Vorbericht: FC Köln – FC Bayern (Gastautor: Axel)

In nicht einmal 24 Stunden spielt der FC Bayern München in Köln, gegen den dortigen 1. Fußball-Club Köln 01/07 e. V. Anlässlich dieses Gastspiels hat mich der FC-Köln-Fan Axel (vom Blog “Der vierte Offizielle“) gefragt, ob ich nicht Lust auf einen Vorberichtsaustausch wie neulich mit Jekylla habe. Hatte ich. Seinen Vorbericht über das kommende Bundesligaspiel der Bayern findet ihr hier, meinen wenn ich ihn dann endlich fertig geschrieben habe, demnächst auf dervierteoffizielle.de.

Es könnte ja alles so einfach sein, nicht wahr? Eine fußballverrückte Stadt, ein schmuckes 50.000-Mann-Stadion, dass eigentlich immer mit williger Kundschaft voll ist, Bereitschaft aus der Wirtschaft, Geld in die Hand zu nehmen. Alles da. Woran liegt es denn nur, dass mein Verein seit 21 Jahren am Boden liegt? Warum ist in Köln immer alles anders?

In den letzten Tagen konnte der geneigte Beobachter wieder einmal bewundern, wie es der FC perfektioniert hat, sich ins eigene Knie zu schießen. Mit der Farce um Choupo-Moting, der unfassbaren Niederlage gegen St. Pauli und den internen Querelen um den jetzigen Vorstand ist der Kölner “Vorzeigeclub” zwar erneut in vielen Gazetten vertreten, doch natürlich nur, damit Restdeutschland was zum lachen hat.

Sie merken es schon, es ist in diesen Tagen nicht leicht, ein Fan oder ein Freund des 1.FC Köln zu sein. Ich verzage auch langsam an dem Gedanken für den Rest meines Lebens eher die Sportfreunde Siegen als den FC Barcelona sehen zu müssen aber: Es nützt ja nix, da müssen wir jetzt durch. Was soll ich machen? Nach Leverkusen gehen?

Am Samstag tritt der deutsche Rekordmeister in Köln-Müngersdorf zum Kräftemessen an. Wie bei jedem Spiel gegen die Bayern (bei wohl jeder Mannschaft in Deutschland) gilt auch diesmal: Hey, kein Problem, willkommen, es ist das einfachste Spiel des Jahres, kein Mensch rechnet mit irgendwas außer einer Niederlage. Schaut man ein wenig zurück, so ist der letzte Sieg der Bayern jedoch schon eine ganze Weile her: Er datiert aus dem September 2008, ebenfalls in Köln. Seitdem gab es für den FCB keine drei Punkte mehr gegen den FC aus Köln. Tapfere drei Unentschieden und sogar eine Niederlage stehen von 2009 bis Heute zu Buche. Haben die Bayern eine ähnliche Bilanz gegen einen anderen Gegner auf diesem Planeten?

Es besteht also kein Grund die Flinte gleich ins Korn zu werfen, auch wenn Köln tief (und ich meine tiiiief) im Abstiegssumpf steckt und die Bayern gerade zurück in die Spur finden. In Volker Finkes erstem leibhaftigen Spiel im Rheinenergiestadion (oh Mann…) wird Trainer Schaefer versuchen der Mannschaft wieder ein Stück Leben einzuhauchen, die Fans zurück zu gewinnen, den “Express” ein wenig ruhig zu stellen. Ich gehe tatsächlich nicht von einer defensiven Strategie aus, auch wenn die Mannschaft -unbestritten- nicht die Qualität hat um spielerisch gegen den FCB mitzuhalten. Es wird über den Kampf gehen müssen.

Der neue Sportdirektor traf sich dann auch sogleich mit dem ehemaligen Kapitän, seinem Freiburger Ziehkind Mohammad, der seit der Inthronisation des Prinzen im Schmollwinkel ausharrt, angeblich schon in der Winterperiode den Verein verlassen wollte aber nun doch weiter am Geißbockheim grast. Mohammad ist extrem wichtig für die Innenverteidigung, denn Neuzugang Eichner ist für die linke Seite geholt worden und der zweite Neuzugang, der Japaner Makino sollte eine Alternative für die rechte Außenbahn sein, die letzten Samstag so gnadenlos unterging.

Idealerweise würde sich die Abwehr aus Eichner – Mohammad – Geromel – Makino zusammensetzten. Im Tor, der dritte Neuzugang des Winters, „Euer“ ehemaliger Titan-Nachfolger Rensing. Gegen Pauli zeigte er eine sehr gute bis fantastische Leistung. Er allein verhinderte ein 0:6 beim direkten Abstiegskonkurrenten. Rensing scheint eine gute Wahl zu sein, wenn man das nach drei Spielen sagen kann.

Unser traditionell schwaches Mittelfeld (das hätte man mir mal vor zwanzig Jahren sagen sollen: Köln? traditionell schwaches Mittelfeld…) vergessen wir mal ganz schnell. Keine Ahnung ob Petit wieder dabei ist oder immer noch an einer Zerrung aus dem Lautern-Spiel laboriert. Keiner der auflaufenden Spieler hat die fußballerische Qualität um das offensive Mittelfeld der Bayern ernsthaft in Gefahr zu bringen. Es wird wahrscheinlich darauf hinaus laufen das Spiel möglichst hässlich zu gestalten, weit weg vom eigenen Strafraum, ergo: Hoch und weit über Matuschyk und Lanig hinweg, die beide eh -sowohl geistig als auch körperlich- viel zu langsam sein dürften.

Vorne steht mit Peszko der vierte Wintereinkauf, ein polnischer Nationalspieler, der gegen Bremen eine schöne Leistung zeigte, gegen Pauli jedoch mit dem Rest der Mannschaft unterging. Auf der anderen Seite rechne ich mit Clemens statt Jajalo, wie in den Spielen vorher. Dazu kommt dann noch das Prinzenkind, der Erlöser Bergheims mit dem Vorzeige-Idiom: Der Poldi!

Podolski spielt gar keine schlechte Saison, wenn man mal bedenkt wer ihm alles zu Seite gestellt wurde. Dennoch ist es so, dass man ihm schon in den ersten Minuten anmerkt ob er „Bock“ auf Fußball hat, oder eben nicht. Er kann an guten Tagen begeistern, berauschen, verzaubern, keine Frage. Genauso kann er aber auch an miesen Tagen die ganze Mannschaft mit in den Abgrund ziehen. Viertel vor Vier wissen wir mehr.

Im Sturmzentrum steht Novacovic. Ja. So in etwa. Er steht halt da. Mehr braucht es manchmal nicht, viel mehr kommt aber auch nicht. Er braucht halt mal was Verwertbares.

Was bleibt denn nun für Samstag? Auf dem Papier ‘ne klare Sache für Euch, doch es gab schon größere Sensationen in der Geschichte. Falls der FC es schafft in den ersten Minuten Müngersdorf wieder ins Boot zu holen, falls die Mannschaft den Kampf annimmt und einsieht, dass sie nur mit höchster körperlicher Disziplin eine Chance gegen die Bayern haben wird, falls Poldi und Rensing einen Sahnetag erleben…es ist wie immer: Das Spiel muss erst gespielt werden.

Für diejenigen, die nach Köln reisen noch ein kleiner Tipp: Am Samstag 14:00 Uhr spielt die Fortuna (mittlerweile NRW-Liga) gegen RW Essen. Hafenstraße, you know. Da braut sich was zusammen. Ich würde die Altstadt an diesem Samstag Abend meiden, ebenso die Gebiete rund um den Chlodwigplatz. Dennoch viel Spaß in Köln auch wenn ich hoffe, dass die drei Punkte überraschenderweise am Rhein bleiben.

Tops und Flops der Europameisterschaft

TOP

  • Die Europameisterschaft
    Ein tolles Turnier, mit einem sensationell hohen Anteil an unterhaltsamen, spannenden und überraschenden Spielen, kurz: das beste Turnier, das ich als Erwachsener ((also seit der Weltmeisterschaft 1986)) erlebt habe.
  • Deutschland
    Zweiter. Hätte ich vorher nicht gedacht.
  • Spanien
    Erster. Hätte ich vorher auch nicht gedacht. ((Ich hatte auf Italien als Europameister getippt (und Luca Toni als Torschützenkönig!). Wer meine restlichen Tipps sehen möchte, kann z.B. hier gucken. Oder besser hier.))
  • Die Mannschaft, die über das Turnier den besten Fußball gespielt hat, gewinnt auch das Endspiel
  • Türkei
  • Russland
  • Die Niederlande in der Vorrunde
  • Philipp Lahm
  • Bastian Schweinsteiger, Fußballgott
  • Der offensive Lukas Podolski
  • Artur Boruc
  • Yuri Zhirkov
  • Franck Ribéry
  • Hamit Altintop
  • Mehmet Scholl
  • Sarah Brandner
  • Ballacks Freistoß gegen Österreich
  • Schweini-Poldi-Lahmi-Tore
  • Deutsch-türkische Völkerverständigung
  • Türkische Mannschaftsärzte beim Flicken einer Platzwunde
  • Das Schweizer Fernsehen, das da ist, wenn man’s braucht
  • Regenschlachten
  • Die letzten Minuten der Spiele, an denen die Türkei beteiligt war
  • deutsche Sportblogs zur EM (insbesondere AAS und das EM-Blog)
  • Taktikdiskussionen nach gewonnenen Spielen
  • der tägliche Arnd Zeigler
  • der tägliche EM-Podcast des Guardian
  • Wettschulden
  • Der Song Seven Nation Army von den White Stripes
  • Autokorsos
  • Innenstädte nach gewonnenen EM-Spielen
  • Das Wort “Grölmodus
  • EM08Hashtags, wenn Twitter funktioniert

FLOP

  • Italien
  • Frankreich
  • Griechenland
  • Österreich
  • Cordoba-Referenzen
  • Schweiz
  • Die Niederlande in der Finalrunde
  • Vorrundeneuropameister
  • Luca Toni
  • Petr Cech
  • Antonis Nikopolidis
  • Michael Ballack
    Der ewige Zweite.
  • Christiano Ronaldo
    Ein schönes deutsches Wort dazu: Schadenfreude.
  • Mario Gomez
  • Kevin Kuranyi
  • der defensive Lukas Podolski
  • Franck Ribérys Verletzung
  • Alexander Freis Verletzung
  • Raymond Domenech
  • Heiratsanträge nach Fußballspielen
  • Otto Rehhagels Taktik, vor allem im ersten Spiel
  • Interviews mit Otto Rehhagel
  • Die Coaching-Qualitäten von Jogi Löw
  • Die Zusammenstellung des deutschen Kaders
  • Deutsche Mannschaftsärzte beim Flicken einer Platzwunde
  • Fußballschauspieler ((ich bin für eine konsequente, auch nachträgliche Bestrafung und Sperre für jede Art von Schwalben, für ausuferndes Rumgewälze nach vermeintlich harten Fouls, Zeitschinden, Diskussionen mit Schiedsrichtern usw.))
  • Vierte Offizielle
  • der Uefa-Bilderkontrollwahn
  • die Bildregie der Fußballübertragungen
  • Schwenks über Spielerfrauen, Politiker, Funktionäre und Fanclowns auf den Tribünen, während das Spiel läuft
  • Gewitter zur falschen Zeit
  • die Stromversorgung des Medienzentrums in Wien
  • deutsche Flaggenphobikerdiskussionen ((eine Lektüreempfehlung zum Thema. Was ein, zwei Ausländer denken.))
  • elitäre Fußballexperten
  • Taktikdiskussionen nach gewonnen Spielen
  • (fast) ausnahmslos alle deutschen Kommentatoren, Moderatoren, Moderationen und Beiträge, die im Fernsehen zu sehen und leider meist auch zu hören waren
  • Seebühnen
  • die generelle Qualität der Fußball-Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
  • “Waldis EM-Club”
  • “Nachgetreten”
  • Fandarsteller, zu denen nach den Spielen geschaltet wird
  • Fandarsteller in den Stadien, die das Trikot einer Mannschaft tragen, ohne deren Fan zu sein
  • Inszenierungen einer Fußballsendung als “Fußballporno” (SZ)
  • kein Zweikanalton bei den Übertragungen (Kanal 1: mit Kommentar, Kanal 2: ohne)
  • Twitter, wenn’s mal wieder nicht funktioniert

OT: Frings-Content et al.

Zum anknabbern: Fringles (via the Offside). Auch nicht schlecht: Torsten Frings als Cross-Dresser. Bitte dort auch nach oben scrollen, da küssen sich ein goldener Leguan namens “Schweini” und eine schwule Fee namens “Poldi” und es entsteht… aber schaut selbst. Einen Hanke-Schlumpf gibt’s auch (heh, ich hab’s nicht erfunden, es war die Church of teh Cute). Noch mehr Frings-Content: Torsten beim Urlaub in Portugal. Und zum Abschluss gibt’s noch fringslose Enthüllungen über Ribéry.

Poldis Kneipe in München

Poldis Kneipe in München

Das “Poldi” in München, gefunden gegenüber dem Stadion an der Grünwalder Straße – einen Kilometer vom Trainingsgelände des FC Bayern München entfernt. Hieß früher (?) offenbar “A1-Bistro (Danke, frank). Vielleicht steigert der Name ja den Bierumsatz. Ob man dort ein Kölsch oder ein Żywiec bekommt?

Mein Zwischenzeugnis für den FC Bayern

Es gibt ja kaum einen Beruf, bei dem die jeweilige Leistung der Berufstätigen so oft und so öffentlich bewertet wird wie bei Profi-Fußballern. Fast jeder, der ein Spiel – oder auch nur einen Teil davon – gesehen hat, beurteilt die Kicker nach ihrem Auftreten in der öffentlichen Arbeitszeit, gern auch mal mit drastischen Äußerungen. Ob die Urteile immer ganz zutreffend sind, soll hier nicht Thema sein, auch wenn ich mich bei manchem Kritiker frage, ob die das selbe Spiel wie ich gesehen haben. Aber auch das macht ja den Reiz am Fußballspiel aus, dass fast jeder meint, mitreden zu können. Da will ich mich nicht zurückhalten und mein ganz persönliches Zwischenzeugnis für den aktuellen Profi-Kader des FC Bayern München ausstellen (weitere ausführliche Analysen gibt’s übrigens bei Breitnigge und Agitpop).

TORWART
Oliver Kahn (37 Jahre), Vertrag bis 2008. Immer top-motiviert (damit fällt man im aktuellen Bayern-Kader leider schon auf), aber nicht mehr immer mit Top-Leistungen. War nie ein mitspielender Torhüter, wird auch keiner mehr werden, was leider inzwischen auch oft negativ auffällt. War als früher für den Erfolg der Bayern deutlich wichtiger, könnte eigentlich nach dieser Saison abtreten, da mit Rensing eine gute Alternative bereit steht.
Meine Empfehlung: Sehr guter zweiter Mann hinter Rensing, könnte das Karma-Handling anwenden, was er bei der WM gelernt hat. Wird das aber wohl nicht mit sich machen lassen – und Hitzfeld wird wohl auch eher auf ihn als auf Rensing setzen. Könnte als einer der weltbesten Torhüter und ehemaliger Torwart-Titan auf eine sehr, sehr eindrucksvolle Karriere zurückblicken und muss sich den UEFA-Cup nicht mehr antun. Bliebe ein Großer, wenn er jetzt abtritt, kann sich in der kommenden Saison eigentlich nur verschlechtern.

Michael Rensing (22), Vertrag bis 2010. Meine erste Wahl für den Torwart-Posten der Bayern, auch wenn er nicht in allen Spielen, die ich mit ihm gesehen habe, immer überzeugend aufgetreten ist. Hat sich aber inzwischen seine Chance verdient. Könnte für die Bayern eine ähnliche Rolle wie Adler in Leverkusen und Neuer in Schalke spielen, die beide souverän ihre älteren Vorgänger abgelöst haben. Würde auch dem Spiel der Bayern gut tun, da er für eine deutlich modernere Torwart-Spielweise steht.
Emfpehlung: Neuer erster Mann im Tor. Mit Kahn stünde – falls der ehemalige Titan das mit sich machen lässt – dann eine sehr gute Alternative bereit.

Bernd Dreher (40), Vertrag bis 2007. Der ewige Dreher – gut für den Posten des dritten Torhüters.
Empfehlung: Kann das gerne noch ein paar Jahre machen, wenn – wie zur Zeit – zwei bessere Alternativen bereit stehen.

ABWEHR
Willy Sagnol (30), Vertrag bis 2010. Der Möchtegern-Kapitän. Kann, wenn er will, auf sehr hohem Niveau spielen, will und kann aber offenbar nicht immer. Leider schwankende Leistungen mit einer sehr hohen Streuung bei der Qualität seiner Flanken. Kennt die Grundlinie nicht.
Empfehlung
: Braucht Konkurrenz auf seiner Position, sollte lernen, wo das Spielfeld endet und nicht so viel mit den Schiedsrichtern diskutieren. Darf aber bleiben, ist einer der Guten.

Lúcio (28), Vertrag bis 2010. Der Kommunikations-Verweigerer. Wäre absolute Weltklasse, wenn er sich besser mit seinen Kollegen absprechen würde. So leider manchmal ein Sicherheits-Risiko, da er seine Nebenleute schlechter aussehen lässt, als sie sind. Leider unklar, ob er sich für den UEFA-Cup motivieren kann.
Empfehlung: Muss bleiben, einer der wenigen unumstrittenenen Bayern-Spieler. Wenn er noch lernt, bei seinen Offensiv-Vorstößen im richtigen Moment abzuspielen und mit seinen Mitspieler zu reden, eine der unverzichtbaren Säulen des Teams.

Daniel van Buyten (29), Vertrag bis 2010. Besser als sein Ruf. Technisch beschränktes, aber sehr solides Spiel, ist vor allem auch durch die mangelnde Kooperationswilligkeit seines Arbeitskollegen Lúcio in die Kritik geraten. Wurde meiner Meinung nach von Hitzfeld auch unnötig kritisiert und erst dadurch schlechter. Könnte mit Ismaél ein Innenverteidiger-Duo auf internationalem Niveau abgeben, das zumindest für den UEFA-Cup gut genug wäre. Ist einer der wenigen im Bayern-Kader, der auch per Kopfball Gefahr ausstrahlt und kann zur Not auch den Mittelstürmer spielen, übrigens durchaus mit Erfolg (Hinspiel gegen Milan).
Empfehlung: van Buyten sollte portugiesisch lernen, dann klappt’s auch mit dem Nachbarn. Nicht unverzichtbar, aber auf jeden Fall gut genug für die Bayern im UEFA-Cup.

Andreas Görlitz (25), Vertrag bis 2010. Deutlich dynamischer und offensiv variabler als Sagnol, da er weiß, wo die Grundlinie ist und auch mal von dort flankt. Zuletzt leider nicht immer erfolgreich im Zweikampf, war vor seinen schweren Verletzungen eindrucksvoller und gab damals Anlass zu großen Hoffnungen.
Empfehlung: Wenn er wieder das Niveau vor seiner Verletzung erreicht, ein sehr guter Spieler mit Potential für die Nationalmannschaft. Kann hoffentlich wieder auf diesem Niveau oder sogar besser spielen. Halten.

Philipp Lahm (23), Vertrag bis 2009. Hat jüngst ein wenig Glanz verloren, ist aber immer noch einer der besten Deutschen auf seiner Position und mit einer unvergleichlichen Spielintelligenz ausgestattet. Hat in dieser Saison Fehler gemacht, die er sonst nicht gemacht hat. Spielt normalerweise sehr solide, hatte in kniffligen Spielsituationen eigentlich fast immer die richtige Idee und darf nur nicht in Kopfball-Duelle verwickelt werden – leider hatten das diese Saison seine Kollegen in der Innenverteidigung ein paar Mal vergessen. Ihm könnte auch ein wenig Konkurrenz gut tun.
Empfehlung: Halten. Wäre, wenn er noch wachsen würde, der beste deutsche Spieler der Liga. Da das wohl leider nicht der Fall ist, sollten die Bayern mit Marcell Jansen eine Alternative für seine Postion kaufen.

Valérien Ismaël (31), Vertrag bis 2008. War leider lange verletzt, wäre gut, ihn mal wieder zu sehen, auch wenn er bei den Bayern (wie schon auch in Bremen) selten genug gezeigt hat, dass er auf absolutem Top-Niveau spielen kann. Kann diese Saison nicht beurteilt werden.
Empfehlung: Hat leider noch nicht bewiesen, dass er ein Stamm-Spieler sein müsste. Derzeit nicht unverzichtbar für die Bayern, soll sich aber erstmal erholen.

Christian Lell (22), Vertrag bis 2009. Eine Belebung des Spiels, manchmal noch etwas fahrlässig, kann aber ein Guter werden. Hat zu wenig Spiele gemacht, um genau beurteilt zu werden.
Empfehlung: Halten, hat Perspektive.

Mats Hummels (18), Vertrag bis 2009. Kann ich nicht beurteilen, hat in dieser Saison noch nicht bei den Profis mitgespielt.
Keine Empfehlung.

MITTELFELD
Martin Demichelis (26), Vertrag bis 2010. Der Harte. Ersetzt mangelnde spielerische Klasse durch Härte, sieht dabei nicht immer gut aus, kommt gerne zu spät und macht dann unnötige Fouls. Hat aber eine Dynamik, die manche seiner Mitspieler vermissen lassen. Kann köpfen, kann sonst kaum jemand bei Bayern. Würde ihn gerne mal auf der Position sehen, die er gelernt hat: Innenverteidiger.
Empfehlung: Kann im Mittelfeld die Rolle von Hargreaves spielen, falls der die Bayern verlässt. Kann gerne auch noch mal als Innenverteidiger eingesetzt werden. Eigentlich spielerisch nicht gut genug für die Champions League, muss aber auf dem Niveau 2007/2008 wohl auch nicht spielen, darf daher bleiben.

Mehmet Scholl (36), Vertrag bis 2007. Karriereende. Wird von vielen vermisst werden, auch wenn er zuletzt kaum noch spielte. Wenn er spielte, war er oft nicht mehr schnell und gut genug und fand keine Bindung ins Spiel. War die letzten Jahre daher für die Bayern eher als Maskottchen wertvoll, leider nicht als Spieler, auch wenn manche Nostalgiker es anders sehen – und wohl auch sehen wollten. Ist aber immer noch der Sympathie-Träger der Bayern und wird zu Recht ein tränenreiches Abschiedsspiel bekommen.
Keine Empfehlung.

Ali Karimi (28), Vertrag bis 2007. Konnte sich nie wirklich durchsetzen, auch wenn er einer der wenigen kreativen Mittelfeld-Spieler der Bayern ist. Verlässt die Bayern wohl zum Saisonende, wird nicht vermisst werden.
Empfehlung: Kann zum Ende der Saison ablösefrei gehen, sollte das auch machen.

Mark van Bommel (30), Vertrag bis 2009. Leider ein wichtiger Spieler. Leider – weil er oft unfair spielt, was mir nicht gefällt. Wichtig – da er einer der wenigen Spieler der Bayern ist, die wie Kahn oder ehemals Effenberg für die “Uns kann keiner/Mir san mir”-Mentalität stehen, die die Bayern einst auszeichnete und die sie auch gegen spielerisch bessere Gegner gut aussehen lies. Macht die Drecksarbeit im Mittelfeld, bräuchte einen Kreativspieler an seiner Seite, da er keiner ist. Könnte mit Spielern wie Diego oder Van der Vaart eine schöne Gut-und-Böse-Kombination abgeben. Zur Zeit wichtig für die Bayern, zu wichtig nach meinem Geschmack – dass er so wichtig ist, zeigt nur, dass die Bayern derzeit zu wenig Führungsspieler im Team haben.
Empfehlung: Halten, bitte durch Kreativspieler ergänzen.

Hasan Salihamidzic (30), Vertrag bis 2007. Hat sich in dieser Saison noch einmal von seiner besten Seite gezeigt, fast immer mit vollem Engagement. Geht nach Turin, wäre in der derzeitigen Form definitiv noch gut genug für die Bayern.
Keine Empfehlung, leider.

Owen Hargreaves (26), Vertrag bis 2010. Wenn Manchester United wirklich über 20 Millionen Euro für ihn bietet – bitte gehen lassen, hat bei den Bayern nicht gezeigt, dass er so viel Geld wert wäre. Hat die besten Spiele in den letzten Jahren für seine Nationalmannschaft gemacht. Ist nicht der Spieler, der ein Spiel drehen kann. Wichtig bei der Balleroberung, leider zu wenig Offensiv-Stärke.
Empfehlung: Wenn wirklich so viel Geld für ihn geboten wird – gehen lassen. Für das Geld sollte es Alternativen geben.

Bastian Schweinsteiger (22), Vertrag bis 2009. Ein kreativer Bayern-Spieler! Außerdem jung und noch steigerungsfähig – ist damit eine Ausnahme im derzeitigen Kader. Könnte, sobald er nicht mehr die alleinige Rolle des Kreativspielers im Mittelfeld übernehmen muss (eine Rolle, die ihn derzeit noch überfordert), deutlich aufblühen. Seine Karriere ist allerdings durch die inzwischen bestätigte Borreliose-Infektion gefährdet.
Empfehlung: Bitte mit Kreativspieler ergänzen, ihm sagen, dass er nicht nur aus der Entfernung aufs Tor schießen darf, unbedingt halten.

Stephan Fürstner (19), Vertrag bis 2010. Kann ich nicht beurteilen, hat in dieser Saison noch nicht mit den Profis gespielt.
Keine Empfehlung.

Andreas Ottl (22), Vertrag bis 2008. Für sein Alter sehr solide. Nicht mehr – aber auch nicht weniger. Macht wenig Fehler, hat aber noch zu geringe Durchschlagskraft für die Offensive. Bis jetzt eher ein guter Mitläufer. War vor allem im Spiel gegen Inter und im Hinspiel gegen Milan erstaunlich gut. Wenn er das Niveau halten kann, ist er eine echte Verstärkung des Teams.
Empfehlung: Halten, Perspektivspieler.

ANGRIFF
Roy Makaay (32), Vertrag bis 2008. Ja, der Makaay. Guter Mann, leider spielerisch mit begrenztem Repertoire, braucht das Konterspiel für seine Tore. Ihm fehlen derzeit oft die Vorlagen. Kann z.B. mit einer typischen Sagnol-auf-Ballack-Gedächtnisflanke aus dem Halbfeld nichts anfangen, da er nicht köpfen kann. Nimmt auch gerne mal nicht am Spiel teil, wohl, weil er kaum Konkurrrenz zu fürchten hat. Fällt dann um so mehr auf, wenn er dann doch mal intensiver am Spiel teilnimmt, was eigentlich normal sein sollte. Hat nie verwunden, nicht die erste Wahl für die holländische Nationalmannschaft zu sein. Ist aber trotz allem der beste Stürmer der Bayern, auch wenn seine Formkurve so langsam nach unten zeigt.
Empfehlung: Bayern braucht eigentlich eine Alternative für seine Position. Spielt zu eindimensional, als das man im Sturm ausschließlich auf ihn setzen könnte und ist mit 32 auch nicht mehr der Jüngste.

Lukas Podolski (21), Vertrag bis 2010. Noch nicht ganz in München angekommen, noch steigerungsfähig. Konnte bisher nicht das zeigen, was er in der Nationalmannschaft oder in Köln gezeigt hat. Hat sich gegen Milan in der zweiten Halbzeit sogar unsichtbar gemacht, kann gegen große Gegner noch nicht überzeugen. Ist aber noch jung und kann und muss noch lernen, auch wenn ich bei ihm nicht immer das Gefühl habe, dass er das will.
Empfehlung: Halten. Hat noch nicht das gezeigt oder zeigen können, was er versprochen hat, sein Durchbruch bei den Bayern steht noch aus.

Claudio Pizarro (28), Vertrag bis 2007. Guter Joker, gute Alternative für den Sturm. War in dieser Saison oft eine Belebung für den Angriff, auch wenn er kein Weltklasse-Spieler ist. Kann variabler als Makaay eingesetzt werden und versteckt sich im Gegensatz zu Podolski nicht.
Empfehlung: Mich würde es nicht stören, wenn er noch ein Jahr bliebe, ist ein guter Joker und war zuletzt fast immer engagiert, was ihm in den letzten Jahren nicht immer gelang. Wird den Verein aber wohl verlassen.

Roque Santa Cruz (25), Vertrag bis 2009. Ist nicht gut genug für die Bayern. War’s leider auch nie, das wollte sich die Vereinsführung aber nicht eingestehen. Modellbeispiel für ein ewiges Talent, ist inzwischen aber selbst dafür zu alt. Steht für die eher schlechte Arbeit der Bayern-Scouts. Macht mich wahnsinnig, wenn er spielen darf. Lief sich in der Halbzeitpause gegen Milan warm, wurde also als der Spieler einwechselt, der das Spiel drehen sollte. Das kann Hitzfeld nur als Insider-Scherz für Hoeneß gemeint haben. Wie verzweifelt muss ein Trainer sein, wenn er Santa Cruz als Retter einwechselt?
Empfehlung: Ziehen lassen! Mit Kusshand! Zu jedem Preis! Ansonsten verleihen, keinesfalls auch 2008/2009 spielen lassen.