So seh’n Sieger aus

So seh’n Sieger aus (Video)

9. Dezember 2009, Säbener Straße, Trainingsgelände FC Bayern München.

Lieblingsbegriff des Tages (aktualisiert, mit Blogschau, Nachträgen und einem interessanten Urteil zum Thema Pressekonferenzen)

schlimmster intriganter unfairer Boulevardjournalismus
Harald Landwehr über Raimund Hinko und die Sportbild

Der FC Bayern gibt online (und leider kommentarlos) einen geharnischten Leserbrief an die Sportbild wieder — und die Sportbild keift zurück (oder umgekehrt). Offenbar möchte Klinsmann eben jenen Raimund Hinko (und andere Mitarbeiter der Sportbild) nicht mehr sehen, weil die Zeitschrift “ihn seit Wochen hart angehe” (so die Begründung des Boykotts lt. Sportbild). Sachen gibt’s.

Nachträge und Blogschau
Herr Steudel von der Sportbild recherchiert Herrn Landwehr hinterher (die Sportbild feuert nun eh aus allen Kanälen gegen Klinsmann, eine aktuelle Auflistung gibt’s bei dogfood), dogfood sieht auch genau hin und entdeckt, wer den Schweinsteiger-Vertrag an Sportbild geschickt hat, Reality Check listet noch mal auf, was Bild und Sportbild so alles über die Bayern geschrieben haben, nolookpass weist auf einen Artikel aus dem Weltmeisterschaftsjahr über die Historie des Konflikts hin (via), Paule erkennt in Harald Landwehr einen Retter des Sportjournalismus — und der FC Bayern zwingt den Axel-Springer-Verlag zu einer Unterlassungserklärung (PDF der Pressemitteilung) schafft es aber (noch) nicht, die ordentlich online zu stellen. und freut sich über Paules Applaus. Zitat:

Exemplarisch sei hier ein Auszug eines Users im Blog „Breitnigge.de“ genannt.

Holla! Hat es schon mal ein anderer Fußballblogger geschafft, auf der Website des angebeteten Vereins zitiert zu werden? Da kann Paule ggf. auch verschmerzen, dass er als Schreiber des eigenen Blogs holprig als “User” bezeichnet wird. Verlinken wäre natürlich auch toll, selbst wenn ich mir dann Sorgen um seinen Server gemacht hätte. Lieber FC Bayern: Blogs sind keine Foren, aber das lernt ihr sicher auch noch.

Anbei auch der Wortlaut der kurzen Pressemitteilung der Bayern:

SportBild unterwirft sich Forderung des FC Bayern
Wegen der äußerst rüden und rücksichtslosen, allein auf Profit zielenden Verletzung unserer Rechte durch eine Veröffentlichung in „SportBild“ (Titel-Thema: „Der Vertrag von Schweini!“) hatten unsere Anwälte von der Axel Springer AG gestern als erstes die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung gefordert. Die Axel Springer AG hat sich dieser Forderung unterworfen und heute, wie verlangt, eine umfassende Unterlassungserklärung abgegeben.
FC Bayern München AG

Nachtrag (18.10.)
Weil ich just darüber gestolpert bin und es in diesem Zusammenhang sehr interessant ist: laut dieser Pressemitteilung hat das Oberlandesgericht München vor einem Jahr entschieden, dass

Einzelne Medien dürfen [durch den Ausschluss von einer Pressekonferenz, Probek] nicht diskriminiert werden, auch wenn dem Veranstalter die Berichterstattung nicht gefällt. Eine Pressekonferenz und ein öffentliches Training ist nicht vergleichbar mit einem Besuch im Stadion. Die Rechte des FC Bayern München werden nicht verletzt. Das Presserecht hat Vorrang.

Leider gibt die Quelle das Aktenzeichen nicht her – und das Oberlandesgericht (OLG) hat auf seiner Website auch nichts zum Thema. Gibt es das Urteil den Beschluss irgendwo im Wortlaut?

Nachtrag (20.10.)
Den Beschluss des OLG München habe ich (noch) nicht gefunden, wohl aber ein anderes Urteil (?) des OLG Köln:

Ein Sportverein, der sich selbst in der Öffentlichkeit darstellt, hat eine kritische Würdigung seiner Tätigkeit oder eine kritische Berichterstattung über einzelne Spieler, den jeweiligen Trainer oder die Vereinsführung hinzunehmen und kann eine unliebsame Berichterstattung nicht durch ein Haus- oder Stadionverbot für einzelne Journalisten sanktionieren. Ein betroffener Journalist kann einen Anspruch gegen den Verein auf gleiche Teilhabe an Informationsmöglichkeiten über den Verein wie andere Journalisten auch haben.
Quelle

Ein historischer Tag [Update]

Ein historischer Tag. Nicht für mich, sondern für den FC Bayern. Jürgen Klinsmann ist heute als neuer Trainer des FC Bayern vorgestellt worden – und selbst die Kanzlerin freut sich. Die Verpflichtung von Klinsmann steht – ähnlich wie schon die Einkaufstour im Sommer – nicht nur für eine neue Denkweise bei der Zusammensetzung des Spielerkaders des FC Bayern, sondern auch für neue Ideen auf der Trainerbank. Klinsmann ist für den FC Bayern wirklich “eine Palastrevolution von innen” – wie ein Kommentator auf AAS schreibt. Für die “Zeit” läutet der Coup von Hoeneß, Rummenigge und Co. gar das “Ende der Ära Beckenbauer” ein. Na ja, abwarten. Ein spannendes Experiment ist es aber auf jeden Fall – und eine mutige und richtige Entscheidung, wie ich finde.

Wer übrigens die Pressekonferenz zur Vorstellung von Klinsmann verpasst hat, kann ein erstes Statement von Jürgen Klinsmann oder auch die komplette Pressekonferenz [Update] online ansehen. Auf der selben Website ist auch das Video der lange vorher geplanten Pressekonferenz von Oliver Kahn zu finden, bei dem er gleich mit seiner ersten Antwort auf eine Reporterfrage staubtrocken klar macht, dass er zum Thema “Klinsmann als neuer Bayern-Trainer” nichts sagen möchte – und damit angesichts der Nachrichtenlage die Journalisten für zehn Sekunden zum Schweigen bringt. Anschließend sagt er natürlich trotzdem noch einiges zum Thema, das meiste aber zwischen den Zeilen. Köstlich.

Ein ostrumänisches Teppichlager

Das Bauschild des Teppichlagers

Foto: Ostrumänisches Teppichlager von probek

“Schrecken des Alltags”, “ostrumänisches Teppichlager”, “formal so ehrgeizlos wie nur irgend möglich”, “fettleibig”: der Architekturkritiker der Süddeutschen Zeitung beurteilt den Neubau eines Vereinsgebäudes des FC Bayern München an der Säbener Straße.