelfeldspieler auf der Bank saß.

Wieviele Freistöße und Ecken darf Bastian Schweinsteiger noch schießen, bevor es jemand macht, der das kann? Ich kann es nicht mehr ansehen, es ist einfach grausam. Dabei ist mit Massimo Oddo doch jemand im Kader, der dieses Handwerk beherrscht. Jeden Spieler jeden Tag besser machen – das Klinsmannsche Credo gilt offenbar nicht für Bastian Schweinsteiger. Und bis jetzt – leider – auch für keinen anderen Spieler.

Luca Toni könnte mal wieder ein Tor machen. Die Dinger, die er zur Zeit versiebt, hat er letzte Saison alle gemacht. Aber immer wieder eindrucksvoll, wie er Freistöße rausholt. So schön lässt sich kein anderer Spieler foulen.

So, das soll für heute reichen. Der angekündigte Blogbeitrag über Klinsmann …

… folgt spätestens am 18. November 2008. Dann sind 100 Tage seit dem ersten Pflichtspiel Klinsmanns vergangen, die Schonfrist gönne ich mir und ihm. Immer vorausgesetzt, er ist dann noch im Amt.

Nachtrag
Ein Foto vom Spiel — klicken macht’s übrigens groß.

FCB vs. Olympique Lyon, panorama shot (with a little help from autostitch.net)

Weitere Fotos vom Spiel, wie üblich, auf Flickr.

Nachtrag II
Sehr lesenswert: surfguard über die Idee, Demichelis statt van Bommel im Mittelfeld spielen zu lassen.

Immer noch sprachlos

Der Blogbeitrag zum Fehlstart der Bayern in der Bundesliga, zu Klinsmann, Rensing, Lell und so … muss warten bis Mittwoch nach dem Champions League-Spiel gegen Lyon.

Im Grünwalder

Mehr Bilder, auch bewegte, nach dem Klick:

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Es nervt*

Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen gegen unterklassige Gegner. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte auch mal gegen ernstzunehmende Mannschaften treffen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, z.B. Kombinationssicherheit. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, auch das Verständnis für die Mitspieler sollte da sein. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, auch die Laufwege sollten zu den Kollegen passen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er kann z.B. auch seinen Mitspielern Räume frei sperren. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte auch ein guter Vorlagengeber sein. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, Präzision beim Torschuss wäre auch nicht schlecht. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte bei seiner Einwechslung das Spiel auch mal beleben können. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er muss auch den Mund halten können. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte nicht glauben, nur weil er in der Provinz der Prinz war, in der Großstadt der König zu sein. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte auch von besseren Mitspielern und Gegnern lernen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, es sollte auch erkennbar sein, dass er lernwillig ist. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen, er sollte sich stetig verbessern, und das sollte sich auch zeigen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen und das Halten des Status quo. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen. Zu einem Stürmer gehört mehr als das Toreschießen.

Aus der Serie: 99 Gründe, warum beim FC Bayern Klose statt Podolski in der Startaufstellung steht. Wie schon gesagt. Das alles gilt selbstverständlich nur für deutsche Stürmer beim FC Bayern.

*1-2-3, ha ha ha. Wer zuletzt lacht. (Nachtrag, 10.9.)

Nebenbei versaut er auch noch Guido Schröter die Pointe. Gut so. (Nachtrag, 14.9.)

Machbar

Die vier Mannschaften der Gruppe F
Screenshot: vier Lose

Olympique Lyon, FC Bayern München, Steaua Bukarest, AC Florenz.

Das ist die Champions League-Gruppe, aus der die Bayern mindestens Zweiter werden müssen, um ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen. Es hätte schwerer kommen können (Gruppe H), aber auch leichter (Gruppe B). Kein Verein aus England, kein Verein aus Spanien, den beiden z.Zt. stärksten Ligen Europas. Meine hypothetische Horrorgruppe (Motto: ‘Fun in der Vorrunde’) aus Chelsea, Bayern, Zenit St. Petersburg und Atletico Madrid ist es auch nicht geworden.

Da sage ich mal: machbar. Bei den Ansprüchen der Bayern muss ein Weiterkommen drin sein, damit setzt man auch Klinsmann nicht zu sehr unter Druck. Unterschätzen sollte man Lyon, Bukarest und vor allem Florenz dennoch nicht. Viel entscheidender wird aber sein, ob die Bayern rechtzeitig zur Gruppenphase ins Laufen kommen. Nach den bisherigen Eindrücken der Saison stapele ich bei meiner Prognose aber mal lieber tief.

AC Florenz - Luca Tonis Ex (#9)
Das Los musste nicht sein, die Fiorentina ist ein starker Gegner – und war neben Atlético Madrid die zweitstärkste Mannschaft aus dem vierten Lostopf. Der AC hat es letzte Saison bis ins Halbfinale des Uefa-Cups geschafft, ehe er unglücklich nach Elfmeterschießen gegen die (grausam spielenden) Mauerspezialisten aus Glasgow ausschied. Ein starker Auftritt, ebenso stark: der vierte Platz in der italienischen Liga in der vergangenen Saison. Und die Videos, die die auf ihrer Homepage einbauen, gefallen mir auch. Sonst noch was? Ach ja: der AC Florenz ist einer von den neun Exvereinen Luca Tonis – und ein Verein, der mal das Kunststück fertig brachte, mit Battistuta, Effenberg und Brian Laudrup im Kader abzusteigen.
Prognose: Gruppenerster.

Olympique Lyon - eine Rechnung offen
Da war doch mal was? Gegen den französischen Dauermeister hat Bayern in der Vergangenheit nicht immer souverän ausgesehen. Lyon hat die letzten Jahre in der Champions League oft beeindruckt und war nicht nur für mich ein gar nicht so geheimer Tipp auf den Gesamtsieg. Dennoch ist der Mannschaft der große europäische Durchbruch bzw. Titelgewinn nicht gelungen. Drei Jahre lang kam Lyon zumindest ins Viertelfinale, in der letzten Saison schieden die Franzosen aber schon nach dem Achtelfinale aus der Champions League aus. Zu ihrer Ehrenrettung: gegen den späteren Sieger und ziemlich knapp. Aber auch wenn Lyon diese Saison ein deutlich besserer Start als den Bayern gelang, glaube ich, dass die Mannschaft über den Zenit (no pun intended) ist und die Chance verpasst hat, die Champions League zu gewinnen. Karim Benzema ist allerdings ein Knaller, auf ihn freue ich mich. Auf Antonio Augusto Ribeiro Reis nicht so sehr, aber vielleicht schießt ein 33-Jähriger ja nicht mehr gar so dolle Freistöße.
Prognose: Gruppendritter.

Steaua Bukarest - die Unbekannte
23 nationale Meistertitel (zuletzt 2006), 20 Pokaltitel, 1986 Europapokalsieger der Landesmeister. Ein Verein mit glorreicher Vergangenheit, der sich zwar zum dritten Mal hintereinander für die Gruppenphase der Champions League qualifizieren konnte (und Galatasarays Trainer Michael Skibbe zum ‘Dead Man Walking’ machte), in der letzten Saison aber nun wirklich nicht überzeugte (siegloser Gruppenletzter mit fünf Niederlagen und einem Unentschieden). Kann ich eigentlich nicht richtig einschätzen, bin aber ziemlich gelassen. Schönes Detail: der Transferwert Steauas beträgt etwa ein Zehntel dessen, was die anderen Mannschaften der Gruppe so im Kader haben (will sagen: für einen Ribéry könnte man theoretisch den kompletten Kader Steauas erwerben). In diesem Zusammenhang: Links zu den Transfermarktseiten von Lyon, Bayern, Florenz und Steaua.
Prognose: Gruppenletzter.

Wie die Uefa die Stärken der hier porträtierten Mannschaften in den letzten Jahren einschätzte (bzw. wie sich die Vereine im Europapokal geschlagen haben), lässt sich gut an den Team-Koeffizienten ablesen:

Team-Ranking 1999-2008. Grafik erstellt mit dem Uefa-Team-Ranking-Chart von Bert Kassies (kassiesa.com)

Grafik: Die vier Teams im Chartvergleich.
Erstellt mit Bert Kassies unverzichtbarem Uefa-Team-Ranking-Chart (die Lücke bei Florenz ergab sich durch deren Verwicklung in den italienischen Bestechungsskandal).

Die Uefa platzierte Lyon also in der (abgeschlossenen) europäischen Rangliste für 2008 auf Platz 8 (Platz 1: Chelsea), Bayern auf 11, Steaua auf 29 und Florenz nur auf 59 (zum aktuellen, nach jedem Spieltag veränderten Ranking).

Wäre Fußball ein Wunschkonzert, käme Bayern bei mir also als Gruppenzweiter ins Achtelfinale. Worst Case: Gruppendritter (mit Lyon statt Bayern im Achtelfinale). Aber noch ein Jahr im Uefa-Cup? Trotz des Wahnsinns in der letzten Saison: eine schreckliche Vorstellung. Dann lieber im Achtelfinale ausscheiden.

Sollte Bayern gar noch hinter Bukarest (oder wem auch immer) Gruppenletzter werden, wäre Klinsmanns Bayern-Projekt schon nach ein paar Monaten massiv gefährdet: weil es dann vermutlich ohne Klinsmann weiter ginge. Soweit die Kaffeesatzleserei, los geht’s am 17. September 2008.

PS: Trotz des leicht pessimistischen Grundtons: habe ich schon deutlich genug gemacht, dass ich mich tierisch auf die Champions League freue? Nein? Bitte sehr: ich freue mich tierisch auf die Champions League. Muss man auch mal (wieder) sagen, die Teilnahme ist ja nicht selbstverständlich.

Nachtrag, 12.9.2008
So sieht es ESPN.

Niemand schlafe! Niemand schlafe!

Die Erkenntnisse des 15. August 2008
Trotz Dopings rührt mich ein Olmypiasieg einer deutschen Schwimmerin, dieser Schwimmerin, nach der Vorgeschichte der letzten Tage und ob der dann gezeigten Freude. Dafür liebe ich als Zuschauer Spitzensport, immer noch, trotz allem.

In einer Arena treten Opernsänger vor Opernpublikum auf. Passt doch. Soll sich aber dann später keiner über die Scheiß-Stimmung aufregen. Und irgendwie hätte der Mann mit den früher schiefen Zähnen die Textzeile “Nessun dorma!” doch auf Deutsch singen sollen. Oder portugiesisch, für Lucio. So versteht das doch nur Luca Toni – und der konnte leider nicht mitspielen.

In Deutschland singen im Fernsehen alle immer brav Playback, selbst Opernsänger. Eigentlich ein Sakrileg für die Branche. Schlimm. Dann kann auch ein DJ eine Platte auflegen.

Unoriginellste Erkenntnis des Tages:

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Der Trainingsauftakt (eine Fotoserie)

Gestern, an der Säbener Straße.

Klinsi und Co.

Weitere Bilder nach dem Klick.

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