Geiselhaften

Trauerflor, Schweigeminute, verkürzte Vorberichterstattung zu einem Uefa-Cup-Spiel: kann mir jemand mal erklären, warum der Fußball von dem Amoklauf in Winnenden so betroffen ist? Verstehe ich nicht (der Trainer auch nicht, aber das nur nebenbei). Das Ereignis in Winnenden und Umgebung ist ein brutales Verbrechen eines kranken Einzeltäters, schlimm genug. Ist aber damit irgendjemandem geholfen, wenn diesem Ereignis auch noch in allen möglichen und unmöglichen Bereichen der Gesellschaft Wichtigkeit zugemessen wird? Ist es nicht eher so, dass die Tat damit noch weiter erhöht wird, wenn man das Betroffenheitsniveau so hoch schraubt? Und wird damit für Nachahmungstäter eine ähnliche Tat nicht noch attraktiver, wenn man sieht, welche Dimensionen die Betroffenheit erreicht?

Und es ist ja nicht nur der Fußball, es ist ein Teil der im Fernsehen übertragenen Unterhaltung betroffen. Auch der Starkbieranstich und eine Sendung wie “Schmidt & Pocher” wurden abgesagt bzw. verschoben. Warum? Wäre es nicht sinn- und pietätvoller, auf Sendungen wie “Brisant” oder “Explosiv” zu verzichten?

Allein für München listet der Veranstaltungsführer der SZ heute 66 Veranstaltungen auf, die in den Bereich “Club & Party”, “Konzert”, “Kultur” und “Spaß haben” aufgeteilt sind. Wurden die auch alle abgesagt bzw. verschoben?